Bioethanolproduktionsanlage in Wanzen, Belgien. Joachim Lutz soll CropEnergies jetzt aus der Krise führen.

CropEnergies

04.05.15
CFO

CropEnergies-Chef muss gehen, CFO Joachim Lutz steigt auf

Der Bioethanolproduzent CropEnergies hat CFO Joachim Lutz zum Chef berufen. Lutz übernimmt in einer schweren Zeit, erhält aber Unterstützung von einem M&A-Spezialisten.

Der Haupteigentümer Südzucker greift bei seiner in die Krise gerutschten Bioethanoltochter CropEnergies durch: Deren CFO Joachim Lutz steigt mit sofortiger Wirkung zum Vorstandssprecher auf. Gehen muss hingegen der im Vorstand gleichberechtigte Chief Operating Officer Marten Keil, der das Unternehmen aus nicht kommunizierten Gründen verlässt.

Auch Aufsichtsratschef Lutz Guderjahn, der bei der Konzernmutter Südzucker unter anderem für die Produktion und das Bioethanolgeschäft verantwortlich war, ist mit sofortiger Wirkung von Bord gegangen. Für ihn rückt Südzucker-CFO Thomas Kölbl in den Aufsichtsrat ein. Lutz übernimmt als CEO die Ressorts Produktion, Business Development, Öffentlichkeitsarbeit, Marketing, Investor Relations, Compliance und Personal.

Damit gelingt ihm nach beinahe neun Jahren als Finanzchef von CropEnergies der Sprung an die Unternehmensspitze. Lutz ist das Urgestein von CropEnergies und trieb schon vor zehn Jahren die Abspaltung vom Zuckerproduzenten Südzucker voran. 2006 führte er CropEnergies an die Börse, 2008 fädelte er die Übernahme des französischen Bioethanolherstellers RyssenAlcools ein.

Der M&A-Fehlschlag Ensus ist eine Belastung

In seine CFO-Zeit fällt auch das erfolgreichste Geschäftsjahr der Unternehmensgeschichte: 2012 setzt CropEnergies 689 Millionen Euro um und erwirtschaften ein Ebit in Höhe von 87 Millionen Euro. Allerdings ist mit seinem Namen auch der bislang größte Fehlschlag der noch jungen Unternehmensgeschichte verbunden.

Lutz hatte die Übernahme des britischen Bioethanolproduzenten Ensus im Juli 2013 vom PE-Investor Carlyle forciert. Anschließend wurde die Bioethanolfabrik von Ensus für einen hohen zweistelligen Millionenbetrag wieder in Schuss gebracht, doch vor wenigen Monaten musste CropEnergies die Produktion bei Ensus bis auf weiteres einstellen. Dadurch kommt es voraussichtlich zu Sonderbelastungen in Höhe von 40 Millionen Euro. Erworben hatte CropEnergies Ensus für 13 Millionen Euro, insgesamt inzwischen aber schon 70 Millionen Pfund (etwa 96 Millionen Euro) an Kapital zugeschossen. Grund für die Stilllegung sei der drastische Verfall der Bioethanolpreise.

Joachim Lutz soll CropEnergies aus der Krise führen

Infolge des Preisverfalls und des missglückten M&A-Deals läuft es auch am Kapitalmarkt  nicht rund: Der Aktienkurs hat seit November 2013 mehr als die Hälfte an Wert verloren und notiert derzeit bei 2,90 Euro. Für das Geschäftsjahr 2014/2015 erwartet das Unternehmen zwar einen leichten Umsatzanstieg um 9 Prozent. Das operative Ergebnis wird jedoch voraussichtlich negativ ausfallen. In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres lag der operative Fehlbetrag bei 1,7 Millionen Euro.

Doch die Probleme von CropEnergies sind nicht nur hausgemacht, sondern liegen auch an dem schwierigen Bioethanolmarkt. Die EU-Kommission konnte sich jahrelang nicht auf ein Beimischziel für Biosprit aus Nahrungsmitteln einigen, was Investoren und Abnehmer verunsicherte. Bereits im Herbst 2012 haderte CFO Lutz bei FINANCE-TV mit dem Hin und Her von Brüssel. Vor wenigen Tagen wurde das Beimischziel auf 7 Prozent festgelegt, nachdem die Kommission ihn 2012 von 10 auf 5 Prozent gesenkt hatte. Der Kompromiss wird allgemein als kleiner Sieg für die Bioethanolbranche gewertet.

Stephan Meeder wird neuer CFO von CropEnergies

Die schlechte Gewinn- und Aktienkursentwicklung lastet der Hauptaktionär Südzucker (Anteil 69 Prozent) aber offenbar nicht CFO Joachim Lutz an, wie sein Aufstieg zeigt. Den Turnaround muss er auch nicht alleine angehen, der Vorstand wurde von zwei auf drei Personen erweitert. Die Ressorts Beschaffung und Vertrieb übernimmt der 60-jährige Michael Friedmann.

Neuer CFO von CropEnergies wird der 44-jährige Stephan Meeder, der wie Friedmann und Lutz auch aus dem Südzucker-Konzern stammt. Er war seit 2007 Finanzvorstand bei der französischen Zuckergesellschaft Saint Louis Sucre. Der studierte Betriebswirt startete seine Karriere 1996 bei ABB Structured Finance, wo er bis 2000 tätig war. Nach einer kurzen Zwischenstation bei KPMG im Bereich Corporate Finance wechselte er im Jahr 2001 zu Bosch, wo er in den Bereichen Konzernrechnungswesen und M&A arbeitete.

jakob.eich[at]finance-magazin.de