Michael Ramroth rettete den Einstieg des chinesischen Konzerns Creat und wird dafür mit der Beförderung zum CEO belohnt.

Biotest

08.03.19
CFO

Biotest befördert CFO Ramroth

CFO Michael Ramroth steigt an die Spitze von Biotest auf. Dies dürfte er einem großen Dienst verdanken, den er dem chinesischen Biotest-Eigentümer Creat geleistet hat.

Ab Mai wird Biotest-Finanzchef Michael Ramroth auf dem Sessel des Vorstandsvorsitzenden Platz nehmen. Dies gab der Blutplasmaproduzent am frühen Donnerstagabend bekannt. Ramroth löst Bernhard Ehmer ab, der sich in den Ruhestand verabschiedet. Zusammen mit COO Georg Floß wird Ramroth aber auch nach seinem Aufstieg an die Konzernspitze weiter für die Finanzen verantwortlich sein. 

Der Jurist Ramroth leitet schon seit 2004 die Finanzabteilung bei Biotest und ist seitdem auch Aufsichtsrat der Corporate-Finance-Beratung @visory Partners. In der Zeit davor hatte sich Ramroth bei dem Mischkonzern MG Technologies, der früheren Metallgesellschaft, ebenfalls zum Finanzchef hochgearbeitet.

Ramroth umkurvte CFIUS

Bei Biotest – einem Unternehmen, das zeitweise im SDax notierte – hat Ramroth immer mal wieder mit besonderen Transaktionen für Aufsehen gesorgt. 2007 begleitete er die Übernahme von Nabi Biopharmaceuticals für einen Kaufpreis von 185 Millionen US-Dollar. Vier Jahre später brachte er den Verkauf des Mikrobiologie-Geschäfts von Biotest an Merck Millipore über die Bühne. Daneben handelte er wichtige Vertriebskooperationen in Russland und China aus. Schon allein dank seiner langen Amtszeit als Finanzchef hatte Ramroth schon vor seiner jetzigen Berufung an die Unternehmensspitze großen Einfluss auf die strategischen Entscheidungen bei dem hessischen Mittelständler.

Ins Rampenlicht einer breiteren Öffentlichkeit geriet Ramroth aber erst, als der chinesische Blutplasmaproduzent Creat nach Biotest griff. Ramroth bezog frühzeitig Stellung zu dem nicht unumstrittenen Deal: Der Manager begrüßte den Einstieg der Chinesen, was letztlich zu einer der drei größten China-Übernahmen in Deutschland aller Zeiten führte: Insgesamt ließ sich Creat die Biotest-Übernahme 1,3 Milliarden Euro kosten.

FINANCE-Köpfe

Dr. Michael Ramroth, Biotest AG

Von 1990 bis 1997 leitet Ramroth das Business Development der Metallgesellschaft. Die folgenden zwei Jahre ist er Vorstandsmitglied bei CeramTec. 1999 wechselt er als CFO zurück zu MG Technologies und leitet das Finanzressort bis 2003. Später wird er Vorstand für Unternehmensentwicklung.

Seit Februar 2004 ist Ramroth Vorstandsmitglied und CFO des hessischen Pharma- und Diagnostikunternehmens Biotest. Außerdem ist er Aufsichtsratsmitglied bei der Corporate-Finance-Beratung @VISORY Partners. Im März 2019 gibt Biotest bekannt, dass Ramroth ab Mai 2019 zum Vorstandsvorsitzenden des Pharmaunternehmens aufsteigen wird.

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Ramroth war es auch, der diese Transaktion rettete, als er zwischenzeitlich stark ins Wanken geriet. Der berüchtigte US-Ausschuss CFIUS hatte sein Veto gegen den Deal eingelegt, er hegte Sicherheitsbedenken im Zusammenhang mit der Creat-Tochter Tiancheng. Ramroth gelang es innerhalb nur weniger Wochen, das US-Geschäft von Biotest abzuspalten und so den Widerstand von CFIUS zu überwinden. Die Übernahme konnte vollzogen werden.

Das kluge Vorgehen in der CFIUS-Krise und die wohlwollende Position, die der 58-Jährige gegenüber Creat in der Öffentlichkeit bezog, dürften ihm bei den Chinesen hohes Ansehen gebracht haben. Seine nun anstehende Beförderung ist ein starker Hinweis darauf.

Biotest kehrt in die schwarzen Zahlen zurück

Auch operativ hat Biotest die unruhige Zeit hinter sich gelassen, die nicht nur durch den Vorstoß von Creat geprägt war, sondern auch durch Qualitätsmängel bei einem Blutplasmaprodukt, die den Konzern einen hohen zweistelligen Millionenbetrag gekostet haben dürften. So konnte Biotest im abgelaufenen Geschäftsjahr den Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) um 20 Millionen Euro verbessern und mit 10 Millionen Euro in die schwarzen Zahlen zurückkehren. Die Umsatzerlöse wuchsen um 6 Prozent auf 400 Millionen Euro.

Noch ist das Ergebnis von den hohen Investitionen und Sonderkosten des riesigen Ausbauprojekts „Biotest Next Level“ geprägt. Diese allein drückten das Ebit 2018 nach Unternehmensangaben um 50 Millionen Euro. Nach Abschluss des Projekts in den frühen 2020er-Jahren plant Biotest, wieder zu alter Ertragsstärke zurückzufinden.

sarah.backhaus[at]finance-magazin.de

Mehr zu Karriere und Werdegang des angehenden Biotest-Chefs lesen Sie im FINANCE-Köpfe-Profil von Michael Ramroth.