Der Maschinenbauer Dürr hat als erstes Unternehmen weltweit einen nachhaltigen Schuldschein platziert.

Dürr

24.06.19
Finanzierungen

Finanzierungen: Dürr, Tom Tailor, Aluflexpack

Dürr begibt erstmals einen nachhaltigen Schuldschein, Tom Tailor sichert sich eine Finanzspritze und Aluflexpack konkretisiert seine Börsenpläne – der wöchentliche FINANCE-Ticker.

Dürr platziert erstmals nachhaltigen Schuldschein

Der Maschinen- und Anlagenbauer Dürr wird im Bereich Green Finance aktiv: Dürr hat ein Sustainability-Schuldscheindarlehen über 200 Millionen Euro platziert. Das Papier war mehrfach überzeichnet. Die durchschnittliche Verzinsung beträgt derzeit 0,84 Prozent, ist aber an das Nachhaltigkeitsrating des Konzerns gekoppelt und steigt oder fällt je nach Rating. Der Schuldschein ist in Tranchen mit Laufzeiten von fünf, sechs, acht und zehn Jahren unterteilt. Teile des Darlehens sind über die Digitalplattform Debtvision gezeichnet worden. Der Schuldschein dient als frühzeitige Anschlussfinanzierung für die 2021 auslaufende Unternehmensanleihe über 300 Millionen Euro, die mit einem Kupon von 2,9 Prozent verzinst ist.

Als Arrangeure der Transaktion fungierten ING und LBBW. Laut ING ist Dürr weltweit das erste Unternehmen, das diese Form der nachhaltigkeitsorientierten Finanzierung bei einem Schuldscheindarlehen einsetzt. Rechtlich wurde Dürr von Freshfields beraten.

Tom Tailor erhält Brückenfinanzierung

Das kriselnde Modehaus Tom Tailor hat sich mit dem Großaktionär Fosun sowie den Konsortialbanken auf eine Brückenfinanzierung über insgesamt 48,5 Millionen Euro geeinigt. Fosun stellt den Hamburgern kurzfristig ein Darlehen von 18,5 Millionen Euro zur Verfügung. Die Banken gewähren dem Modehaus eine neue Akkreditivlinie in Höhe von 30 Millionen Euro für Warenbestellungen.

Zudem haben sich die Konsortialbanken dazu bereit erklärt, eine am 30. Juni fällig werdende Tilgungsrate über 7,5 Millionen Euro bis Mitte August auszusetzen, wie Tom Tailor mitteilte. FINANCE-Informationen zufolge führt auf Seiten der Banken ein Gremium aus BNP Paribas, LBBW, Unicredit und HSBC die Verhandlungen mit dem Modehaus. Insgesamt sollen sich acht Banken an der Finanzspritze beteiligt haben.

Aluflexpack treibt Börsengang voran

Der Verpackungsspezialist Aluflexpack gibt Details zu seinem geplanten IPO an der Schweizer Börse Six bekannt: Insgesamt sollen bis zu 7,3 Millionen neue Aktien im Rahmen einer Kapitalerhöhung ausgegeben werden. Zudem bietet der Mehrheitsaktionär Montana Tech Components 730.000 Aktien im Rahmen einer Mehrzuteilungsoption an. Die Preisspanne für die angebotenen Aktien liegt bei 20 bis 26 Schweizer Franken (rund 17 bis 23 Euro).

Das Volumen des IPO beträgt bei vollständiger Ausübung der Mehrzuteilungsoption 161 bis 185 Millionen Franken (etwa 143 bis 165 Millionen Euro). Der Streubesitz läge nach dem IPO bei bis zu 46,6 Prozent. Der erste Handelstag ist für den 28. Juni geplant. Den Emissionserlös will  Aluflexpack für den Ausbau der Produktionskapazitäten in Europa, die Automatisierung der Produktion sowie für Zukäufe verwenden.

Einer mit der Transaktion betrauten Bank zufolge seien die Orderbücher und die Mehrzuteilungsoption bereits voll gedeckt. Joh. Berenberg, Gossler & Co ist als Sole Global Coordinator und Joint Bookrunner mandatiert. Die Zürcher Kantonalbank fungiert als Joint Bookrunner und die Raiffeisen Centrobank als Co-Lead Manager. Rechtlich wird Aluflexpack von der Kanzlei DLA Piper (Federführung: Roland Maaß) beraten. 

Global Fashion Group will noch im Juni an die Börse

Die Rocket-Internet-Beteiligung Global Fashion Group (GFG) treibt ihren geplanten Börsengang voran. Der Online-Modehändler bietet bis zu 49,34 Millionen Aktien an, die Preisspanne beträgt 6 bis 8 Euro je Aktie. Damit könnte das Unternehmen bei seinem für den 27. Juni geplanten IPO bis zu 395 Millionen Euro einsammeln.

Mit dem Erlös will das Unternehmen weiteres Wachstum finanzieren und in seine Technologieplattform sowie den Kundenausbau investieren. Goldman Sachs, Morgan Stanley und Berenberg fungieren als Joint Global Coordinators der Transaktion. HSBC ist als Joint Bookrunner mandatiert. Latham & Watkins (Federführung: Oliver Seiler) berät die Banken bei dem Börsengang. 

