07.10.15
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Schalke-Finanzen: Helene Fischer gibt’s, di Matteo nimmt‘s

Was für ein Fehlgriff: Die Halbjahresbilanz von Schalke 04 zeigt, wie viel Geld der Trainerflop Roberto di Matteo die Schalker gekostet hat. Indirekt finanziert hat den Trainerwechsel keine geringere als Helene Fischer.

Trotz der klaren Heimniederlage am Sonntag gegen Köln herrscht bei Schalke 04 gerade Aufbruchstimmung. Und auch wirtschaftlich läuft es bei Schalke deutlich besser, als viele Skeptiker geunkt haben. Trotz aller hausgemachten Schwierigkeiten in der Rückrunde haben die Knappen zwischen Januar und Juni gut gewirtschaftet, und es sieht so aus, als könnten sie auch das Fehlen der traditionellen Champions-League-Spiele im Herbst einigermaßen wegstecken.

Der Rückenwind kommt vom Transfermarkt: Dass der Klub im ersten Halbjahr den Umsatz um 10 Millionen auf 99,8 Millionen Euro hochtreiben konnte, geht zu einem großen Teil auf den Verkauf des Verteidigers Kyriakos Papadopoulos an Bayer Leverkusen zurück, der die Transfereinnahmen von 3,6 auf 9,7 Millionen Euro nach oben trieb – und auf Schlagerkönigin Helene Fischer. Nach einem Doppelkonzert der feschen Sängerin in der Veltins Arena landeten fast 2 Millionen Euro Extra-Catering-Einnahmen auf dem Konto der Knappen.

Nur leider blieben die Helene-Fischer-Millionen dort nur kurz, denn das Geld floss direkt weiter in die Taschen des „Die Null muss stehen, auch vorne“-Trainerflops Roberto di Matteo. Dem vergangene Woche vorgelegten Halbjahresbericht ist zu entnehmen, dass die Schalker mindestens 1,4 Millionen Euro Abfindung an den italienischen Fußballmaurer gezahlt haben, wahrscheinlich sogar deutlich mehr. Ohne den Trainerwechsel hätte Schalke bei seinen Geldgebern nach langer Zeit mal wieder mit einem Rückgang der Personalausgaben (55,8 Millionen Euro im ersten Halbjahr) punkten können.

Wie viel Ablöse hat Schalke für Breitenreiter gezahlt?

Ohne den Trainerwechsel wäre es den Schalkern vielleicht sogar gelungen, in die Nähe einer schwarzen Null zu kommen. Denn das Minus im Betriebsergebnis von 4,3 Millionen Euro beinhaltet nicht nur die Abfindung für di Matteo, sondern auch die Ablöse, die Schalke für den neuen Trainer André Breitenreiter an den Bundesligaabsteiger SC Paderborn bezahlen musste.

Über die genaue Summe schweigen sich die Schalke-Manager seit Monaten aus, aber der Halbjahresbericht liefert auch hier ganz interessante Hinweise. Die um 3 Millionen Euro gestiegenen Materialkosten für bezogene Leistungen führt Schalke auf drei Ursachen zurück, eine davon ist die Ablöse für Breitenreiter. Sie dürfte spürbar über 1 Million Euro gelegen haben, denn die anderen beiden Buchungsposten – die Übernahme zusätzlicher Logistikaufgaben sowie Mehrausgaben auf Grund einer größeren Anzahl von Events in der Veltins Arena – schreien nicht unbedingt nach Millionensummen.

Schalke treibt Cashflow auf über 25 Millionen Euro hoch

Die gute Nachricht für alle Schalke-Anhänger: Im Gegensatz zum Betriebsergebnis belegt der deutlich wichtigere Cashflow, dass Fehlentscheidungen wie die Verpflichtung di Matteos den Klub finanziell derzeit in keine großen Schwierigkeiten bringen können. Obwohl im Frühjahr stets weniger Spiele im DFB-Pokal und Europacup anfallen als im zweiten Halbjahr, hat Schalke zwischen Januar und Juni im Kerngeschäft Fußball einen operativen Cashflow von 25,7 Millionen Euro angehäuft.

Dieser Geldregen wird durch den cashwirksamen Transferüberschuss von 1,6 Millionen Euro – schon nach Bezahlung der Spielerberater – noch weiter verstärkt, der die sonstigen Investitionen von 3,2 Millionen Euro nahezu abgedeckt hat. Dank des starken Cashflows konnte Schalke-Finanzchef Peter Peters die Finanzschulden gegenüber dem Jahresende von 163,9 auf 154,1 Millionen Euro zurückführen.      

