Dürr-Finanzchef Carlo Corsetto wird den schwäbischen Anlagenbauer zu Ende seiner Dienstzeit im Februar 2020 verlassen. Der Aufsichtsrat betont die Wertschätzung, die er Corsettos Arbeit entgegenbringt.

Dürr

31.07.19
CFO

CFO Carlo Crosetto wird Dürr verlassen

Finanzchef Carlo Crosetto wird seinen Vertrag bei Dürr nicht verlängern. Er verlässt den Maschinenbauer damit bereits nach drei Jahren im Amt.

Der schwäbische Maschinenbauer Dürr muss sich einen neuen Finanzchef suchen: Carlo Crosetto wird seinen Vertrag bei dem MDax-Konzern nicht verlängern und das Unternehmen Ende Februar 2020 verlassen. Seine Amtszeit bei den Schwaben wird damit nur drei Jahre betragen. Zu den Gründen für seinen Weggang ist nichts bekannt. Wer seine Nachfolge antreten wird, ist noch offen.

Carlo Crosetto war im März 2017 mit umfassender Erfahrung im Automotive-Sektor zu dem MDax-Unternehmen gekommen. Der gebürtige Italiener war lange Jahre für den Daimler-Konzern tätig und besetzte unter anderem den CFO-Posten bei Beijing Benz Automotive in China, einem Joint-Venture von Mercedes mit dem chinesischen Autobauer BAIC, der gerade als neuer Großaktionär bei Daimler eingestiegen ist. Später war er zudem bei dem Mischkonzern RMA Group in Bangkok tätig.

Crosetto treibt Nachhaltigkeitsthemen bei Dürr

„Mit Bedauern“ hat der Aufsichtsrat Crosettos Entscheidung zur Kenntnis genommen, teilt das Unternehmen mit. „Carlo Crosetto hat als Finanzvorstand neue Akzente gesetzt. Er hat unter anderem die Unternehmensfinanzierung nachhaltig aufgestellt und die digitale Neuausrichtung des Finanzbereichs angestoßen“, kommentiert der Aufsichtsratsvorsitzende Karl-Heinz Streibich die Entscheidung.

Zudem habe der CFO das Thema Nachhaltigkeit im Dürr-Konzern forciert. Damit schaffte es das Unternehmen auch jüngst in die Schlagzeilen: Als erstes Unternehmen platzierte Dürr vor wenigen Wochen einen Schuldschein, dessen Verzinsung an die Nachhaltigkeitsperformance des Unternehmens gekoppelt ist.

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Carlo Crosetto, Dürr AG

Carlo Crosetto startet seine berufliche Laufbahn 1993 bei Daimler. In seinen ersten Jahren ist der gebürtige Italiener vor allem im asiatischen Raum tätig. 2005 wird Crosetto Finanzchef des Mercedes-Joint-Ventures mit dem chinesischen Autobauer BAIC in Peking, bis es ihn 2008 als kaufmännischen Leiter zu Mercedes-AMG ins baden-württembergische Affalterbach zieht.

2010 kehrt er zurück nach Asien zum Mischkonzern RMA Group, wo er bis Ende 2016 als Finanzvorstand maßgeblich an der Expansion des Unternehmens mitarbeitet. Nach einem kurzen Stopp als Managing Director bei der Unternehmensberatung Bucheim wird Crosetto im März 2017 CFO des Maschinen- und Anlagenbauers Dürr.

Im Juli 2019 gibt Dürr bekannt, dass Crosetto seinen bis Februar 2020 laufenden Vertrag nicht verlängern und das Unternehmen verlassen wird.

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Dürr gibt erneut Gewinnwarnung ab

Mit Blick auf die Geschäftsentwicklung musste Finanzchef Crosetto zuletzt aber weniger gute Nachrichten verkünden. Nachdem der Konzern vergangenen Oktober bereits seine Erwartungen herunterschrauben musste, folgte zu Beginn vergangener Woche eine erneute Gewinnwarnung. Die für 2019 ursprünglich erwartete Ebit-Marge von 6,5 bis 7 Prozent wird nicht zu halten sein, Dürr erwartet jetzt 5,5 bis 6 Prozent. Auch die Zielbandbreite für das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) vor Sondereffekten soll nun zwischen 6 und 6,5 Prozent liegen. Zuvor waren 7 bis 7,5 Prozent prognostiziert worden.

Als Hauptgrund für den Rückgang sieht Dürr zum einen, dass die Tochter Homag, die Maschinen für die Holzverarbeitung baut, einen Marktrückgang im Geschäft mit der Möbelindustrie verkraften muss und sich zum anderen der Wettbewerb in der Division Measuring and Process Systems, der Sparte für Auswucht-, Montage-, Prüf- und Befülltechnik, deutlich verschärft.

Auch die mittelfristig prognostizierte Ebit-Marge für 2020 will der Konzern „vor dem Hintergrund der schwierigeren gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen“ überprüfen. Der Konzern kämpft nach Jahren des Booms, die in die Amtszeit von CFO-Vorgänger Ralph Heuwing fielen, bereits seit längerem mit einem schwieriger werdenden Marktumfeld. Elektromobilität und autonomes Fahren verändern die Branche, klassische Lackieranlagen – das Kerngeschäft von Dürr – stehen weniger im Fokus. „Margen von 8 Prozent und mehr, wie wir sie früher erzielt haben, sind im Anlagenbau nicht mehr realistisch“, erklärte CFO Crosetto im Herbst 2018 die geänderte Lage im Anlagenbau in einem Interview mit FINANCE (Ausgabe 6/2018).


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