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CFOs sind im Ausnahmestress

Pandemie-Folgen, Ukraine-Krieg, hohe Inflation: Auf CFOs prasselt viel ein. Das steigert das Stresslevel.
Pandemie-Folgen, Ukraine-Krieg, hohe Inflation: Auf CFOs prasselt viel ein. Das steigert das Stresslevel. Foto: kite_rin - stock.adobe.com

Finanzchefs müssen derzeit viele Bälle in der Luft halten. Das sorgt für Stress, zeigen die Ergebnisse des aktuellen FINANCE CFO Panels, für das die Redaktion in Kooperation mit Horváth in der zweiten März-Hälfte Finanzchefs in Deutschland anonym zu ihrer Markteinschätzung befragt hat. So geben die CFOs ihre aktuelle Auslastung mit einem Wert von 8,18 auf hohem Niveau an (10 = sehr viel zu tun). Das Stresslevel liegt dabei aber deutlich höher als in vorangegangenen arbeitsreichen Phasen: Der Wert 6,40 (10 = extrem gestresst) ist der höchste seit Beginn der Befragung, die seit Herbst 2011 zwei Mal jährlich stattfindet.

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CFOs konzentrieren sich auf Kosten und Risiken

Im Alltag stehen klassische Krisenthemen im Fokus: 44 Prozent der Finanzentscheider zählen das Controlling zu den drei aktuellen Top-Prioritäten, 40 Prozent das Kostenmanagement. Dies deutet darauf hin, dass die Finanzchefs angesichts steigender Inflation und hoher Rohstoffpreise ihre Ausgaben stärker in den Blick nehmen. Zum Vergleich: Im Herbst 2021 zählten nur 27 Prozent der Teilnehmer das Kostenmanagement zu den drei wichtigsten Bereichen.

„In der aktuellen Phase müssen CFOs sehr stark priorisieren.“

Kai Grönke, Partner im Competence Center Controlling & Finance von Horváth

Andere Themen rücken dagegen aus dem Fokus: „In der aktuellen Phase müssen CFOs sehr stark priorisieren. Das könnte erklären, warum etwa die Digitalisierung von Prozessen in der Finanzabteilung nur bei 15 Prozent der Finanzchefs zu den drei Top-Themen zählt, während dies im Herbst noch bei 31 Prozent der Fall war“, sagt Kai Grönke, Partner im Competence Center Controlling & Finance von Horváth.

Steigende Rohstoffpreise machen CFOs zu schaffen

Angesichts des Ukraine-Krieges hat auch das Risikomanagement an Relevanz gewonnen. 27 Prozent der Teilnehmer zählen es zu den drei wichtigsten Bereichen (Herbst: 16 Prozent). Als derzeit stärkste Bedrohung für ihr Unternehmen bewerten CFOs die hohen Rohstoffpreise. Auf einer Skala von 1 bis 10, wobei 10 für eine extrem hohe Bedrohung steht, erreicht dieser Punkt den Wert 7,57. Der These, dass das Preisniveau das Potential habe, für ihr Unternehmen zu einer Bedrohung zu werden, stimmen dennoch nur 38 Prozent der Teilnehmer zu. Das könnte auch damit zusammenhängen, dass knapp jeder zweite Teilnehmer sagt, sein Unternehmen könne steigende Ausgaben an seine Abnehmer weiterreichen.

Entsprechend schwierig ist die Situation entlang der Lieferkette: 73 Prozent der CFOs stimmen der These zu, das hohe Preisniveau bei Rohstoffen und Energie habe das Potential, für manche ihrer Zulieferer oder Kunden zu einer Bedrohung zu werden. 87 Prozent der Teilnehmer geben an, dass ihr Unternehmen die steigenden Preise für Rohstoffe bereits zu spüren bekomme.

