Neues Flottenflaggschiff Airbus A350: Der Flugzeugbauer verliert seinen CFO Harald Wilhelm, seit zehn Jahren die prägende Figur seines Finanzbereichs.

Airbus

14.05.18
CFO

Airbus muss auch CFO Harald Wilhelm ersetzen

Airbus verliert die zweite zentrale Figur im Top-Management: CFO Harald Wilhelm will zusammen mit Konzernchef Tom Enders den Flugzeugbauer verlassen. Airbus scheint davon kalt erwischt worden zu sein.

Das Stühlerücken an der Spitze von Airbus wird noch größer, als der Konzern geplant hatte. Am heutigen Montag Morgen gab der Flugzeugbauer bekannt, dass auch Finanzchef Harald Wilhelm Airbus verlassen will – zusammen mit CEO Tom Enders, der im Frühjahr 2019 gehen wird. Damit muss Airbus nun gleich für beide Schlüsselpositionen neue Manager finden.

Immerhin gibt dies dem im Fokus der Politik stehenden Konzern, der immer noch von Proporzdenken zwischen der deutschen und der französischen Seite geprägt ist, die Möglichkeit, eine politisch und regional ausgewogene neue Führungsmannschaft zu finden. Unlängst erst hatte Airbus den Chef seiner größten Sparte, des Passagierflugzeuggeschäfts, ausgetauscht: Der französische Chef des Hubschraubergeschäfts Guillaume Faury ersetzte den ebenfalls aus Frankreich stammenden Fabrice Brégier. 

„Harald Wilhelm ist ein außergewöhnlicher CFO mit einem außergewöhnlichen Team, vergleichbar mit keinem anderen in unserer Industrie. Ich bedanke mich bei ihm für seine Bereitschaft, noch bis zu meinem eigenen Rückzug im nächsten Frühjahr an Bord zu bleiben“, sagte Airbus-Chef Enders.

CFO Harald Wilhelm hat Airbus mit geformt

Der Rückzug von Wilhelm könnte für Airbus einen noch tieferen Einschnitt bedeuten als der Abgang des seit sechs Jahren amtierenden Konzernchefs. Der 52-jährige Betriebswirt ist seit mehr als einem Jahrzehnt die prägende Figur im Finanzbereich des Airbus-Konzerns. Seit zehn Jahren ist Wilhelm CFO des Passagierflugzeugbereichs, seit sechs Jahren in Doppelfunktion auch noch Konzern-CFO. Zuvor war er Controlling-Chef von Airbus. 

Zu dem Flugzeugbauer stieß er im Jahr 2000, aber nicht als Neuling. Zuvor hatte Wilhelm schon seit 1992 im Finanzbereich der Airbus-Vorgängergesellschaft Daimler-Benz Aerospace gearbeitet. Als M&A-Chef der Daimler-Tochter hatte er entscheidend an der Verschmelzung verschiedener europäischer Flugzeug- und Rüstungshersteller zu dem Airbus-Mutterkonzern (ehemals EADS) mitgewirkt. Zum Zeitpunkt seines Abschieds wird Wilhelm insgesamt 27 Jahre lang für Airbus und deren Vorgängergesellschaft gearbeitet haben.

Harald Wilhelm, Airbus Group

Wilhelm ist von 1992 bis 1993 Manager für M&A bei Daimler-Benz Aerospace. 1995 wird er zum Senior Manager für M&A befördert. Anschließend arbeitet Wilhelm bei DaimlerChrysler-Aerospace, von 1998 bis 2000 als Vice President für M&A. In dieser Funktion leitet er verschiedene Projekte, unter anderem die Verschmelzung der einzelnen Airbus-Bereiche zu einem Unternehmen.

Seit 2000 ist Wilhelm bei der EADS-Sparte Airbus tätig, zunächst als Vice President für Accounting, Tax und Financial Services, ab 2003 dann als Senior Vice President Financial Control. Im Januar 2007 wird Wilhelm zum Chief Controlling Officer und stellvertretenden CFO von Airbus ernannt. Seit Februar 2008 ist er dort CFO und Mitglied des Führungsausschusses. Diese Positionen hat er weiterhin inne, obwohl er im Juni 2012 zusätzlich zu seiner CFO-Tätigkeit bei der Flugzeugsparte auch noch die Aufgaben des Konzern-CFOs übernimmt. Im Mai 2018 kündigt er an, zusammen mit Konzernchef Thomas Enders Airbus im Frühjahr des folgenden Jahres verlassen zu wollen.

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Airbus will „sofort“ neuen CFO suchen

„Nächstes Jahr ist es an der richtigen Zeit für mich, weiterzuziehen“, begründet Wilhelm seinen Entschluss. Er verspricht, einen guten Übergang zu seinem Nachfolger sicherzustellen. 

„Es ist Zeit für mich zu gehen.“

Airbus-CFO Harald Wilhelm

Offenbar hat Wilhelm die Konzernführung mit seinem Rückzugsplan überrascht. Airbus werde jetzt sofort mit der Suche nach einem neuen CFO beginnen, erklärte Aufsichtsratschef Denis Ranque. Zum Zeitplan sagte er nur, eine Entscheidung werde „rechtzeitig“ fallen. 

Viele Analysten sehen in Wilhelms Rückzug eine schlechte Nachricht für Airbus. Die UBS bewertet den Abgang des Finanzchefs als Überraschung und rechnet mit einer negativen Aufnahme der Meldung durch den Kapitalmarkt. Goldman Sachs lobte Wilhelm dafür, dass er Airbus auf den Barmittelzufluss und auf Investorenausschüttungen fokussiert habe. An der Börse verlor die Airbus-Aktie bis zum Mittag rund 1,5 Prozent. 
 
michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de
 

Mehr zu Karriere und Werdegang des scheidenden Airbus-CFOs finden Sie im FINANCE-Köpfe-Profil von Harald Wilhelm.