Dürr macht den nächsten Schritt bei grünen Finanzierungen: Auf den Sustainability-Schuldschein folgt ein grüner Kredit.

Dürr

08.08.19
Finanzierungen

Dürr begibt nachhaltigen 750-Millionen-Euro-Kredit

Wenige Wochen nach dem Sustainability-Schuldschein hat Dürr die nächste nachhaltige Finanzierung begeben. Der Kredit ist nicht nur grün, Dürr nutzte für den Konsortialprozess zudem ein Blockchain-Verfahren.

Der Maschinenbauer Dürr ist erneut im Bereich Green Finance aktiv geworden: Die Schwaben haben sich einen syndizierten Nachhaltigkeitskredit (ESG-linked loan) über 750 Millionen Euro gesichert, dessen Verzinsung unter anderem an die Nachhaltigkeitsperformance des Konzerns gekoppelt ist. Erst vor wenigen Wochen hat Dürr nach der gleichen Logik einen Sustainability-Schuldschein über 200 Millionen Euro begeben – ein Novum am Schuldscheinmarkt.

Als Richtschnur für die eigene Nachhaltigkeitsperformance dient bei beiden Finanzierungen das Scoring durch die Agentur Ecovadis, in das unter anderem ökologische Faktoren wie der Wasserverbrauch, aber auch die Arbeitsbedingungen im Unternehmen sowie bei seinen Lieferanten einfließen. 

Dürr-Kredit hängt am Nachhaltigkeitsrating

Der syndizierte Kredit setzt sich aus einer Barlinie über 500 Millionen Euro und einer Avallinie über 250 Millionen Euro zusammen. Die genauen finanziellen Konditionen nennt Dürr nicht, allerdings seien diese „deutlich attraktiver“ als bei dem Vorgängerkredit. 

Das Nachhaltigkeitsrating von Ecovadis hat einen konkreten Einfluss auf die Verzinsung des Konsortialkredits, wenn auch eher einen marginalen. „Wir haben zurzeit einen Nachhaltigkeits-Score von 51 Punkten, das entspricht bei Ecovadis einem Silber-Ranking. Verbessern wir uns um 11 Punkte, hätten wir den Gold-Rang erreicht und die Verzinsung würde um 2 Basispunkte günstiger. Verschlechtert sich unser Nachhaltigkeits-Score dagegen um 11 Punkte, steigt die Verzinsung entsprechend“, erklärt CFO Carlo Crosetto im Gespräch mit FINANCE.

Dürr erweitert finanziellen Spielraum deutlich

Mit dem neuen Kredit löst der Finanzchef, der Dürr Ende Februar 2020 verlassen wird, einen Vorgängerkredit im Volumen von 465 Millionen Euro ab. Der finanzielle Spielraum des Maschinenbauers steigt durch die neue Kreditlinie deutlich. „Durch die Aufstockung sind wir sowohl für mögliche Akquisitionen gewappnet als auch für mögliche Krisenszenarien“, sagt CFO Crosetto. 

FINANCE-Köpfe

Carlo Crosetto, Dürr AG

Carlo Crosetto startet seine berufliche Laufbahn 1993 bei Daimler. In seinen ersten Jahren ist der gebürtige Italiener vor allem im asiatischen Raum tätig. 2005 wird Crosetto Finanzchef des Mercedes-Joint-Ventures mit dem chinesischen Autobauer BAIC in Peking, bis es ihn 2008 als kaufmännischen Leiter zu Mercedes-AMG ins baden-württembergische Affalterbach zieht.

2010 kehrt er zurück nach Asien zum Mischkonzern RMA Group, wo er bis Ende 2016 als Finanzvorstand maßgeblich an der Expansion des Unternehmens mitarbeitet. Nach einem kurzen Stopp als Managing Director bei der Unternehmensberatung Bucheim wird Crosetto im März 2017 CFO des Maschinen- und Anlagenbauers Dürr.

Im Juli 2019 gibt Dürr bekannt, dass Crosetto seinen bis Februar 2020 laufenden Vertrag nicht verlängern und das Unternehmen verlassen wird.

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Der neue Kredit mit Nachhaltigkeitskomponente hat eine Laufzeit bis 2024 und kann mit Zustimmung der Banken zweimal um jeweils ein Jahr verlängert werden. Zum Kreditkonsortium gehören 13 Banken aus Europa, Asien und den USA. Den Vorgängerkredit, der 2021 fällig wäre, kann Dürr bereits in diesem Jahr ohne Vorfälligkeitsgebühren ablösen. 

Dürr nutzt Blockchain für Konsortialprozess

Mit dem neuen Kreditvertrag hat Dürr außerdem ein Pilotprojekt zur Digitalisierung von Konsortialprozessen verknüpft. Dafür nutzte der Konzern eine selbst initiierte Konsortialkredit-Plattform auf Basis der Blockchain sowie eine Identitätssoftware des Softwareunternehmens Targens. Dort hinterlegen die Transaktionsbeteiligten digitale Identitäten, die dann beispielsweise für qualifizierte elektronische Signaturen genutzt werden konnten.

„Die digitale Identitätsprüfung steigert die Sicherheit, zudem wird der Prozess schneller“, sagt Crosetto. Er kann sich vorstellen, solche Lösungen wieder für künftige Kreditprozesse oder auch im Zahlungsverkehr einzusetzen.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

Wer sich noch mit grünen Finanzierungsformen befasst, lesen Sie auf unserer Themenseite Green Finance. Ein Interview mit Henkel-CFO Carsten Knobel über den ersten deutschen Konsortialkredit mit Nachhaltigkeitskomponente sowie weitere Updates zum Thema finden Sie in unserem Themenspecial Green Finance, das Sie hier erwerben können. Mehr über den Dürr-CFO lesen Sie im FINANCE-Köpfe-Steckbrief von Carlo Crosetto