CFO Dirk Kaliebe verlässt die Heidelberger Druckmaschinen im September dieses Jahres.

Heidelberger Druckmaschinen

28.05.19
CFO

CFO Dirk Kaliebe beendet das Kapitel Heideldruck

Überraschung bei Heidelberger Druckmaschinen: Nach 20 Jahren verlässt CFO Dirk Kaliebe den SDax-Konzern. Er will ein Sabbatical nehmen.

Der Industriekonzern Heidelberger Druckmaschinen sucht einen neuen CFO. Wie der SDax-Konzern mitteilt, hat Finanzchef Dirk Kaliebe dem Aufsichtsrat mitgeteilt, seinen bis 2021 laufenden Vertrag nicht verlängern zu wollen. Der Vertrag mit dem 53-Jährigen wird nun „einvernehmlich“ zum 30. September dieses Jahres aufgelöst.

Wo es Finanzchef Kaliebe als nächstes hinzieht, ist noch nicht bekannt. Er wolle nach seinem Abschied im September ein Sabbatical nehmen und sich danach einem „neuen unternehmerischen Ziel widmen“. Zuvor wird er aber noch für die Bilanzpressekonferenz sowie für die Hauptversammlung zur Verfügung stehen.

Mit dem Abschied von Kaliebe endet eine Ära bei Heideldruck. Der Hobbyläufer ist seit Oktober 2006 Finanzvorstand des Druckmaschinenherstellers und arbeitet insgesamt schon seit Ende der Neunzigerjahre bei dem Unternehmen, das auf eine Marktkapitalisierung von etwas mehr als 400 Millionen Euro kommt. Seine einzige weitere Karrierestation war die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO.

FINANCE-Köpfe

Dirk Kaliebe, Heidelberger Druckmaschinen AG

Nach seinem Studium arbeitet Kaliebe von 1992 bis 1998 bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO. Während dieser Zeit legt er 1997 das Examen zum Steuerberater ab. Als er zwei Jahre später das Examen zum Wirtschaftsprüfer ablegt, arbeitet Kaliebe bereits bei Heidelberger Druckmaschinen, wo er 1999 die Leitung des Finanz- und Rechnungswesens übernimmt. Im Jahr 2000 wird ihm zusätzlich die Leitung des Bereichs Investor Relations übertragen.

Seit Oktober 2006 ist Kaliebe Mitglied des Vorstands (CFO) und verantwortlich für die Sparte Financial Services. Im Sommer 2015 rückt der Manager vorübergehend an die Vorstandsspitze. Im Mai 2019 kündigt Kaliebe an, dass er Heideldruck im September des gleichen Jahres verlassen wird.

zum Profil

Dirk Kaliebe orchestrierte zahlreiche Finanzierungen

Der Aufsichtsrat von Heideldruck widmet Kaliebe zum Abschied warme Worte: „Wir haben die Entscheidung von Herrn Kaliebe mit großem Bedauern zur Kenntnis genommen“, lässt sich Siegfried Jaschinski, Chef des Kontrollgremiums, zitieren.

Kaliebe hat den Finanzbereich von Heideldruck, das im Geschäftsjahr 2018/19 fast 2,5 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftet hat, entscheidend geprägt. Der Konzern litt lange unter der Finanzkrise und ächzt bis heute unter der sinkenden Nachfrage nach Druckmaschinen. Finanzchef Kaliebe hat über die Jahre mit zahlreichen Effizienz- und Kostensenkungsprogrammen gegengesteuert. 

Auch an der Finanzierung hat Kaliebe regelmäßig gearbeitet. Zuletzt hat er 2018 einen neuen syndizierten Kredit über 320 Millionen Euro aushandelt. Dadurch konnte er nahezu die Hälfte eines 205 Millionen Euro schweren High-Yield-Bonds zurückzahlen, der mit 8 Prozent verzinst ist und noch bis 2022 läuft.

2015 hat CFO Kaliebe zudem eine Wandelanleihe mit einem Kupon von 5,25 Prozent platziert, wodurch er die Zinslast seinerzeit deutlich senken konnte. Insgesamt setzt Kaliebe auf eine Finanzierung aus drei Säulen: Anleihen, Fördermittel und Bankkredite. 

