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Debt-Fonds bei LBOs weiter auf dem Vormarsch

Debt-Fonds preschen im deutschen Midcap-Leveraged-Finance-Geschäft immer weiter vor.
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Debt-Fonds haben ihren Marktanteil bei Leveraged-Buy-out-Finanzierungen (LBOs) im deutschen Midmarket 2020 weiter ausgebaut. Von insgesamt 96 LBOs entfielen 59 Prozent auf Debt-Fonds und nur noch 41 Prozent auf Banken. Das ist das Ergebnis des neuen Midcap Monitors, für den die Investmentbank GCA Altium regelmäßig Leveraged-Buy-out-Finanzierungen mit einem Kreditvolumen zwischen 20 und 500 Millionen Euro analysiert. Damit haben die Debt-Fonds ihren Vorsprung aus dem Vorjahr weiter ausgebaut: Bereits 2019 stellten sie mit 52 Prozent Marktanteil die Mehrzahl der Finanzierungen in diesem Segment.

Dass 2020 ein weiteres gutes Jahr für den Leveraged-Finance-Markt werden würde, ist einem starken Endspurt im vierten Quartal zu verdanken: In diesem Zeitraum fanden insgesamt 39 Leveraged-Buy-out-Finanzierungen statt, ein Zuwachs von satten 77 Prozent im Vergleich zum ebenfalls recht lebhaften dritten Quartal mit 22 Transaktionen entspricht. Damit stellte das vierte Quartal rund 40 Prozent der insgesamt 96 Transaktionen im Jahr 2020.

„39 abgeschlossene Transaktionen gab es historisch noch nie in einem einzigen Quartal, wobei die positive Entwicklung sowohl von den Debt-Fonds als auch von den Banken mitgetragen wurde“, kommentiert Norbert Schmitz, Managing Director im Frankfurter Büro von GCA Altium. Die Debt-Fonds konnten sich gegenüber dem Vorquartal von 11 auf 22 LBO-Finanzierungen steigern, Banken legten von 11 auf 17 Finanzierungen zu.

Leveraged Finance: Ist Corona bereits abgehakt?

Das Coronavirus stellte im vierten Quartal kein Hindernis mehr für LBO-Finanzierungen dar. Der deutsche Midcap-LBO-Markt habe „die Pandemie im Schlussquartal endgültig abgehakt“, sagt Schmitz. Mit 96 abgeschlossenen Transaktionen schloss der Markt 2020 dank des starken vierten Quartals im Vergleich zum Vorjahr lediglich mit einem kleinen Rückgang um 4 Prozent ab (Vorjahr: 100 Transaktionen).

Betrachtet man den Private-Equity-Midmarket mit Fokus auf Transaktionen im Volumen von 50 bis 250 Millionen Euro, ergibt sich zumindest bei den Neuinvestments dagegen ein weniger optimistisches Bild: Laut den FINANCE Midmarket-Buy-outs fanden 2020 lediglich 34 Mehrheitsübernahmen deutscher Unternehmen durch Private-Equity-Investoren mit einem Transaktionswert von 50 bis 250 Millionen Euro statt. Gegenüber dem extrem starken Vorjahr ist dies ein Einbruch um rund 30 Prozent. Allerdings umfassen die FINANCE-Midmarket-Buy-outs im Gegensatz zum Index von GCA Altium lediglich Investments und lassen Refinanzierungen sowie Add-on-Akquisitionen komplett außen vor.

Leveraged Finance: Investoren setzen auf Add-ons

Dass die Coronakrise in den Köpfen der Marktakteure nach wie vor präsent ist, zeigt ein Blick auf die Branchenstatistik: Laut GCA Altium fanden die meisten Transaktionen im vierten Quartal 2020 in den nicht-zyklischen Sektoren Software, Tech und Healthcare statt. Mehr als die Hälfte aller Finanzierungen ist einer dieser Branchen zuzuordnen, die insgesamt gut durch die Coronakrise gekommen sind und zum Teil sogar von ihr profitieren.

