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Jüngere CFOs ziehen in Vorstände ein

Jüngere CFOs fahren nicht nur schnelle Autos selbst, sondern wollen auch die Vorstände der Unternehmen in der DACH-Region erobern.
Thinkstock / Getty Images

In den Unternehmensvorständen in Deutschland, Österreich und der Schweiz findet ein Generationenwechsel statt. Fast ein Viertel der Vorstandsmitglieder in den deutschen Dax-Konzernen ist mittlerweile jünger als 49 Jahre, hat eine aktuelle Studie der Unternehmensgruppe Haniel in Zusammenarbeit mit Kienbaum Communications ergeben. In den Unternehmen aus dem Schweizer Leitindex zeigt sich ein ähnliches Altersniveau. Österreich hat mit einem Anteil von 31 Prozent den höchsten Anteil an jungen Vorständen in den untersuchten börsennotierten Unternehmen. Auch unter den CFOs gibt es einige, die sich zu den sogenannten „Young CFOs“ zählen dürfen, also maximal 49 Jahre alt sind und das CFO-Karrierelevel im Alter von höchstens 44 Jahren erreicht haben. Matthias Zachert, der heutige CFO des Pharma- und Chemiekonzerns Merck, ist beispielsweise im Juni 2004 mit 36 Jahren CFO des Spezialchemiekonzerns Lanxess geworden. Der derzeitige Metro-Chef Olaf Koch war 2009 mit 39 Jahren CFO des Handelskonzerns.

Auch bei Unternehmen außerhalb des Dax finden sich Beispiele für Young CFOs: Der heutige Air-Berlin-CFO Ulf Hüttmeyer ist ebenfalls als Jungspund zum CFO berufen worden. Bereits seit Februar 2006 verantwortet er das Finanzressort bei dem SDAX-Unternehmen Air Berlin. Damals hatte die Fluggesellschaft im Zuge der Umfirmierung zur Aktiengesellschaft den CFO-Posten neu geschaffen. Wäre der Posten über einen Headhunter besetzt worden, hätte Hüttmeyer den Job wohl nicht bekommen, da er bei seiner Berufung gerade einmal 32 Jahre jung war und nur Berufserfahrung in einem einzigen Kreditinstitut aufweisen konnte. Solch eine Entwicklung ist möglich, da potentielle CFOs heutzutage schon mit Mitte 30 rund zehn Jahre Berufserfahrung haben können. Mehr und mehr junge Führungskräfte haben in diesem Alter bereits Erfahrungen im Controlling, Treasury und Finanz- und Rechnungswesen gesammelt.

IT-Branche zieht junge CFOs an

Es gibt aber durchaus einige Unternehmen unter den DAX30-Konzernen, den 18 untersuchten Firmen des österreichischen ATX und den 20 ausgewerteten Unternehmen aus dem bedeutendsten Aktienindex der Schweiz, die bislang noch gar keine jungen Vorständehaben: Sieben der 30 Dax-Unternehmen haben kein Vorstandsmitglied unter 50 Jahren in ihren Reihen, in Österreich sind es fünf der untersuchten Firmen. In den untersuchten Schweizer Unternehmen ist der Studie zufolge dagegen in jedem Vorstand mindestens ein Young CxO vertreten. „Zwar ist der Anteil von Young CxOs in den österreichischen Vorstandsetagen im Schnitt am höchsten, aber wenn man genauer hinschaut, wird deutlich, dass sich die untersuchten Unternehmen in zwei Lager spalten: zum einen Firmen, die einen hohen Anteil an Jungvorständen in ihren Reihen haben, auf der anderen Seite diejenigen, in denen die Älteren noch unter sich sind“, sagt Peter Sticksel, Personalchef von Haniel. Ähnlich sei die Situation in den Dax-30-Unternehmen, wo sich ebenfalls diese beiden Gruppen gegenüberstünden. Relativ ausgewogen ist der Studie zufolge die Mischung zwischen jüngeren und erfahrenen Managern in der Schweiz, wo in jedem untersuchten Vorstand mindestens ein Mitglied unter 49 ist.

