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Der Interne Auditor

Interne Auditoren agieren nach dem Credo
Thinkstock / Getty Images

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser – dieses Credo gilt natürlich auch in der Unternehmenspraxis. Die unternehmenseigenen Kontrolleure, Revisoren oder Interne Auditoren (engl. Internal Audits) genannt, überprüfen alle funktionalen Geschäftsbereiche des Unternehmens auf ihre Risiken. Sie sind traditionell für die Einhaltung interner Gesetze und Richtlinien verantwortlich.

Dabei wird klassisch zwischen fünf Revisionstypen unterschieden: Compliance Audit, Financial Audit, Kreditrevision, Management Audit, Operational Audit sowie Konzeptionierung und Überprüfung der internen Kontrollsysteme. Diese klassischen Bereiche werden im Zuge der Digitalisierung und des sich veränderten Kundenverhaltens aber durch neue Themengebiete wie Nachhaltigkeit, Program Management, Mobile, Cloud, Social Media Risk Management oder IT Asset Management ergänzt.

Interne Auditoren werden zu strategischen Beratern

Doch dieses vielfältige Aufgabengebiet ist noch nicht alles. Die Finanzkrise und die daraus gezogenen Lehren hinterlassen ihre Spuren im Aufgabenbereich der Internen Auditoren. Angesichts der volatilen Märkte und der finanziellen Unsicherheiten erweitert sich ihr Aufgabenspektrum zunehmend. Konsumenten, Investoren und Gesetzgeber verlangen von Unternehmen weltweit mehr Transparenz.

Diese wirtschaftliche Entwicklung bringt für die internen Auditoren die Herausforderung mit sich, einerseits weiterhin ihre Aufgaben im Compliance Management wahrzunehmen und andererseits die Geschäftsführung als strategischer Berater zu unterstützen“, schrieben Olaf Riedel und Martin Wiedemann von EY Advisory Services kürzlich in einem Fachbeitrag für FINANCE online.

Laut einer aktuellen EY-Studie verantworten bereits heute knapp ein Drittel der Audit-Experten strategische Themenfelder der Unternehmen und mehr als die Hälfte von ihnen erwartet, dass sich ihre Aufgaben in den nächsten zwei Jahren stärker in Richtung strategischer Beratung verschieben werden.

Diese erhöhten Anforderungen an Interne Auditoren stellen auch die Beratungen fest, die Unternehmen bei der Suche nach passenden Kandidaten unterstützen: „Internal-Audit-Abteilungen bzw. Internal-Audit-Leistungen gewinnen unter dem Einfluss neuer regulatorischer Anforderungen und dem faktischen Druck durch Banken, wirksame Systeme zur Risikofrüherkennung zu etablieren, eine immer größere Bedeutung“, sagt Arnd Degener, Business Manager beim Beratungsunternehmen TriFinance. „Insbesondere der Mittelstand, der sich in der Vergangenheit oft auf externe Jahresabschlussprüfer verlassen hat, geht dazu über, Internal-Audit-Abteilungen aufzubauen oder diese Leistungen extern einzukaufen.“

Zertifizierte Zusatzqualifikationen ergänzen Ausbildung

In der Regel haben Interne Auditoren ein betriebswirtschaftliches oder juristisches Studium abgeschlossen und gehen oft zunächst zu einer Wirtschafts- oder Beratungsgesellschaft. Berufseinsteiger sind in der Revision seltener anzutreffen, aber es ist durchaus möglich, dort eine berufliche Karriere zu starten.

Will man in einer Internal-Audit-Abteilung arbeiten, gibt es verschiedene Zusatzqualifikationen, um sich auf die dortige Arbeit vorzubereiten: den Certified Internal Auditor (CIA), die Certification in Control Self Assessment, den Certified Financial Services Auditor (CFSA), den Certified Government Auditing Professional (CGAP), und den Certified Information Systems Auditor (CISA). Das DIIR – Deutsches Institut für Interne Revision bietet verschiedene Seminare zur Fort- und Weiterbildung an und unterstützt Führungs- und Fachkräfte der Internen Revision bei Prüfungs- und Beratungsaufgaben.