Debt-Fonds und Banken waren 2020 vor allem bei Finanzierungen für Zukäufe gefragt. Add-on-Finanzierungen machten fast 30 Prozent aller Finanzierungen aus. 16 Prozent der Transaktionen waren Refinanzierungen, und mehr als die Hälfte aller Deals fand im Rahmen von Primary- oder Secondary-Buy-outs statt.

Während sich die Plattform-Deals (Primaries und Secondaries) auf einem ähnlichen Niveau wie im Vorjahr bewegten, wuchs der Anteil von Add-on-Finanzierungen um fast zwei Drittel zulasten von Refinanzierungen. Das ist ein weiterer Hinweis darauf, dass die Kreditgeber hauptsächlich in Unternehmen investiert haben, die kaum oder gar nicht von der Krise beeinflusst wurden.

GCA Altium rechnet 2021 mit mehr Covenant-Resets

Beim Pricing hat sich die Situation gegen Jahresende insgesamt entspannt: Der Covid-19 Aufschlag sei mittlerweile wieder komplett verschwunden, beobachtet Schmitz’ Kollege Johannes Schmittat. „Für gute Assets sind die offerierten Leverage Levels wieder auf dem Vorkrisenniveau, teilweise sogar höher. Auch beim Pricing agierten Debt-Fonds und Banken in den vergangenen Monaten wieder aggressiver.“

Für 2021 rechnen die Experten von GCA Altium mit einem weiteren Aufwind im Leveraged-Finance-Markt. Der neuerliche Lockdown habe bislang noch zu keinen erkennbaren negativen Folgen geführt. Dennoch wird die Situation nicht an allen Unternehmen spurlos vorübergehen. Daher erwartet GCA Altium für 2021 einen hohen Anteil an Covenant-Resets – also von Anpassungen der Kreditkennzahlen – und Restrukturierungen. Diese dürften weniger den LBO-Markt, sondern insbesondere größere Mittelständler betreffen.

Das waren die aktivsten Banken und Debt-Fonds

Zu den aktivsten Playern im deutschen Midmarket 2020 gehörte der Debt-Fonds von Blackrock mit sieben Deals, dicht gefolgt von den Fonds Apera, Barings und Pemberton mit jeweils fünf abgeschlossenen Transaktionen. Apera war unter anderem bei der 7nxt-Übernahme durch Oakley beteiligt, Barings stellte etwa die Übernahmefinanzierung von Mehler Vario Systems durch DPE Deutsche Private Equity. Pemberton finanzierte unter anderem den Windstar-Medical-Deal von Oakley.

Auf der Bankenseite dominierte die Apobank (Deutsche Apotheker- und Ärztebank) mit insgesamt zehn Transaktionen, darunter eine Add-on-Finanzierung für das Auctus-Portfoliounternehmen Pharmalex. Auf die Apobank folgen die LBBW mit neun Finanzierungen, darunter die Übernahmefinanzierung für Dr. Födisch Umwelttechnik durch die Nord Holding, und die Oldenburgische Landesbank mit sieben Deals.

olivia.harder[at]finance-magazin.de

Info

Eine Übersicht über alle 34 Midmarket-Deals des vergangenen Jahres sowie weiterführende Statistiken können Sie im Rahmen der „FINANCE Midmarket-Buy-outs 2020“ hier herunterladen.

Unzählige Private-Debt-Anbieter machen den Banken Konkurrenz. Alle wichtigen News über die Anbieter, ihre Strategien und den Markt finden Sie auf unserer Themenseite zu Private Debt.

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Olivia Harder ist Redakteurin bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen im M&A-Geschäft. Sie hat Philosophie, Politikwissenschaften, Soziologie und Geographie an der Justus-Liebig-Universität in Gießen studiert, wo sie auch einen Lehrauftrag innehatte. Vor FINANCE arbeitete Olivia Harder in den Redaktionen mehrerer Wochen- und Tageszeitungen, unter anderem beim Gießener Anzeiger.

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