Weitere Meldungen

Der Bahntechnikkonzern Vossloh hat eine Kapitalerhöhung abgeschlossen. Im Rahmen einer Privatplatzierung sind über ein beschleunigtes Verfahren rund 1,6 Millionen neue Aktien zu 30,70 Euro je Aktie bei institutionellen Anlegern platziert worden. Vossloh fließt damit ein Emissionserlös über 49 Millionen Euro zu, den das Unternehmen unter anderem zur Verbesserung der Finanzierungsstruktur verwenden will. Hauptaktionär Heinz Hermann Thiele hat seine Beteiligung an Vossloh im Rahmen der Kapitalerhöhung auf über 50 Prozent erhöht.

Daimler und BMW suchen laut einem Bericht des „Manager Magazins“ externe Investoren für ihr Mobilitäts-Joint-Venture Yournow. Mittelfristig werde ein IPO für das Gemeinschaftsunternehmen angepeilt. Demnach sprechen Daimler und BMW bereits mit verschiedenen Interessenten, wozu Finanzinvestoren ebenso wie andere Autokonzerne gehören würden. Den Prozess begleite der britische Investmentberater Evercore.

Der Agrarhändler BayWa hat seinen geplanten Green Bond begeben. Insgesamt sind Papiere im Volumen von über 500 Millionen Euro bei nationalen und internationalen institutionellen Investoren platziert worden, teilte das Unternehmen mit. Der Bond hat eine Laufzeit von fünf Jahren und wird mit 3,125 Prozent verzinst. Den Emissionserlös will BayWa zur Finanzierung von neuen und bestehenden Wind- und Solarenergieanlagen verwenden. Die Transaktion wurde von der BNP Paribas, der DZ Bank, ING und der Unicredit als Joint Lead Manager begleitet.

Der Halbleiterhersteller Infineon hat durch eine Kapitalerhöhung mittels eines beschleunigten Platzierungsverfahrens 1,5 Milliarden Euro eingesammelt. Das Grundkapital der Gesellschaft wurde um 10 Prozent erhöht. Das frische Kapital will Infineon für die Finanzierung der Anfang Juni bekanntgegebenen Übernahme des kalifornischen Chipherstellers Cypress Semiconductor für 9 Milliarden Euro verwenden.

Das Technologieunternehmen Nanogate hat eine Kapitalerhöhung mit einem Bruttoemissionserlös von rund 10,3 Millionen Euro abgeschlossen. Der Platzierungspreis lag bei 22,80 Euro je neuer Aktie. Bankhaus Lampe fungierte als Sole Global Coordinator und gemeinsam mit M.M. Warburg & Co als Joint Bookrunner der Transaktion. A-Xellence beriet Nanogate bei der Kapitalerhöhung ebenfalls.

Das Verkehrstechnikunternehmen Schaltbau hat eine geplante neue Konsortialfinanzierung über insgesamt 103 Millionen vereinbart. Die Finanzierung hat eine Laufzeit von drei Jahren und kann zwei Mal um jeweils ein Jahr verlängert werden. Insgesamt beteiligten sich sechs Geldgeber unter gemeinsamer Federführung der Commerzbank und der Unicredit an der Transaktion. Die Konsortialfinanzierung soll den wesentlichen Baustein der Refinanzierung der Schaltbau-Gruppe bilden, so das Unternehmen.  

Das Immobilienunternehmen Aroundtown hat eine Anleihe über 400 Millionen Britische Pfund (rund 449 Millionen Euro) emittiert. Der Bond hat eine Laufzeit  bis 2024 und wird mit 4,75 Prozent verzinst. Den Erlös will  Aroundtown unter anderem zur Finanzierung des weiteren Wachstums verwenden.

Der Browserspielebetreiber Gamigo, ein Portfoliounternehmen des Technologie-Investors Blockescence, hat seine im Oktober 2018 begebene Anleihe um weitere 8 Millionen Euro aufgestockt. Den Nettoerlös aus der Transaktion will Gamigo für allgemeine Unternehmenszwecke verwenden. Nach der Aufstockung hat die Anleihe das als Aufstockungsziel ausgegebene Gesamtvolumen von 50 Millionen Euro erreicht. Die Anleihe hat eine variable Verzinsung von 7,75 Prozent und eine Laufzeit bis Oktober 2022. Als Sole Bookrunner für die Aufstockung fungierte Pareto Securities.

Das Immobilienunternehmen Defama Deutsche Fachmarkt prüft eine Kapitalerhöhung mit Bezugsrecht. Die Platzierung werde voraussichtlich im Verhältnis 8:1 und zu einem Angebotspreis der neuen Aktien nahe dem Börsenkurs erfolgen, kündigte Defama an. Das Unternehmen rechnet mit einem Bruttoemissionserlös zwischen 7 und 8 Millionen Euro. Details zum Zeitplan stehen noch nicht fest.

Der Brillenproduzent Rodenstock hat im Rahmen seiner Refinanzierung ein neues Darlehen über 395 Millionen Euro mit einer Laufzeit von sieben Jahren abgeschlossen. Zudem hat sich das Unternehmen eine neue revolvierende Kreditlinie über 20 Millionen Euro gesichert. JP Morgan begleitete die Transaktion als alleiniger Konsortialführer. Rechtlich wurde Rodenstock von der Kanzlei Sidley Austin (Federführung: Markus Feil und James Crooks) beraten. 

Ratingmeldungen

Moody’s hat dem fusionierten Erdgas- und Erdölunternehmen Wintershall Dea ein Rating von Baa2 zugeteilt. Fitch bewertet das Unternehmen mit BBB. Der Ausblick ist jeweils stabil. Das Rating reflektiere „die operative und finanzielle Stärke der erst kürzlich gegründeten Wintershall Dea“, teilte CFO Paul Smith mit.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

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