Neben diesen fachlichen Kenntnissen muss ein Interner Auditor aber auch noch bestimmte persönliche Voraussetzungen mitbringen. Er oder sie muss äußerst akkurat und sorgfältig sein, da die Arbeiten in Internal-Audit-Abteilungen akribisch und detailliert auszuführen sind. Durchsetzungs- und Kritikfähigkeit sind weitere Soft Skills, die ein Internen Auditor mitbringen sollte, da mitunter auch unangenehme Themen – insbesondere auch gegenüber CEO und CFO – anzusprechen sind. Zudem sollte eine gewisse Reisebereitschaft vorhanden sein, da die Prozesse vor Ort zu überprüfen sind.

Info

Was Interne Auditoren verdienen können

Junior Revisor/Interner Auditor: 40.000 bis 60.000 Euro
Senior Revisor/Interner Auditor: 60.000 bis 95.000 Euro
Leiter Revisor/Interner Auditor: 80.000 bis 200.000 Euro

Quelle: TriFinance, Robert Half, Michael Page, Hays, Fricke Finance & Legal 

Ein Interner Auditor muss also sowohl fachlich als auch persönlich ein breites Spektrum an Fähigkeiten mitbringen. „Dafür ist auch ein Gehalt in der Spitze von bis zu circa 110.000 Euro plus Bonus und gegebenenfalls Pkw zu erwarten“, sagt Olaf Szangolies, Executive Manager Financial Services beim Personaldienstleister Michael Page in Frankfurt.

Von der Revision auf den CFO-Posten

Doch ein Interner Auditor bleibt nicht unbedingt bis zum Rentenalter in der internen Prüfungsabteilung. „Die Revision ist häufig die Kaderschmiede innerhalb von Unternehmen, um Personen in Managementfunktionen zu entwickeln“, sagt Thomas von Ciriacy-Wantrup, Partner bei der Personalberatung Fricke Finance & Legal. Neben der Leitung der Revision ist eine Führungsposition im kaufmännischen Bereich, beispielsweise in der Buchhaltung oder im Controlling ebenfalls möglich.

Auch eine Position als (Chief) Compliance Officer oder gar als CFO ist nicht auszuschließen. Simone Menne, seit 1. Juli 2012 Finanzchefin der Deutschen Lufthansa hat beispielsweise Ende der 1980er Jahre ihre berufliche Karriere in der Revisionsabteilung des Mischkonzerns ITT gestartet und ist 1989 als Revisorin zu Deutschlands größter Fluggesellschaft gewechselt. Commerzbank-CFO Stephan Engels fing nach seinem Studium 1988 bei Daimler-Benz in der Konzernrevision, Roland Vogel, Finanzvorstand der Hannover Rück, begann ebenfalls 1988 seine berufliche Laufbahn in der EDV-Revision von Treuverkehr.

Auch Knorr-Bremse-CFO Lorenz Zwingmann hatte seine erste Karrierestation in der internen Revision – und zwar bei Philips. Bernd Hirsch, CFO des Aromenherstellers Symrise, startete seine Karriere zwar nicht auf Unternehmensseite im Audit-Bereich, aber als Audit Manager bei der Prüfungsgesellschaft Arthur Andersen.

sabine.paulus[at]finance-magazin.de

Info

Einen detaillierten Überblick über die verschiedenen Berufsbilder im Finanzbereich – einschließlich Ausbildung, Karrierewege und Gehaltsentwicklungen – finden Sie auf unserer Themenseite Jobs in Finance.

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Sabine Paulus ist seit 2008 Redakteurin beim Fachmagazin FINANCE und der Online-Publikation DerTreasurer. Ihre Themenschwerpunkte sind Personal, Organisation, Karriere und Finanzierung. Sie ist M.A. und hat an der Universität Konstanz unter anderem das Hauptfach Deutsche Literatur studiert.