Tischtuch zerschnitten: Nach der zweiten Gewinnwarnung in Folge muss Bilfinger-Chef Roland Koch gehen. Der Aufsichtsrat bezeichnet seinen Rückzug als "fair".

Bilfinger

05.08.14
CFO

Bilfinger: CEO Koch muss gehen, CFO Müller bleibt

Nach der zweiten Gewinnwarnung in einem Monat muss Bilfinger-Chef Roland Koch seinen Stuhl räumen. CFO Joachim Müller hingegen darf vorerst bleiben. Der Ton zum Abschied Kochs ist eisig.

Bittere Überraschung für die Aktionäre von Bilfinger: Nachdem der Bau- und Dienstleistungskonzern Ende Juni die Gewinnerwartungen schon einmal deutlich gesenkt hatte, muss der MDax-Konzern nun eingestehen, dass selbst die neuen Planzahlen noch zu optimistisch waren.

Für die zweite Gewinnwarnung binnen kurzer Zeit muss CEO Roland Koch seinen Kopf hinhalten und gehen. Bilfinger-CFO Joachim Müller hingegen bleibt im Amt. Für eine Übergangszeit von rund einem Jahr kehrt der frühere Bilfinger-Chef Herbert Bodner aus dem Aufsichtsrat an die Bilfinger-Spitze zurück. Ihn hatte der frühere hessische Ministerpräsident Koch im Juli 2011 als CEO abgelöst.

Als letzte Amtshandlung musste Koch die Gewinnerwartungen gestern Abend nach Börsenschluss ein weiteres Mal zusammenstreichen. Schon am 30. Juni hatte er den ursprünglich geplanten Gewinnanstieg ad acta gelegt und den Aktionären einen operativen Gewinn (Ebita) von 380 bis 400 Millionen Euro in Aussicht gestellt (nach 419 Millionen Euro auf vergleichbarer Basis im Vorjahr).

Nun kappt Bilfinger das Gewinnziel auf 340 bis 360 Millionen Euro. Als Grund nennt der Konzern eine erneute Verschlechterung im Kraftwerksgeschäft, das auch schon für die erste Gewinnwarnung verantwortlich war. Zudem sei ein großer Auftrag in Südafrika verloren worden, was laut Bilfinger „erst jetzt bekannt wurde“.

Bilfinger-Großaktionär Cevian setzt sich durch

Die Beziehung zwischen Vorstand und Aufsichtsrat ist schwer belastet. Das zeigt die offizielle Mitteilung zum Abgang Kochs. Die Rede ist von einer „einvernehmlichen Trennung“, bei der Koch nach eigenen Aussagen für das „erschütterte Vertrauen am Kapitalmarkt einsteht“. Koch gibt zu, dass „wesentliche Teile des Aufsichtsrats und ich bei der Beurteilung der nächsten notwendigen Maßnahmen nicht ausreichend übereinstimmen.“

Bilfinger-Aufsichtsratschef Bernhard Walter bezeichnete Kochs Vorgehen als „fair“. Der mit mehr als 20 Prozent an Bilfinger beteiligte Großaktionär Cevian, ein PE-Investor aus Schweden, ist schon seit längerer Zeit mit der Ertragsentwicklung und der Bilanz der ehrgeizigen M&A-Strategie mit zahlreichen Zukäufen unzufrieden. Cevian gilt im Bilfinger-Umfeld als treibende Kraft hinter dem Abgang Kochs. Die erneute Gewinnwarnung dürfte den Widerstand anderer Aufsichtsräte gegen eine Trennung von Koch gebrochen haben.

Geschwächt ist vorerst auch die Position von Bilfinger-CFO Joachim Müller. Allerdings hat sich Müller in den vergangenen Monaten als strenger Kostensenker positioniert, was die Zustimmung Cevians gefunden haben dürfte. So hatte Müller nur wenige Tage nach der ersten Gewinnwarnung in einem sehr offenen Gespräch mit FINANCE-TV Anfang Juli angekündigt, dass der Konzern jetzt nicht einfach wieder zur Tagesordnung übergehen könne. Müller kündigte eine Verschärfung des Sparkurses an. Dies wird er nun voraussichtlich mit noch größerer Vehemenz umsetzen müssen als vor wenigen Wochen geplant.

Mit dem an die Bilfinger-Spitze zurückgekehrten Interims-Chef Bodmer hat Müller schon zwischen Mai 2009 und Sommer 2011 zusammen gearbeitet, als beide gemeinsam die Führungsspitze des Konzerns bildeten.    

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de