2016 war ein gutes Jahr für PwC. Doch KPMG, Deloitte und Ernst & Young sind der Nummer eins dicht auf den Fersen.

dpa/Schoening Berlin/45723931

13.01.17
Banking & Berater

KPMG, PwC, EY & Deloitte: Wer jetzt am besten dasteht

Die Big Four müssen derzeit so viel Geld in die Hand nehmen wie nie: Neben dem Kampf um die besten Dax-Mandate hat ein neues Thema stark an Bedeutung gewonnen. Wer wird 2017 der Gewinner sein?

Falsche Bilanzkennzahlen, neue Mandate, überraschende Wachstumsraten: 2016 war einiges los auf dem Wirtschaftsprüfermarkt. Die Big Four KPMG, PwC, Ernst & Young (EY) und Deloitte haben hart um Kunden und Marktanteile gekämpft und sich dabei nichts geschenkt – 2017 dürfte sich die Schlagzahl sogar noch erhöhen. Denn nur wer jetzt die Weichen richtig stellt, wird in den kommenden Jahren Erfolg haben.

Bezogen auf die Wirtschaftsprüfung ist PwC momentan der klare Gewinner: Die Gesellschaft hat mit 731 Millionen Euro in Deutschland nicht nur den mit Abstand höchsten Umsatz innerhalb der Big Four in diesem Geschäftsbereich generiert, sie ist mit 7 Prozent auch noch außergewöhnlich stark in der Wirtschaftsprüfung gewachsen – eine überraschende Entwicklung, ist die Wirtschaftsprüfung doch ein stagnierendes Geschäft. Konkurrent Deloitte ist ebenfalls um starke 7 Prozent gewachsen, der Umsatz von 303 Millionen Euro kommt aber lange nicht an PwC heran. KPMG hat sich mit einem zweiprozentigen Wachstum auf 609 Millionen Euro eher schwach entwickelt. Doch das ist nichts im Vergleich zur Entwicklung bei EY, wo der Prüfungsumsatz ist um fast 8 Prozent auf 494 Millionen Euro eingebrochen ist.

EY muss neue Dax-30-Mandate gewinnen

Seine Hoffnung dürfte EY nun auf die verpflichtende Prüferrotation setzen, die die Dax-30-Unternehmen dazu zwingt, in den kommenden Jahren ihre Wirtschaftsprüfer zu wechseln. EY prüft momentan nur drei Dax-Unternehmen, darunter Siemens und Heidelberg Cement. Die großen EY-Mandanten eint, dass sie ihr Prüfmandat noch nicht so bald ausschreiben müssen und daher für EY zunächst sicher sind.

Siemens ist gemessen am Honorar sogar eines der größten Dax-Mandate überhaupt, es brachte EY 2015 rund 51 Millionen Euro ein. Das Beiersdorf-Mandat konnte EY 2016 erneut gewinnen und hat auch hier im besten Fall für zehn Jahre Ruhe. Außerhalb der Dax-30 konnte sich EY außerdem Axel Springer, die KfW, die Helaba, Brose, Jenoptik und KWS Saat sichern – das dürfte sich in den Umsätzen für 2017 widerspiegeln.

PwC hat mit seinem starken Wachstum in der Wirtschaftsprüfung hingegen einen guten Puffer für die kommenden Jahre geschaffen, denn es dürfte eine schwierige Zeit werden. Die Gesellschaft hat bereits Bayer und Tui (jeweils an Deloitte) verloren und wird seine übrigen acht Mandate auch nach und nach abgeben müssen. Immerhin konnte PwC 2016 mit der Deutschen Bahn, Telefónica Deutschland, der BHF Bank, der HSBC-Tochter HSBC Inka, Media Saturn und dem Energieversorger Thüga ein paar neue Mandate dazugewinnen, wenn auch nicht im renommierten Dax-30.

KPMG hat durch Skandale an Glanz eingebüßt

Schwierig wird es jetzt auch für KPMG werden: Zum schwachen Wachstum in der Wirtschaftsprüfung kommt hinzu, dass die Gesellschaft mittelfristig 18 Dax-30-Mandate abgeben muss. Die Allianz, die KPMG schon seit über 100 Jahren prüft, hat ihr Mandat bereits ausgeschrieben, und ob KPMG das Mandat behalten darf, wird sich erst im Frühjahr zeigen. Mit 54,5 Millionen Euro brachte der Versicherer KPMG 2015 ein stattliches Honorar ein.

Immerhin konnte KPMG im vergangenen Jahr das BASF-Mandat retten, das zuletzt über 22 Millionen Euro an Honorar einspielte. Möglicherweise lassen sich manche potentielle Kunden aber von den Skandalen abschrecken, mit denen KPMG 2016 in der Medien war. Unter anderem hat KPMG falsche Bilanzen bei Bastei Lübbe abgesegnet. Das dortige Management zürnte ob des spät einsetzenden Sinneswandels von KPMG und sucht jetzt nach einem neuen Prüfer.

