Die Singapurer Rickmers-Beteiligung Maritime steht vor der Pleite. Was bedeutet das für die Muttergesellschaft?

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16.11.16
Finanzierungen

Asien-Tochter von Rickmers ist pleite

Die Singapurer Rickmers-Tochter Maritime kann ihre Zinsen nicht bedienen und steht vor der Pleite. Für die Hamburger Muttergesellschaft wird es immer enger.

Eine große Beteiligung der Hamburger Rickmers-Gruppe steht vor der Zahlungsunfähigkeit. Die an der Singapurer Börse notierte Rickmers Maritime hat mitgeteilt, eine fällige Zinszahlung in Höhe von 3 Millionen US-Dollar nicht bezahlen zu können.

Die Rickmers-Gruppe hält 34 Prozent an der Singapurer Beteiligung. Zuletzt hatte Eigner Betram Rickmers mit einer Verschiebung innerhalb seiner Besitztümer dafür gesorgt, dass Rickmers die Tochter Maritime nicht mehr in der Konzernbilanz konsolidieren muss. Die Singapur-Tochter hatte wegen des Verfalls der Frachtraten in der Containerschifffahrt im vergangenen Jahr ein Minus von 129 Millionen US-Dollar angehäuft, und das Marktumfeld ist in diesem Jahr sogar noch schlimmer geworden.

Dem Zinsverzug vorausgegangen war das Scheitern des geplanten Schuldenschnitts von Rickmers Maritime. Die Aktionäre hatten zwar dem Plan der Gesellschaft zugestimmt, Fremdkapital im Wert von 100 Millionen Singapur-Dollar (75 Millionen US-Dollar) in Aktien im Wert von 28 Millionen Singapur-Dollar umzuwandeln. Allerdings versagten die Anleihegläubiger ihre Zustimmung. 

Rickmers Maritime reißt Muttergesellschaft in den Strudel

Das fehlende Vertrauen der Bondinvestoren dürfte jetzt aller Wahrscheinlichkeit nach zur Abwicklung von Rickmers Maritime führen. Holt die Singapurer Gesellschaft nicht in fünf Tagen die Zahlung nach, gilt das als Zahlungsausfall. Dann haben die Kreditgeber von Rickmers Maritime  das Recht, die Schulden zurückzuverlangen. Dazu gehört auch ein Betrag von 179,7 Millionen US-Dollar, der im März nächsten Jahres fällig wird.

Die Schwierigkeiten der Asien-Tochter bringen die ohnehin kriselnde Hamburger Reederei weiter in Bedrängnis. So ist die im Juni 2018 fällige, 275 Millionen schwere Anleihe seit Freitag noch weiter von 23 auf 18,5 Prozent eingebrochen – das entspricht einem Verfall von 20 Prozent, und das von einem Niveau aus, das ohnehin schon massives Misstrauen der Bondinvestoren signalisierte.

Rickmers-CFO Mark-Ken Erdmann braucht Zahlungsaufschub

Am gestrigen Dienstag hatte bereits die Ratingagentur Creditreform die Rickmers-Holding von CCC-negativ auf CC, ebenfalls mit negativem Ausblick, herabgestuft. Die Begründung stützt sich allerdings nicht auf die Kalamitäten der Singapurer Tochter, sondern auf die Geschäftszahlen der von CFO Mark-Ken Erdmann geführten Gruppe am Freitag. Rickmers hat in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres einen Netto-Fehlbetrag von 199 Millionen Euro erwirtschaftet.

Jetzt ist es an Rickmers-CFO Erdmann, die Banken für eine Neuordnung oder einen Aufschub der Schulden zu gewinnen, von denen die ausstehende Anleihe mit ihren 275 Millionen Euro nur ein kleiner Teil ist: Zum 30. Juni beliefen sich die Finanzschulden von Rickmers auf 1,7 Milliarden Euro netto. Die Bondinvestoren können nur hoffen, dass er dabei mehr Glück hat als seine Kollegen bei Rickmers Maritime.

florian.bamberg[at]finance-magazin.de

Als Finanzchef ist es Mark-Ken Erdmann, der die Bilanz von Rickmers ins Reine bringen muss. Lernen Sie mehr über den CFO auf seinem Profil bei FINANCE-Köpfe.

Alle aktuellen Entwicklungen im Überlebenskampf der Reederei gibt es zum Nachlesen auf der FINANCE-Themenseite Rickmers.