Nach fast 10 Jahren als Finanzvorstand von FMC verabschiedet sich Michael Brosnan in den Ruhestand.

Fresenius Medical Care

20.02.19
CFO

Fresenius Medical Care sucht neuen Finanzchef

CFO Michael Brosnan verlässt den Dialysespezialisten FMC und geht in den Ruhestand. Einen lange hängenden M&A-Deal könnte er vor der Rente noch abschließen.

Der Dialysespezialist Fresenius Medical Care (FMC) ist auf der Suche nach einem neuen CFO. Wie die Bad Homburger am Mittwochvormittag mitteilten, plant der amtierende Finanzchef Michael Brosnan, in den Ruhestand zu gehen.

Wer den 63-Jährigen beerbt, ist noch nicht klar. Brosnan will dem Konzern noch zur Verfügung stehen, bis eine „Nachfolgerin oder ein Nachfolger gefunden und eingearbeitet wurde“, heißt es aus dem Unternehmen. Bis Ende des Jahres solle die Nachfolge aber geregelt sein, kündigte FMC an.

CFO Michael Brosnan ist seit 20 Jahren bei FMC

Für den Dialysekonzern ist es eine Zeitenwende: Brosnan ist seit Anfang 2010 Finanzvorstand der Fresenius-Tochter, die wie ihre Mutter im Leitindex Dax gelistet ist. Er hat in dieser Zeit unter anderem den Kauf des US-Konkurrenten Liberty Dialysis für rund 1,5 Milliarden US-Dollar im Jahr 2012 begleitet. Den M&A-Deal hatte der CFO über vorrangige, unbesicherte US-Dollar- und Euro-Anleihen finanziert.

Insgesamt ist Brosnan seit über 20 Jahren für FMC tätig: „Meine Karriere bei Fresenius Medical Care war ein erfüllender, aber auch herausfordernder Abschnitt meiner beruflichen Laufbahn“, lässt er seine Zeit Revue passieren. Fresenius-Chef Stephan Sturm findet warme Worte für den langjährigen CFO: „Im Namen des ganzen Aufsichtsrats danke ich Mike Brosnan für seinen unermüdlichen Einsatz, den er in den vergangenen Jahren für unser Unternehmen gezeigt hat“, wird er zitiert.

FINANCE-Köpfe

Michael Brosnan, Fresenius Medical Care & Co. KGaA

Brosnan beginnt seine Karriere als Wirtschaftsprüfer bei KPMG in Boston. Dort wird er nach zehn Jahren zum Partner ernannt. Sieben Jahre später wechselt er zur Polaroid Corporation, wo er für den Finanzbereich des Handelsgeschäfts zuständig ist. Im Jahr 1998 wird er Vice President für Finanzen und Administration bei Spectra Renal Management, dem Labordienstleistungsgeschäft der Fresenius Medical Care Nordamerika und übernimmt in der Folge mehrere Führungsfunktionen im Unternehmen.

Von 2003 bis 2010 ist er CFO der Fresenius Medical Care Nordamerika. Zum Jahresanfang 2010 wird der Amerikaner dann zum Finanzchef der Fresenius Medical Care ernannt und wechselt in die Zentrale nach Bad Homburg bei Frankfurt. Im Februar 2019 kündigt FMC an, dass CFO Brosnan in den Ruhestand gehen wird, sobald seine Nachfolge geregelt ist.

zum Profil

US-Behörde FTC erteilt Freigabe für FMC-Zukauf

Neben dem anstehenden Abschied des langjährigen Finanzchefs Brosnan hat FMC am heutigen Mittwoch noch eine Reihe weiterer wichtiger Neuerungen vermelden können: Unter anderem könnte Brosnan einen seit längerem ausstehenden M&A-Deal noch selbst abschließen.

Die US-amerikanische Federal Trade Commission (FTC) hat am gestrigen Dienstag mitgeteilt, dass sie den von FMC angestrebten Kauf des US-Wettbewerber NxStage erlauben will, sofern der Dax-Konzern einige Bedingungen der US-Behörde erfüllt. So soll FMC das Geschäft mit Blutschlauchsystemen von NxStage an den Wettbewerber B. Braun Medical verkaufen, um grünes Licht für die Transaktion zu erhalten. 

CFO Brosnan könnte den NxStage-Deal noch vor seiner Rente abschließen.

Für die Hessen könnte damit ein seit Jahren andauernder M&A-Deal kurz vor dem Abschluss stehen. FMC will für NxStage rund 2 Milliarden US-Dollar zahlen. Bereits 2017 hatte FMC den Kauf verkündet, seither hat sich die Freigabe durch das Kartellamt aber immer weiter hinausgezögert.

Zuletzt hatte der Shutdown der US-Regierung dann noch einmal für eine Verlängerung des Deals gesorgt. Die Chancen stehen gut, dass der scheidende CFO Brosnan den M&A-Deal nun noch abschließt, ehe der Amerikaner in den Ruhestand geht.

FMC erhöht Dividende und kauft Aktien

Zum wohl letzten Mal in seiner aktiven CFO-Karriere hat Brosnan am heutigen Mittwoch auch die jüngsten Jahreszahlen von FMC präsentiert. Für das Geschäftsjahr 2018 vermeldete der Dax-Konzern, dass er seine im Oktober reduzierte Prognose eingehalten hat. Der Umsatz ist auf vergleichbarer Basis (bereinigt um die Effekte aus IFRS 15 und den Beitrag der inzwischen verkauften Sound Inpatient Physicians) um 1 Prozent auf 16,5 Milliarden Euro zurückgegangen, der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) hingegen um 3 Prozent auf 2,3 Milliarden Euro gestiegen.

Das FMC-Management hatte im Oktober mit einer Gewinnwarnung seine Aktionäre verschreckt, in der Folge verloren die Aktien über 15 Prozent an Wert. Als Gründe hatte der Dialysekonzern schwache Geschäfte in Nordamerika, die Hyperinflation in Argentinien sowie Sonderkosten für Informationskampagnen wegen diskutierter Änderungen der Dialysebehandlung im US-Bundesstaat Kalifornien angeführt.

Der Dialysekonzern verfügt laut eigener Aussage trotz des schwierigen Geschäftsjahrs 2018 über eine solide Bilanzstruktur. Auf dieser Basis will der Dax-Konzern auch seine Aktionäre milde stimmen: Zum einen will FMC die Dividende um 10 Prozent auf 1,17 Euro je Aktie erhöhen. Zum anderen kündigten die Hessen heute an, in den kommenden zwei Jahren Wertpapiere im Wert von bis zu 1 Milliarde Euro zurückzukaufen.

jakob.eich[at]finance-magazin.de

Alle wichtigen Informationen zur Karriere des FMC-Finanzchefs finden Sie auf dem FINANCE-Köpfe-Profil von Michael Brosnan.