Dürr-Finanzchef Carlo Crosetto zieht es nach Wien.

Dürr

20.11.19
CFO

Dürr-CFO Carlo Crosetto heuert bei Wienerberger an

Ende Juli gab Finanzchef Carlo Crosetto bereits seinen Abschied beim Maschinenbauer Dürr bekannt – nun ist klar, wohin es ihn zieht: Zum österreichischen Ziegelhersteller Wienerberger, dessen langjähriger CFO unerwartet geht.

Neuer Job für Dürr-Finanzchef Carlo Crosetto: Der gebürtige Italiener, der Ende Februar 2020 bei dem Maschinenbauer ausscheiden wird, fängt zum 1. März bei der österreichischen Wienerberger an. Damit kann der nach eigenen Angaben weltgrößte Ziegelhersteller frühzeitig die überraschend vakant gewordene Stelle des Finanzvorstandes besetzen. Er folgt dem langjährigen CFO Willy Van Riet nach.

Die Bestellung Crosettos sei das Ergebnis eines sorgfältigen und umfassenden Nachfolgeplanungsprozesses, lässt sich Wienerberger-Aufsichtsratschef Peter Johnson zitieren. „Dadurch konnten wir auf Willy Van Riet's unerwartet frühen Rücktritt sofort reagieren“, so Johnson. Der Belgier Van Riet war seit 2007 CFO des Ziegelherstellers und scheidet zum Jahresende aus familiären Gründen aus dem Unternehmen aus.

Wienerberger ist an der Börse 3 Milliarden Euro schwer

Der gelernte Wirtschaftsprüfer trat 2001 zunächst in den Aufsichtsrat von Wienerberger ein und wurde drei Jahre später CEO der britischen Tochter, bevor er zum Finanzvorstand des Gesamtkonzerns berufen wurde.

Johnson dankte seinem scheidenden CFO für „sein großartiges Engagement“. So habe Van Riet „wichtige Veränderungen herbeigeführt und einen herausragenden Beitrag zu unserem Erfolg geleistet.“ Auch Wienerberger-CEO Heimo Scheuch bezeichnete seinen Vorstandskollegen als „feste Stütze“ des Unternehmens, der den Erfolgskurs ganz entscheidend mitgestaltet habe.

Das österreichische Unternehmen, mit einem Börsenwert von knapp 3 Milliarden Euro, konnte 2018 seinen Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 6 Prozent auf 3,3 Milliarden Euro steigern. Dabei legte der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) um 34 Prozent auf 239,8 Millionen zu.

Dürr kappte zuletzt die Prognose

Mit solchen Kennzahlen dürfte der 48-jährige Finanzmanager Crosetto zurechtkommen, ist sein derzeitiger Arbeitgeber Dürr von der Größe her doch ähnlich gelagert. Beide Unternehmen beschäftigen um die 16.000 Mitarbeiter. 2018 konnte man in Bietigheim-Bissingen den Umsatz um mehr als 4 Prozent auf knapp 3,9 Milliarden Euro steigern, allerdings fiel das Ebit um knapp 19 Prozent auf 234 Millionen Euro. Dürr wird am Aktienmarkt mit nur 2 Milliarden Euro bewertet.

Im Juli musste Finanzchef Crosetto verkünden, dass die für 2019 ursprünglich erwartete Ebit-Marge von 6,5 bis 7 Prozent nicht zu halten sei und Dürr nun stattdessen 5,5 bis 6 Prozent erwarte. Auch die Zielbandbreite für das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) vor Sondereffekten wurde zwischen 6 und 6,5 Prozent neu justiert. Davor hatte man 7 bis 7,5 Prozent prognostiziert.

Dürr begründete dies zum einen damit, dass die Tochter Homag einen Marktrückgang im Möbelindustrie-Geschäft verkraften muss. Zudem habe sich der Wettbewerb in der Division Measuring and Process Systems, der Sparte für Auswucht-, Montage-, Prüf- und Befülltechnik, deutlich verschärft.