Geopolitische Risiken gewinnen an Brisanz

Der Ukraine-Krieg wird sich nach Einschätzung vieler Finanzentscheider deutlich stärker auf das gesamtwirtschaftliche Umfeld auswirken als auf ihr jeweiliges Unternehmen: 42 Prozent der Teilnehmer, die zu diesem Punkt eine Einschätzung abgegeben haben, gehen davon aus, dass der Krieg starke negative Folgen für das wirtschaftliche Umfeld in Deutschland insgesamt haben wird. Mit Blick auf die wirtschaftliche Tätigkeit des eigenen Unternehmens sehen nur 8 Prozent der Antwortenden starke negative Folgen. „Gerade international tätige Unternehmen sehen möglicherweise das Potential, negative Auswirkungen an anderer Stelle zu kompensieren“, sagt Achim Wenning, Partner im Competence Center „CFO Strategy & Organization“ bei Horváth.

Tendenziell negative Folgen erwarten 48 Prozent für Deutschland sowie 49 Prozent für das eigene Unternehmen. Insgesamt sind die Folgen veränderter wirtschafts- und geopolitischer Rahmenbedingungen auf der Agenda vieler CFOs deutlich nach oben gerückt: Bezeichneten im Herbst erst 29 Prozent diesen Aspekt als wichtig oder sehr wichtig, sind es inzwischen 71 Prozent.

Finanzchefs investieren in Green Transformation

Deutlich an Relevanz gewonnen hat die Verankerung von Nachhaltigkeitsanforderungen und Green Transformation im Finanzbereich: Dieser Punkt zählt inzwischen für 62 Prozent der Teilnehmer zu den wichtigen oder sehr wichtigen Themen (Herbst: 48 Prozent). Der These, dass der Zugang zu Finanzierungen für Unternehmen bestimmter Branchen schwieriger wird, stimmen 79 Prozent der Teilnehmer vollkommen oder tendenziell zu. Dass durch steigende ESG-Anforderungen der Finanzierungszugang für ihr eigenes Unternehmen schwieriger wird, glauben jedoch nur 27 Prozent. Als große Hürde auf dem Weg zur Nachhaltigkeitstransformation sehen die CFOs unklare Vorgaben: 77 Prozent stimmen voll oder tendenziell der Aussage zu, dass Prozesse und Berichtslinien nur unzureichend etabliert sind. 71 Prozent beklagen Mängel bei der Strategie und fehlende Zielpfade.

„Das Reporting ist der erste Schritt. Wenn diese Hausaufgaben gemacht sind, sollte der CFO sich in einer strategischeren Rolle positionieren.“

Achim Wenning, Partner im Competence Center CFO Strategy & Organization bei Horváth

Sich selbst schreiben derzeit 61 Prozent der CFOs die Rolle zu, beim Thema Nachhaltigkeit Transparenz zu schaffen und auf Einhaltung von Richtlinien zu achten. „Derzeit laufen viele Projekte, in denen Unternehmen neue Standards für das Nachhaltigkeitsreporting etablieren. Dafür ist der CFO der naheliegende Ansprechpartner“, sagt Horváth-Partner Kai Grönke.

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Doch die Rolle wandelt sich: In fünf Jahren sehen nur noch 24 Prozent die Nachhaltigkeitsreportings als ihre Hauptaufgabe. Stattdessen wollen sie perspektivisch mehr Gewicht auf die Verbesserung von Nachhaltigkeitsinitiativen und deren Integration in die Unternehmenssteuerung legen. Horváth-Partner Achim Wenning hält dies für den richtigen Weg: „Das Reporting ist der erste Schritt. Wenn diese Hausaufgaben gemacht sind, sollte der CFO sich in einer strategischeren Rolle positionieren und stärker steuernd eingreifen.“

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sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

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Sabine Reifenberger ist Chef vom Dienst der FINANCE-Redaktion. Ihre redaktionellen Themenschwerpunkte sind Restrukturierung, die Transformation der Finanzabteilung und Finanzierungsthemen. Seit 2012 moderiert sie beim Web-TV-Sender FINANCE-TV. Außerdem verantwortet sie den Themenhub FINANCE-Transformation, die Distressed Assets Konferenz und das FINANCE CFO Panel. Die Politologin volontierte bei einer Tageszeitung und schrieb während des Studiums als freie Journalistin unter anderem für das Handelsblatt und die Financial Times Deutschland.

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