Die skandinavische Privatbank SEB will auch im deutschen M&A-Advisory Fuß fassen.

SEB

26.08.19
Banking & Berater

SEB kehrt ins Corporate-Finance-Geschäft zurück

Kehrtwende bei der SEB: Die schwedische Großbank will in Deutschland wieder ein eigenes Corporate-Finance- und M&A-Team aufbauen – mit überschaubarer Mannstärke und klarem Fokus.

Die SEB setzt in Deutschland wieder stärker auf das Corporate-Finance-Geschäft. Nach vielen Jahren, in denen die schwedische Großbank kein dezidiertes Corporate-Finance-Geschäft in Deutschland betrieb, will sie nun wieder ein kleines Team aufbauen. Dieses soll neben dem klassischen Beratungsgeschäft der SEB – Advisory zu den Themen Rating, Kapitalstruktur und Finanzierung – nun auch explizit die M&A-Beratung umfassen. Ein M&A-Team hatten die Schweden hierzulande zuletzt zu Beginn des Jahrzehnts, traten aber nach kurzer Zeit wieder den Rückzug an.

SEB setzt auf kleines M&A-Team

Das neue Team soll Martin Donges aufbauen und künftig auch leiten. Zu seinem Aufgabenbereich als Corporate-Finance-Leiter gehört auch der Aufbau der entsprechenden Abteilung, dem die M&A-Beratung zugeordnet ist. Donges kam 2015 zur SEB und bringt rund 20 Jahre an Corporate-Finance- und ECM-Erfahrungen mit, unter anderem von einer Station bei JP Morgan.

Das neue Team soll zunächst nur eine einstellige Anzahl an Köpfen umfassen, wie Donges FINANCE sagte. Zum Teil will er die Spezialisten intern rekrutieren, zum Teil aber auch von außerhalb der Bank. Im Kern wird es Aufgabe des Teams sein, Mandate an Land zu ziehen, die dann auch mit Hilfe der zentralen Einheiten bearbeitet werden sollen, die in Nordeuropa sitzen. In Schweden, Norwegen, Dänemark und Finnland beschäftigt die SEB eigenen Angaben zufolge mehr als 100 Corporate-Finance-Spezialisten. Donges berichtet an den Investmentbanking-Chef der SEB in Deutschland, den Finnen Sakari Järvelä.

Im nationalen Kontext soll das M&A-Advisory eng mit dem deutschen Firmenkundengeschäft („Corporate Coverage“) der SEB verzahnt werden, auf globaler Ebene soll das neue Team mit dem bestehenden Corporate-Finance-Team zusammenarbeiten. Laut Donges setzt die SEB auf einen „holistischen“ Ansatz, also eine themenübergreifende Beratung einzelner Firmenkunden aus einer Hand.

Warum die SEB ausgerechnet jetzt zu M&A zurückkehrt

Ihren Fokus legen die Skandinavier nach wie vor auf Deals zwischen nordischen Unternehmen und solchen aus der DACH-Region, wie zuletzt etwa bei der Beratung von E.on beim Zukauf von Coromatic, einem schwedischen Unternehmen, das Betreiber von Rechenzentren bei der sicheren Stromversorgung unterstützt. Auch beim Börsengang der VW-Sparte Traton, die mit Scania ein starkes schwedisches Standbein hat, war die SEB im Konsortium.

Branchenseitig setzt die SEB ihren Beratungsschwerpunkt auf das Feld der Erneuerbaren Energien und der dazugehörigen Infrastruktur. Auf der Zielkundenliste stehen neben Großunternehmen auch Family Offices.

Weshalb die SEB die M&A-Beratung in Deutschland so lange nicht abgedeckt hat, kommentierte Jürgen Baudisch, in Deutschland verantwortlich für das Großkundengeschäft, auf FINANCE-Anfrage so: „Wir haben in den vergangenen Jahren den Fokus darauf gelegt, die Beziehungen zu unseren DACH-Kunden zu vertiefen, was auch zu Corporate-Finance-Mandaten geführt hat. Dieses Momentum wollen wir jetzt nutzen. Zusätzlich ist ein Corporate-Finance-Team in Frankfurt ein wichtiger Bestandteil in unserer strategischen Ausrichtung bezüglich der Energiewende und Family Offices.“

olivia.harder[at]finance-magazin.de

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