Doch das jetzt vorgelegte Zahlenwerk ist nur das Vorspiel. Wichtiger für Schalke ist immer, wie die Geschäfte in der zweiten Jahreshälfte laufen, in der diesmal auch die großen Bewegungen der Schalker am Transfermarkt zum Großteil bilanziert werden: Das betrifft auf der einen Seite die 43 Millionen, die die Knappen für Draxler und Farfan bekommen haben – aber auch die rund 30 Millionen Euro, die die Verpflichtungen von Geis, di Santo, Nastasic und Caicara gekostet haben. Außerdem stehen in den nächsten Wochen die Partien im DFB-Pokal und der Europa League an, bei denen die Veltins-Arena erwartungsgemäß wieder gut gefüllt sein dürfte.

Schalke schließt beim Umsatz zum BVB auf

Finanzchef Peters gibt das Planungssicherheit: Er weiß jetzt schon, dass Schalke am Jahresende einen Rekordumsatz von fast 260 Millionen Euro erzielen wird. Das sind über 40 Millionen Euro mehr als 2014. Damit befinden sich die Schalker nahezu auf Augenhöhe mit dem Erzrivalen Borussia Dortmund, der in der abgelaufenen Saison 276 Millionen Euro eingenommen hat, nun aber sportlich und wirtschaftlich den Bayern den Kampf ansagt und sich selbst eigentlich nicht mehr auf einem Niveau mit Schalke 04 sieht. Beim Gewinn hat Schalke gute Chancen, die Marke von 10 Millionen Euro zu überspringen – sofern nicht wieder ein unerwartetes Missgeschick passiert wie vor fünf Jahren der 25 Millionen Euro teure Dachschaden an der Veltins Arena. 

Dank der Draxler-Millionen aus Wolfsburg wird der Cashflow der Schalker auch im zweiten Halbjahr wieder stark ausfallen. Allerdings wird Peters dann auch mehr Geld für Investitionen auf den Tisch legen müssen, denn der geplante Bau des neuen Trainings- und Vereinsgeländes am Berger Feld läuft an. Dort will Schalke 25 Millionen Euro verbauen, die zu 90 Prozent über Kredite finanziert werden sollen. Schalke hat durch Auftragszusagen bereits Verbindlichkeiten in Höhe von 7 Millionen Euro aufgebaut, die bald cashwirksam werden dürften.

Geldgeber fassen Vertrauen in Schalkes Finanzkurs

Die hohe Schuldenlast bleibt damit auch weiterhin die Schwachstelle der Schalke-Finanzen, die Bauarbeiten am Berger Feld werden dem Schuldenabbau bremsen. Aber die Geldgeber goutieren den Finanzkurs von CFO Peters und Schalke-Boss Tönnies: Der Kurs der noch bis 2019 laufenden Mittelstandsanleihe ist inzwischen auf 110 Prozent des Nennwerts gestiegen, was zeigt, dass die Anleger die Bonität der Schalker heute besser einschätzen als im Sommer 2012, als Schalke den Bond aufgelegt hatte.

Und mit dem Draxler-Deal hat die Schalke-Führung gezeigt, dass sie – wenn es schlecht läuft wie in der abgelaufenen Rückrunde – tatsächlich willens und dazu in der Lage ist, über Spielerverkäufe einen Teil der immer viel gerühmten stillen Reserven zu heben, mit denen Schalke am Kapitalmarkt immer um Vertrauen wirbt.

Trotz des Abgangs von Draxler steht Schalke in dieser Hinsicht noch immer solide da. Ende Juni wurde der Spielerkader mit 18,1 Millionen Euro bilanziert, am Jahresende dürfte diese Summe auf Grund der teuren Neuverpflichtungen deutlich ansteigen, vermutlich in Richtung 30 Millionen Euro. Doch laut Transfermarkt.de hat der Kader einen aktuellen Marktwert von gut 175 Millionen Euro. Die Differenz übersteigt den nicht durch Eigenkapital gedeckten Fehlbetrag in der Konzernbilanz, der sich derzeit auf 76 Millionen Euro beläuft, deutlich.

Positiv hat sich im ersten Halbjahr auch der Transfersaldo entwickelt. Hatte Schalke zum Jahresende nach Abzug der Transferforderungen noch rund 1 Million Euro Transferschulden, lagen die Transferforderungen im Sommer fast 5 Millionen Euro über den offenen Transferentschädigungen, die Schalke noch zu zahlen hat. Da die Knappen in der Sommertransferperiode einen Transferüberschuss von rund 10 Millionen Euro erzielt haben, dürfte von dieser Bilanzposition in der zweiten Jahreshälfte noch mehr Entlastung kommen. Dann könnte Peters den Schalke-Schuldenberg weiter abtragen – diesmal dann auch ohne die Hilfe von Helene Fischer.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

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