Frank Bünte (links) und Holger Strack (rechts) ziehen als CRO und COO in den Vorstand der insolventen Reederei Rickmers ein. CFO Mark-Ken Erdmann soll derweil an Bord bleiben.

Rickmers

19.06.17
CFO

Früherer HSH-Manager zieht in Rickmers-Vorstand ein

Rickmers-Chef Ignace Van Meenen verlässt das Unternehmen. Dafür rückt Frank Bünte in den Vorstand nach. Dieser ist nicht nur bislang Stellvertreter von CFO Mark-Ken Erdmann, sondern verfügt auch über gute Kontakte zum wichtigsten Geldgeber der insolventen Reederei. Das könnte Schwung in den Verkaufsprozess bringen.

Die insolvente Reederei Rickmers wechselt die Führung aus: CEO Ignace Van Meenen wird nach Angaben von Rickmers das Unternehmen sofort verlassen. Dafür wird Frank Bünte als Chief Risk Officer (CRO) in den Vorstand berufen. Bünte ist bislang Stellvertreter von Rickmers-CFO Mark-Ken Erdmann, der sein Amt behalten soll.

Zusätzlich wird Holger Strack als COO in den Vorstand einziehen. Strack ist ebenfalls schon jetzt Rickmers-Manager und Chef der beiden Geschäftsbereiche Maritime Assets und Maritime Services. Die Reederei betreibt dort Asset-Management eigener und fremder Schiffe und bietet Verwaltungs- und Wartungsdienstleistungen für Schiffsflotten an.

Bünte verfügt über gute Kontakte zu Rickmers' wichtigstem Geldgeber, der HSH Nordbank. Bevor er 2010 zu Rickmers stieß und das Corporate-Finance-Geschäft mit dem Treasury und Risikomanagement der Reederei leitete, war Bünte viele Jahre für die HSH tätigt. Zuletzt hatte er das gesamte deutschen Schifffahrtsgeschäft der Landesbank verantwortet.

HSH schickte Rickmers in die Insolvenz

Die HSH war es, die bei Rickmers Ende Mai die Notbremse zog und die Reederei letztendlich in die Insolvenz schickte. Einen Tag vor der entscheidenden zweiten Versammlung der Anleihegläubiger hatte der HSH-Vorstand von seinem Veto-Recht zu dem geplanten Sanierungskonzept Gebrauch gemacht und die Kreditanträge von Rickmers zurückgewiesen.

Das Sanierungskonzept sah im Kern vor, die 275 Millionen Euro schwere Mittelstandsanleihe zusammen mit einem HSH-Kredit und 75,1 Prozent der von Bertram Rickmers gehaltenen Rickmers-Aktien in ein Finanzvehikel einzubringen. Über der Verkauf der Anteile an neue Investoren sollten dann nach einem definierten Verteilungsschlüssel die Gläubiger bedient werden.

Macquarie stößt Investorenprozess für Rickmers an

Dass die HSH so kurz vor der Gläubigerversammlung – laut Rickmers „ohne weitere Verhandlungsbereitschaft“ – das Sanierungskonzept fallen ließ, kam für die Reederei „sehr überraschend“. Rickmers-Gläubiger vermuteten gegenüber FINANCE, dass die HSH bereits einen Plan B mit einem möglichen Investor in der Hinterhand habe.

Ob dies der Fall ist, dürfte sich in Kürze zeigen, denn parallel mit dem Führungswechsel stößt Rickmers auch einen Investorenprozess an. Dazu hat die Reederei die australische Investmentbank Macquarie mandatiert. Der Gläubigerausschuss – geführt von der Corporate-Finance-Beratung One Square Advisors – sowie der vorläufige Sachwalter Jens-Sören Schröder von der Sanierungskanzlei Johlke, Niethammer & Partner haben den Beschlüssen bereits zugestimmt.

Als mögliche Käufer für Rickmers kursierten in Finanzkreisen zuletzt vor allem zwei Namen: Das zur Bremer Zech-Gruppe gehörenden Schifffahrtsunternehmen Zeaborn, das bereits das Liniengeschäft von Rickmers übernommen hat, sowie die griechische Reederei Navios Maritime Partners. Die Griechen hatten Mitte April die gesamte Flotte der insolventen Rickmers Maritime Trust (RMT) übernommen.

CFO Mark-Ken Erdmann bleibt bei Rickmers an Bord. Erfahren Sie mehr über den Finanzchef auf seinem FINANCE-Köpfe-Profil. Die gesamte Finanzierungskrise der Reederei können Sie mit der Themenseite zu Rickmers verfolgen.