Ein Grund für diese zweigeteilte Welt in den Vorständen dürfte in den unterschiedlichen Geschäftsmodellen verschiedener Branchen zu finden sein. „Wir haben eine deutlich schnellere Welt, in die die jüngeren CFOs hineingewachsen sind“, sagt Stefan H. Fischhuber, Geschäftsführer bei der Personalberatung Kienbaum Executive Consultants. „Insbesondere in der Software- und High-Tech-Branche hat es eine Verjüngung in den Vorständen gegeben, was sich vollständig durch die Unternehmen durchzieht.“

Junge CFOs kommunizieren anders

Im Rahmen des Generationenwechsels verändert sich auch die Führungskultur der CFOs. Ein neuer Führungs- und Kommunikationsstil erobert die Vorstandsetagen. „Die Finanzchefs kommunizieren mehr mit ihren Mitarbeitern als dies noch vor zehn Jahren der Fall war“, sagt der Kienbaum-Manager. Die Hierarchien würden flacher, die Teamarbeit stärker. „Die CFOs müssen aufgrund ihres immer breiter und komplexer werdenden Aufgabenportfolios auch mehr an ihre Mitarbeiter delegieren, weshalb eine gut aufgestellte Finanzabteilung und das damit verbundene Talentmanagement immer wichtiger für die Finanzchefs werden.“ Neben der Kommunikation nach innen werde auch die externe Kommunikation zu Analysten und Investoren immer wichtiger.

Das sehen die Finanzchefs auch selbst so, wie drei CFOs im Frühjahr im Gespräch mit FINANCE, das in der aktuellen Printausgabe zu lesen ist, näher erläuterten. „Ich koordiniere die Arbeit zwischen meinen Spezialisten, auf sie muss ich mich verlassen können“, erklärte Heiko Lampert, CFO von Horiba Europe, der europäischen Gesellschaft des japanischen Messgeräte- und Automobilprüfsystemherstellers Horiba. „CFOs haben auch eine starke Personalentwicklungsaufgabe“, sagte auch Knut Michelberger, der bis Ende Mai CFO des Lager- und Fördertechnikherstellers Dematic war: Daneben verantworten Finanzchefs zunehmend auch immer mehr Ressorts im Vorstand. Das geht vom klassischen Finanzbereich über das Thema Personal bis hin zur IT. „Meine Rolle ist sehr vielfältig, das klassische CFO-Geschäft ist dabei häufig eher nebensächlich“, bestätigte Tom Giessler, Geschäftsführer Technik und Finanzen bei dem Familienunternehmen STI Group gegenüber FINANCE.

Ein künftiger CFO kann für dieses komplexe Aufgabenfeld gezielt „ausgebildet“ werden. Personalberater Fischhuber zufolge kann ein Mentor eine Karriere im CFO-Bereich gezielt fördern. „Ein überraschendes Ergebnis der Studie war, dass es viele CFOs gibt, die schon sehr früh erkennen ließen, dass sie Potential haben und durch Mentoren gefördert worden sind.“ Es gebe viele interne Karrieren, auch im Finanzbereich. „Um die Karriereleiter nach oben zu klettern ist es heutzutage nach wie vor nicht erforderlich, das Unternehmen zu wechseln“, sagt Fischhuber weiter. Wenn allerdings der Mentor gehen müsse, könne auch für den Protegé die Luft eng werden.

sabine.paulus[at]finance-magazin.de

Info

Für diese Studie hat Haniel in Zusammenarbeit mit Kienbaum Communications, der Kommunikationsberatung der Kienbaum-Gruppe, die Lebensläufe von 446 Vorstandsmitgliedern aller Dax-30-Unternehmen, aus 18 Firmen des österreichischen ATX und 20 aus dem bedeutendsten Aktienindex der Schweiz (SMI) ausgewertet, um die Charakteristika von sogenannten „Young CxOs“ zu untersuchen. Als Young CxOs werden maximal 49 Jahre alte Vorstandsmitglieder, die das CxO-Karrierelevel im Alter von höchstens 44 Jahren erreicht haben, bezeichnet.

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Sabine Paulus ist seit 2008 Redakteurin beim Fachmagazin FINANCE und der Online-Publikation DerTreasurer. Ihre Themenschwerpunkte sind Personal, Organisation, Karriere und Finanzierung. Sie ist M.A. und hat an der Universität Konstanz unter anderem das Hauptfach Deutsche Literatur studiert.

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