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1. FC Köln engagiert Birkenstock-CFO

Birkenstock-CFO Philipp Türoff wird neuer Finanzchef beim Bundesligisten 1. FC Köln. Foto: 1. FC Köln

In Birkenstocks ins Stadion: In der Finanzwelt ist Philipp Türoff längst kein Unbekannter mehr, doch im Profifußball ist der 45-Jährige ein neues Gesicht. Zum 1. Januar 2022 wechselt Türoff, bisher CFO des Schuhherstellers Birkenstock, zum Bundesligisten 1. FC Köln. Dort übernimmt er als kaufmännischer Geschäftsführer die Finanzen des Fußballklubs, wie der Verein mitteilte.

Demnach erweitert der Traditionsverein für den Neuzugang seine Geschäftsführung, die zunächst aus dem bisherigen Clubchef und CFO Alexander Wehrle (Unternehmensstrategie), Christian Keller (Sport) und Türoff bestehen wird.

Geht Alexander Wehrle zum VfB Stuttgart?

Lang dürfte diese Konstellation jedoch nicht währen. So hat Wehrle, dessen Vertrag eigentlich noch bis 2023 laufen würde, angekündigt, den Verein verlassen zu wollen, wie aus einem Nebensatz ganz am Ende der Mitteilung hervorgeht. Laut Medienberichten könnte der Köln-Boss schon im kommenden Jahr als neuer Vorstandschef zum Liga-Konkurrenten VfB Stuttgart wechseln, wo seine Karriere in der Welt des Profifußballs 2003 als Referent der Geschäftsführung begann. Beim VfB Stuttgart würde er die Nachfolge von Ex-Nationalspieler Thomas Hitzlsperger antreten.

Die Entscheidung zu Erweiterung der Geschäftsführung sei gefallen, da sich die Anforderungen und Aufgabenbereiche in einem Profifußballklub in den vergangenen Jahren stark verändert hätten, so FC-Präsident Werner Wolf. „Aus diesem Grund haben wir uns dazu entschlossen, die Geschäftsführung zu erweitern und auf starke und kluge Köpfe mit nachgewiesener Managementkompetenz auf Top-Niveau zu setzen.“

Türoff hat Birkenstock solide aufgestellt

Die nötig Erfahrung dürfte Türoff, der bei den Kölnern neben den Finanzen auch die Bereiche Vertriebssteuerung, Personal und IT übernimmt, durchaus mitbringen. Nach dem BWL-Studium in Stuttgart hatte Türoff seine Karriere 2004 als Controller beim Softwarekonzern SAP begonnen. 2010 wechselte er als Finanzmanager zum Energy-Brause-Giganten Red Bull, für den er unter anderem für den asiatischen Markt und zuletzt in Norwegen tätig war.

2016 stieg Türoff beim Sandalenhersteller Birkenstock ein. Nachdem er als Kaufmännischer Leiter den globalen Vertrieb übernommen hatte, wurde er im Juli 2018 schließlich zum CFO der Birkenstock Group ernannt.

In dieser Funktion begleitete der CFO Anfang des Jahres die Übernahme des Sandalenherstellers durch den Finanzinvestor L Catterton und die Beteiligungsgesellschaft Financière Agache für 3,8 Milliarden Euro. Zudem platzierte CFO Türoff für Birkenstock in diesem Jahr noch eine High-Yield-Anleihe mit einer Spezialklausel.

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1. FC Köln ächzt unter neuem Schuldenberg

Seine ganze Erfahrung und Innovationskraft wird Philipp Türoff wohl auch beim 1. FC Köln angesichts der zuletzt schwierigen Finanzsituation des „Effzeh“ brauchen, in der sein Vorgänger Wehrle den Verein zurücklässt.

Zwar hatte der heute 46-Jährige den damals schwer angeschlagenen Fußballklub nach seinem Antritt zunächst vor dem Aus bewahrt, stabilisiert und sich 2016 an die Beseitigung des immensen Schuldenbergs gemacht. So hatte Wehrle es geschafft, die Kölner von den finanziellen Altlasten fast komplett zu befreien. Sogar von einem neuen Stadium träumte man in Köln. Doch es folgten zahlreiche kostspielige Transfer-Flops und der kurzzeitige Abstieg in die Zweite Liga.

Zuletzt hatten die Folgen der Corona-Pandemie tiefe Löcher in die Klub-Kasse gerissen. Im März dieses Jahres hatte der Bundesligist beim Land Nordrhein-Westfalen eine Staatsbürgschaft über 20 Millionen Euro für einen Kredit bei seiner Hausbank beantragt. Zuvor hatten bereits Berichte die Runde gemacht, dass der Klub Staatshilfen aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) des Bundes beantragen könnte.

In der abgelaufenen Saison verzeichnete der 1. FC Köln, der in der Bundesliga derzeit einen soliden zehnten Platz belegt, einen Verlust nach Steuern von 3,9 Millionen Euro bei einem Eigenkapital von 16,9 Millionen Euro. Gleichzeitig stiegen jedoch die Schulden der Kölner um rund 13,5 Millionen auf 40 Millionen Euro an – ein Berg, den nun Wehrles Nachfolger Türoff wieder abbauen muss.

thomas.holzamer[at]finance-magazin.de

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Thomas Holzamer ist Redakteur bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen im Banken-Sektor, speziell das Firmenkundengeschäft. Er hat Politikwissenschaften an der Technischen Universität Darmstadt studiert. Vor FINANCE arbeitete Thomas Holzamer mehr als 12 Jahre in den Redaktionen der Mediengruppe Offenbach-Post, zunächst als verantwortlicher Redakteur für Sonderpublikationen, später im Lokalen.

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