Erfolg für Mazars: Das mittelständische WP-Haus wird ab 2021 die europäischen Einheiten von Goldman Sachs prüfen.

Mazars

22.05.19
Banking & Berater

Mazars wird neuer Goldman-Sachs-Prüfer

Coup für Mazars: Das WP-Haus wird neuer Abschlussprüfer von Goldman Sachs in Deutschland und Großbritannien. Damit wird die Investmentbank erstmals seit 1922 nicht mehr von PwC geprüft.

Die Investmentbank Goldman Sachs hat einen neuen Abschlussprüfer für ihre europäischen Einheiten: Ab 2021 wird das mittelständische WP-Haus Mazars die Bank in Deutschland und Großbritannien prüfen. Bisheriger Konzernabschlussprüfer war PwC. Goldman Sachs ist damit die erste große Bank in UK und Deutschland, die nicht von einem der großen Wirtschaftsprüfer PwC, KPMG, EY oder Deloitte („Big Four“) geprüft wird.

PwC prüft Goldman Sachs seit 1922

Der Grund für den Wechsel ist die im Jahr 2016 in Kraft getretene gesetzliche Abschlussprüferrotation, die kapitalmarktorientierte Unternehmen in Europa dazu zwingt, ihre Wirtschaftsprüfer regelmäßig zu wechseln. Durch den Wechsel des Prüfers soll ein frischer Blick auf die Bilanzen gewährleistet sein. Viele Unternehmen hatten ihre Abschlussprüfer bereits seit vielen Jahrzehnten mandatiert – so auch die Investmentbank Goldman Sachs, die seit 1922 von PwC geprüft wird. Allerdings gilt die Reform nur in Europa, in den übrigen Teilen der Welt bleibt PwC der Konzernprüfer von Goldman Sachs.

Die Abschlussprüferreform hatte zudem noch ein weiteres Ziel: Durch das regelmäßige Auswechseln sollte der festzementierte Markt aufgebrochen werden. Fast alle großen Unternehmen werden von den Big Four geprüft, die eine enorme Marktmacht haben. Das Verfolgerfeld der mittelständischen Prüf- und Beratungshäuser („Next Ten“), zu dem auch Mazars gehört, ist hingegen weit abgeschlagen.

Mazars musste sich nicht gegen Big Four durchsetzen

Das Ziel, dass durch die Rotation auch die kleineren Häuser zum Zug kommen, ist bisher allerdings nicht aufgegangen, da die Konzerne meist von einem Big-Four-Haus zum nächsten wechseln. Mehr noch: Viele Unternehmen, die bisher von einem Next-Ten-Haus geprüft werden, entscheiden sich beim Wechsel lieber für einen der vier Großen.

Umso erfreulicher dürfte daher das neue Mandat für Mazars sein, die in Großbritannien gemessen am Umsatz die Nummer 8 und in Deutschland die Nummer 9 unter den Prüf- und Beratungshäusern ist. Allerdings hat sich Mazars im Kampf um den Auftrag offenbar nicht gegen ein Big-Four-Haus durchgesetzt, da keiner der großen Konkurrenten seinen Hut in den Ring geworfen hatte.

Einem Bericht der „Financial Times“ zufolge wollte Goldman keines der Big-Four-Häuser als Prüfer, weil jedes von ihnen (bis auf den aktuellen Prüfer PwC) Beratungsleistungen bei der Bank erbringt. Die Prüfung und Beratung bei demselben Mandanten wurde im Zuge der Abschlussprüferreform ebenfalls stark eingeschränkt.

Stattdessen hatte sich der „FT“ zufolge noch BDO um das Mandat beworben, die auch zu dem Verfolgerfeld der Big Four gehört. Warum sich Goldman Sachs gegen BDO entschieden hat, ist nicht bekannt.

Mazars muss sich jetzt beweisen

Die Entscheidung von Goldman Sachs für einen kleineren Wettbewerber fällt mitten in die hitzige Debatte in Großbritannien um die Frage, ob man die Big Four noch stärker regulieren sollte. Auslöser waren mehrere große Bilanzskandale in UK.

Vor wenigen Wochen erst veröffentlichte die Wettbewerbsbehörde CMA einen aufsehenerregenden Bericht, worin sie unter anderem die Trennung des Prüfungs- und Beratungsgeschäfts der Big Four fordert. Zudem will sie die großen Konzerne zu Joint Audits verpflichten, bei denen ein Big-Four-Haus mit einem kleineren Wettbewerber gemeinsam prüft.

Gerade dieser Vorschlag stößt immer wieder auf Kritik, weil man fürchtet, dass die kleineren Häuser nicht genug Manpower und Know-how haben, um große Konzerne zu prüfen. Für Mazars ist der Coup daher eine Chance zu beweisen, dass das Haus auch eines der begehrten FTSE 350-Unternehmen in Großbritannien prüfen kann. Bisher hat Mazars noch keinen Prüfkunden aus diesem Börsensegment.

Mazars setzt auf Bankenmandate

Und auch in Deutschland dürfte die Prüfung der Goldman-Sachs-Einheit eine wichtige Signalwirkung haben. Im Interview mit FINANCE hatte der deutsche Mazars-Partner Christoph Regierer erst kürzlich betont, dass man im Zuge der Prüferrotation vor allem auf Mandate im Banken- und Versicherungssektor setze. „Das ist der Bereich, wo wir aktuell am stärksten von der Prüferrotation profitieren“, sagte er. Mazars prüfe derzeit rund 40 Banken und Versicherer in Deutschland. „Wir sind damit die Nummer 5 hinter den Big Four in Deutschland.“

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

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