FINANCE-Köpfe

Carlo Crosetto, Dürr AG

Carlo Crosetto startet seine berufliche Laufbahn 1993 bei Daimler. In seinen ersten Jahren ist der gebürtige Italiener vor allem im asiatischen Raum tätig. 2005 wird Crosetto Finanzchef des Mercedes-Joint-Ventures mit dem chinesischen Autobauer BAIC in Peking, bis es ihn 2008 als kaufmännischen Leiter zu Mercedes-AMG ins baden-württembergische Affalterbach zieht.

2010 kehrt er zurück nach Asien zum Mischkonzern RMA Group, wo er bis Ende 2016 als Finanzvorstand maßgeblich an der Expansion des Unternehmens mitarbeitet. Nach einem kurzen Stopp als Managing Director bei der Unternehmensberatung Bucheim wird Crosetto im März 2017 CFO des Maschinen- und Anlagenbauers Dürr.

Im Juli 2019 gibt Dürr bekannt, dass Crosetto seinen bis Februar 2020 laufenden Vertrag nicht verlängern und das Unternehmen verlassen wird. Kurze Zeit später wird bekannt, dass er ab März 2020 neuer Finanzchef des österreichischen Ziegelherstellers Wienerberger wird.

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Als Gegenmaßnahme kündigte Dürr Anfang November an, bei seiner Tochter Homag 350 von 4.100 Stellen in Deutschland zu streichen, und deren Produktion im niedersächsischen Hemmoor einstellen zu wollen.

CFO-Crosetto setzte bei Dürr auf Green Finance

Crosetto gab Ende Juli seinen Rückzug nach drei Amtsjahren bei Dürr bekannt. Wer sein Nachfolger wird, ist weiterhin offen. „Carlo Crosetto hat als Finanzvorstand neue Akzente gesetzt. Er hat unter anderem die Unternehmensfinanzierung nachhaltig aufgestellt und die digitale Neuausrichtung des Finanzbereichs angestoßen“, kommentierte der Aufsichtsratsvorsitzende Karl-Heinz Streibich damals die Entscheidung.

In seiner bisherigen Amtszeit bei Dürr hat Crosetto zudem das Thema Nachhaltigkeit vorangetrieben. So platzierte Dürr im Juni als erstes Unternehmen einen Schuldschein, dessen Verzinsung unmittelbar von der Nachhaltigkeitsperformance des Maschinenbauers abhängt. Im August begab Dürr außerdem einen Nachhaltigkeitskredit, für dessen Konsortialprozess der CFO das Blockchain-Verfahren nutzte.

Crosetto war im Frühjahr 2017 mit umfassender Erfahrung im Automotive-Sektor zu dem MDax-Unternehmen Dürr gekommen. Er startete seine berufliche Laufbahn 1993 bei Daimler, wo er viele Jahre im asiatischen Raum tätig war, unter anderem als CFO bei Beijing Benz Automotive in China, einem Joint-Venture von Mercedes mit dem chinesischen Autobauer BAIC. Später war er Finanzchef bei dem Mischkonzern RMA Group in Bangkok. Nach einem kurzen Intermezzo bei der Unternehmensberatung Bucheim heuerte er 2017 bei Dürr an.

martin.barwitzki[at]finance-magazin.de

Wer Dürr-CFO Carlo Crosetto live erleben möchte, hat auf der Kongressmesse „Structured FINANCE“ die Möglichkeit dazu. Crosetto wird am 27. November 2019 von 10.15 Uhr bis 11.00 Uhr an der Podiumsdiskussion zum Thema „In guten wie in schlechten Zeiten: So machen CFOs die Finanzierung wetterfest“ teilnehmen. Mehr über den Finanzchef erfahren Sie auf dem FINANCE-Köpfe-Profil von Carlo Crosetto.

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