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Debt-Fonds DCCP hofft auf Neustart

Neue Wege: Unter dem Namen „Deutsche Credit“ will Gründer Nicolaus Loos nach durchlaufenem Insolvenzverfahren einen zweiten Anlauf starten.
Neue Wege: Unter dem Namen „Deutsche Credit“ will Gründer Nicolaus Loos nach durchlaufenem Insolvenzverfahren einen zweiten Anlauf starten. Foto: candy1812 - stock.adobe.com

Restrukturierung in der Private-Debt-Szene: Die DCCP Deutsche Credit Capital Partners von Ex-IKB-Banker Nicolaus Loos muss ein Insolvenzverfahren durchlaufen. Der Insolvenzantrag wurde am 25. Juni gestellt. Das Verfahren liegt beim Amtsgericht in Frankfurt am Main, vorläufiger Insolvenzverwalter ist Thomas Rittmeister von der Kanzlei Reimer Rechtsanwälte. Nicht von der Insolvenz betroffen sind die DCCP-Gesellschaften in Luxemburg und der Schweiz.

In den vergangenen Wochen ist es nach FINANCE-Informationen trotz intensiver Gespräche nicht gelungen, einen rettenden Investor für die Gesellschaft zu finden. Nun arbeitet Loos fieberhaft daran, selbst eine Fortführungslösung zu finden.

Nicolaus Loos will DCCP aus Insolvenz herauskaufen

Wie der Gründer gegenüber FINANCE erklärte, soll die DCCP im Rahmen einer übertragenden Sanierung „zügig restrukturiert werden, um die Geschäftsaktivitäten der Gruppe nahtlos fortzuführen“. Bei dieser Art der Insolvenz werden die Vermögensgegenstände des insolventen Unternehmens im Rahmen eines Asset-Deals in eine neue, schuldenfreie Gesellschaft übertragen. Die alte Gesellschaft wird anschließend durch den Insolvenzverwalter liquidiert. Eine neue Gesellschaft, die die DCCP in veränderter Rechtsform weiterführen soll, ist nach Aussage von Nicolaus Loos bereits gegründet worden.

Nachdem Gespräche mit ausländischen Investmenthäusern nicht zu einem erfolgreichen Abschluss führten, läuft nun tatsächlich alles auf den Ex-Banker als alten und neuen Kopf hinter DCCP hinaus – sofern es ihm in den nächsten Tagen und Wochen noch gelingt, genügend Co-Investoren zu finden. Loos zufolge sollen sich unter den neuen Partnern auch prominente Namen aus der Finanzbranche befinden. Konkrete Namen nennt der Private-Debt-Investor jedoch nicht, ein möglicher Kaufpreis für die DCCP ist ebenfalls nicht bekannt.

Deutsche Credit will hunderte Millionen einsammeln

Sofern Loos‘ Angebot den Anforderungen der Gläubiger genügt und diese der Übernahme zustimmen sollten, könnte sich der Ex-Banker der Neuaufstellung der DCCP widmen, die künftig keine AG mehr sein wird, sondern als GmbH firmieren soll. „Die AG-Struktur war vielleicht ein bisschen zu komplex“, gibt Loos gegenüber FINANCE zu. Er hat sich vorgenommen, die mögliche neue Gesellschaft mit dem Namen „Deutsche Credit“ künftig schlanker aufzustellen, auch personell.

Nach dem Abschluss der Restrukturierung will Loos auch mit dem Fundraising weitermachen. Seine Ziele sind ehrgeizig: Zwischen 100 und 200 Millionen Euro will er für die Deutsche Credit bei Investoren aus Deutschland einwerben, weitere Gelder in dreistelliger Millionenhöhe sollen von internationalen Investoren kommen. Gelänge dies, wäre die neu formierte Deutsche Credit einer der größten Private-Debt-Fonds mit Fokus speziell auf den deutschen Mittelstand. Loos hofft, dass es um den Jahreswechsel herum zum ersten Fonds-Closing kommen könnte.

DCCP-Fundraising kollidierte mit Coronakrise

Loos war mit seinem Private-Debt-Projekt DCCP nach seinem Ausscheiden bei der IKB im Jahr 2018 gestartet. Von Beginn an konzentrierte er sich auf die kleine Nische der Corporate-Finanzierungen mit Hilfe von Private Debt. Die meisten angelsächsischen oder französischen Debt-Fonds engagieren sich hingegen meistens bei der Finanzierung von Private-Equity-Deals – ein deutlich größerer Markt, aber auch ein hart umkämpfter.

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Nach FINANCE-Informationen dauerte der Aufbau des Projekts bis Anfang 2020. Als DCCP das Fundraising startete, eskalierte die Coronakrise. In dieser Phase flossen Gelder vornehmlich noch an etablierte Anbieter und nur selten an Debüt-Fonds. Die DCCP konnte bisher zwei Transaktionen im deutschen Mittelstand arrangieren. Nach Aussage von Loos betrug das Gesamtfinanzierungsvolumen beider Deals über 100 Millionen Euro.

olivia.harder[at]finance-magazin.de

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Olivia Harder ist Redakteurin bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen im M&A-Geschäft. Sie hat Philosophie, Politikwissenschaften, Soziologie und Geographie an der Justus-Liebig-Universität in Gießen studiert, wo sie auch einen Lehrauftrag innehatte. Vor FINANCE arbeitete Olivia Harder in den Redaktionen mehrerer Wochen- und Tageszeitungen, unter anderem beim Gießener Anzeiger.

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