Kartellamt untersagt MBO-Kauf

Kaliebes Zeit bei Heideldruck war auch durch zahlreiche M&A-Deals geprägt. 2014 hat Heideldruck den Schweizer Hersteller von Etiketten-Druckmaschinen Gallus gekauft. Der Verkäufer Ferdinand Rüesch erhielt im Gegenzug Anteile an dem SDax-Konzern und ist heute mit 7,6 Prozent zweitgrößter Aktionär des Konzerns.

Größter Anteilseigner ist seit März dieses Jahres aber der chinesische Bogenstanzenproduzent Masterwork, der 8,5 Prozent hält. „Uns ist wichtig zu betonen, dass es sich keineswegs um eine Übernahme aus China handelt. Wir haben auch die Option, uns im Gegenzug an Masterwork zu beteiligen“, betonte Kaliebe vor kurzem in einem Interview mit FINANCE.

Die Chinesen sind über eine Kapitalerhöhung eingestiegen und sollen Heideldruck nun helfen, den für das Unternehmen lukrativen chinesischen Markt weiter zu erschließen. Der Cashzufluss von knapp 70 Millionen Euro hilft Heideldruck aber auch, die nach wie vor schwache Bilanz zu stärken. 

Kaliebe musste zuletzt aber auch einen Rückschlag verkraften: Der Versuch, den Falzmaschinenhersteller Maschinenbau Oppenweiler Binder (MBO) zu kaufen, ist Anfang Mai am Widerstand des Bundeskartellamts gescheitert. Der Deal sollte die Abhängigkeit vom Druckmaschinenverkauf senken. 

Vor welchen Herausforderungen steht Heideldruck? Das Interview mit CFO Dirk Kaliebe lesen Sie hier für 1,99 € (zzgl. MwSt.).

Das chinesische Unternehmen Masterwork wird Ankeraktionär bei Heidelberger Druckmaschinen. CFO Dirk Kaliebe sprach mit FINANCE über die Hintergründe des Deals und seine Auswirkungen auf die Kapitalstruktur.

Jetzt kaufen und weiterlesen

Heideldruck reduziert Verschuldung deutlich

Seinem Nachfolger oder seiner Nachfolgerin hinterlässt Kaliebe keine akuten Finanzbaustellen. Die nächste größere Refinanzierung steht erst 2022 an, wenn der High-Yield-Bond und die Wandelanleihe fällig werden. Durch weitere kleinere Finanzierungsbausteine werden in diesem Jahr insgesamt 270 Millionen Euro fällig. Die Kreditfazilität läuft noch ein Jahr länger bis 2023.

Die Bilanzkennzahlen des Konzerns haben sich zuletzt verbessert. Zwischenzeitlich stieg die Verschuldung gemessen am Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) vor Restrukturierungskosten auf 2,1x – und damit über den von Kaliebe selbstgesteckten Zielwert von 2,0x. Ein cashflowstarkes Jahresabschlussquartal und die Finanzspritze aus China senkten den Leverage laut der vorläufigen Jahreszahlen aber wieder auf einen Wert von 1,4x.

Allerdings lasten auf Heideldruck darüber hinaus noch hohe Pensionsrückstellungen in Höhe von zuletzt 523 Millionen Euro. Dies entspricht fast dem Dreifachen des absoluten Ebitda aus dem vergangenen Geschäftsjahr, das sich auf 180 Millionen Euro belief.

Und für das gerade begonnene neue Geschäftsjahr rechnet der Konzern nur mit einer Stagnation bei Umsatz und Ebitda – obwohl das neu aufgelegte Abo-Modell von Maschinen weiter wachsen soll. Diesen Vertriebskanal baut Heideldruck seit rund zwei Jahren auf, um den Absatz krisenfester zu machen. „Bestellungen großer Maschinen verschiebt ein Kunde in Krisenzeiten einfach. Ein Abo-Modell dagegen läuft durch“, erklärte Kaliebe im März gegenüber FINANCE.

jakob.eich[at]finance-magazin.de

Weitere spannende Informationen zum Lebenslauf des langjährigen Heideldruck-CFOs finden Sie auf dem FINANCE-Köpfe-Profil von Dirk Kaliebe.