Deloitte muss seine Ressourcen gut verteilen

Wenig zu verlieren, aber viel zu gewinnen hat 2017 Deloitte: Nachdem das Bayer-Mandat gewonnen wurde, sind die Chancen auf ein anderes großes Mandat gestiegen. Wegen seiner Größe nimmt Deloitte zwar nur selektiv an Ausschreibungen teil – Chef Martin Plendl setzt aber alles daran, um diese Mandate dann auch zu gewinnen.  

Denkbar wäre, dass Deloitte sich für Fresenius, Merck oder Beiersdorf bewirbt, da es sich bereits für das Bayer-Mandat die Healthcare-Kompetenz zugelegt hat. Wirtschaftsprüfer prüfen häufig Mandanten aus ähnlichen Sektoren, um Synergieeffekte zu erzielen. Mit einem Honorar von 26 Millionen Euro, das Fresenius 2015 an KPMG gezahlt hatte, wäre der Konzern wohl besonders attraktiv für Deloitte. Wer als Sieger aus der Mandatsrotation hervorgeht, ist also weiterhin offen, 2017 dürften sich aber erste Tendenzen herauskristallisieren.

Deloitte und EY verdienen mehr mit Beratung als Prüfung

Allerdings ist die Prüferrotation nicht die einzige Herausforderung, die die Big Four stemmen müssen. Im vergangenen Jahr ist ein neues Thema auf die Agenda getreten, das über den weiteren Erfolg entscheiden wird: die Unternehmensberatung. Jede der Big Four versucht schon seit Jahren, sich in der Corporate-Finance- sowie Managementberatung zu etablieren. 2016 haben die Bemühungen erste durchschlagende Erfolge gehabt.

Das zeigt sich insbesondere darin, dass Deloitte mit 471 Millionen Euro und EY mit 571 Millionen Euro erstmals in ihrer Geschichte mehr Umsatz in der Unternehmensberatung als in der Wirtschaftsprüfung erzielten. Auch KPMG (568 Millionen Euro) und PwC (622 Millionen Euro) kratzen mit ihren Umsätzen aus der Beratung an denen aus der Wirtschaftsprüfung. 2017 dürfte auch dort der Wachwechsel anstehen.

PwC muss beweisen, dass es anorganisch wachsen kann

Diese Entwicklung verändert auch das Selbstverständnis der Gesellschaften, die sich nicht mehr als reine Prüfer, sondern als „Service Firms“ sehen, die verschiedene Dienstleistungen von der Prüfung über die Steuerberatung bis hin zur M&A-, IT- oder Strategieberatung anbieten. Der Vorteil: Da sie die Leistungen in einem Paket anbieten, sind ihre Preisen niedriger als bei den reinen IT-Beratern, Investmentbanken oder Managementberatungen. Die Umsatzsteigerungen in der Beratung, die bei PwC und Deloitte sogar über 40 Prozent betragen, sprechen dafür, dass das Konzept offenbar ankommt.

Ob das starke Wachstum von PwC nachhaltig ist, wird sich allerdings erst noch zeigen müssen. Die Gesellschaft ist vor allem wegen des Zukaufs des Strategieberaters Strategy& (ehemals Booz) so stark gewachsen, dieser Effekt wird 2017 wegfallen. Durch den Kauf eines „richtigen“ Strategieberaters erhofft sich PwC allerdings einen enormen Wettbewerbsvorteil. Die Konkurrenz zeigte sich in der Vergangenheit skeptisch darüber, ob eine Integration der neuen Mitarbeiter gelingen wird. Tatsächlich soll es viele Kündigungen gegeben haben, doch jetzt stehen die neuen Teams, versichert PwC.

Wegen Digitalisierung: Big Four stemmen so hohe Investitionen wie nie

Am stärksten in der Beratung profiliert sich momentan aber Deloitte, dessen starkes Wachstum rein organisch war. Deloitte hat seine Beratungssparte im Gegensatz zu den drei Konkurrenten nie verkauft – das zahlt sich jetzt aus. Da Deloitte im Dax-30 außerdem nur ein Prüfmandat hat, darf die Gesellschaft bei allen anderen Unternehmen beraten, was ebenfalls ein Grund für das starke Wachstum sein dürfte. Eine so große Auswahl haben KPMG und PwC momentan nicht.

Doch noch während sich das Feld der Big Four in den neuen Trendthemen langsam sortiert, steht schon die nächste wichtige Weichenstellung an: die hohen Investitionen in die Digitalisierung. Zum einen müssen die Big Four ihre eigenen Prozesse auf den neusten Stand bringen, indem sie beispielsweise die IT-getriebene Wirtschaftsprüfung vorantreiben. Sie müssen sich aber auch das notwendige Wissen aneignen, um ihre Mandanten bei deren Transformationsprojekten zu beraten. Neben den Investitionen in gute Teams, um Prüfmandate zu gewinnen, müssen sie also auch weiterhin viel Geld in ihre Beratungssparten stecken – einen so hohen Investitionsbedarf wie jetzt hat es wahrscheinlich noch nie gegeben.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

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