Burkhard Kesse macht einen Karrieresprung ins Ungewisse – von Allianz Deutschland zur britischen Lloyd’s.

Allianz Deutschland

05.02.19
CFO

Allianz Deutschland muss neuen CFO suchen

Allianz-Deutschland-CFO Burkhard Keese wagt einen Sprung ins Ungewisse: Er verlässt den deutschen Großkonzern und wechselt inmitten der Brexit-Krise ausgerechnet nach England – zu der Versicherungsikone Lloyd’s of London.

Burkhard Keese, CFO von Allianz Deutschland, wird zum 1. April neuer Finanzchef des britischen Versicherungsmarktplatz Lloyd’s of London. Dem Wechsel habe der Aufsichtsrat der Allianz am Montag zugestimmt, Keeses Nachfolge werde zu einem späteren Zeitpunkt geregelt, heißt es in einer Unternehmensmitteilung.

Burkhard Keese ist seit 2004 bei der Allianz

Für Keese ist der Wechsel zu Lloyd’s ein Einschnitt – nicht nur wegen der aktuell ungewissen politischen Lage rund um den Brexit. Nach seinem Studium der Wirtschaftswissenschaften an der Bochumer Ruhr-Universität und seinen Examina zum Steuerberater und Wirtschaftsprüfer begann Keese seine Karriere zunächst bei KPMG. Dort arbeitete er sich vom Wirtschatsprüfer im Ruhrgebiet zum globalen Abschlussprüfer der Deutschen Bank Gruppe hoch. Zwischenzeitlich führte er zudem das German-Desk in Singapur und war Executive Partner im Berliner Büro des Vorstandssprechers.

2004 begann seine Zeit im Allianz-Konzern, die am Ende 15 Jahre dauerte: Zunächst leitete er in der Konzern-Holding der Allianz acht Jahre lang das Group Financial Reporting mit den Zuständigkeiten für die Bilanzierung sowie die interne und externe Finanzberichterstattung. 2012 ging er zur Tochter Allianz Deutschland, wo er zunächst die Geschäftsleitung Finanzen übernahm. Ein Jahr später wurde er CFO.

Damals folgte er auf Rainer Schwarz, der nach 28 Dienstjahren altersbedingt aus dem Vorstand ausschied und Keese zusätzlich seine Vorstandposten bei der Allianz Versicherungs AG, der Allianz Lebensversicherungs AG und der Allianz Privaten Krankenversicherungs AG übertrug.

Drei CEOs in vier Jahren für Finanzchef Keese

Wie die FAZ schreibt, genoss der 53-Jährige bei der Allianz hohes Ansehen. Allianz-Deutschlandchef Klaus Peter Röhler schreibt, dass er als Finanzchef „entscheidende Akzente gesetzt“ habe. Mit Keese gehe „ein geschätzter Kollege und Mensch“, dessen Weggang er bedauere. Keese war auch die Konstante an der Spitze der Allianz in Deutschland: Der seit gut einem Jahr amtierende CEO Röhler war der dritte CEO in vier Jahren, den Keese erlebte.

Auch auf der Ebene über Keese gab es jüngst einen Wechsel im Finanzressort: 2017 kündigte der Konzern-CFO der Allianz, Dieter Wemmer, seinen Abschied an. Auf ihn folgte Anfang 2018 Giulio Terzariol, der bis zu diesem Zeitpunkt noch CFO der US-Tochter Allianz Life gewesen war.

Keese wird Nachfolger von Lloyds-Urgestein John Parry

Als neuer CFO von Lloyd’s of London übernimmt Keese unter anderem die Verantwortung für das Financial Reporting sowie die Ressorts „Capital Setting“ und „Capital Adequacy“. Auch weitere klassische CFO-Funktionen wie Steuern, Treasury sowie das Investment-Management zählen zu seinem Beritt.

Doch in London erwarten Keese gleich zwei Unsicherheitsfaktoren. Zum einen ist unklar, wie sich ein harter Brexit auf die Rolle von Lloyd’s im globalen Versicherungsmarkt auswirken würde. Zum anderen ist auch in Keeses neuem Unternehmen die Führungskonstellation noch ganz neu: CEO John Neal steht erst seit Oktober 2018 an der Unternehmensspitze, zuvor besetzte Inga Beale die Position. Keeses Vorgänger ist John Parry, der 17 Jahre Lloyd's-CFO war.

Keese freut sich über seinen Wechsel nach England: „Für mich ist der Wechsel zu Lloyd’s eine sehr schöne Möglichkeit, denn ich kann in der neuen Funktion im internationalen Finanzgeschäft tätig sein“, lässt er sich in der Unternehmensmeldung zitieren.

olivia.harder[at]finance-magazin.de