´Bei Siemens rumort es: Das Management der künftigen Siemens Energy musste neu besetzt werden.

Siemens AG

20.03.20
CFO

Führung von Siemens Energy wirft hin

Kurz vor dem geplanten Spin-off vom Mutterkonzern verliert Siemens Energy seine Führungsspitze: CEO Michael Sen und CFO Klaus Patzak haben hingeworfen – offenbar nach einem Konflikt um die Bilanzstruktur.

Paukenschlag bei Siemens: Kurz vor der geplanten Abspaltung des Energiegeschäfts zur neuen Siemens Energy streicht dessen Managementteam die Segel. CEO Michael Sen und CFO Klaus Patzak „scheiden im gegenseitigen Einvernehmen aus dem Unternehmen aus“, heißt es in einer Pressemitteilung. Erst gegen Ende der Mitteilung dankt Siemens den beiden Unternehmenslenkern „für ihre Unterstützung bei der Vorbereitung des Spin-offs der Siemens Energy“. Sen wird Siemens-Chef Joe Kaeser darüber hinaus „noch bis Frühjahr 2021 beratend zur Verfügung stehen“.

Zu schlechte Mitgift für Siemens Energy?

Doch was so friedlich klingt, hat offenbar einen konfliktträchtigen Hintergrund. Übereinstimmenden Medienberichten zufolge ist es zu einem Streit zwischen der Siemens-Energy-Führung und Vorständen des Mutterkonzerns gekommen. Genannt wurden Siemens-Chef Joe Kaeser, sein designierter Nachfolger Roland Busch und auch CFO Ralf Thomas.  Allerdings sind sich die verschiedenen Medien uneinig, welche persönlichen Konfliktlinien genau die gravierendsten gewesen sind.

Mehr Konsens besteht zum Grund des Streits: Offenbar ging es um die Finanzausstattung und den Grad der Unabhängigkeit von Siemens Energy nach der Abspaltung von Siemens. Dem „Handelsblatt“ zufolge hätten Sen und Patzak befürchtet, dass Siemens zu viel margenschwaches Geschäft und gleichzeitig zu hohe Kosten und Verbindlichkeiten in das Spin-off hineinpacken würde. Aus Sicht von Siemens würde dies bis zu einem gewissen Grad tatsächlich Sinn machen, will der Technologiekonzern im Zuge der Abspaltung seine Beteiligung doch auf unter 50 Prozent absenken.

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Dr. Klaus Patzak, Schaeffler AG

Klaus Patzak beginnt seine Karriere 1993 in der Zentralabteilung Finanzen von Siemens als Fachreferent für betriebswirtschaftliche Grundsatzfragen. Drei Jahre später geht er als Director Business Analyst Holding & Finance zur Siemens Corporation in die USA. 1998 kommt er nach Deutschland zurück und übernimmt in der Zentralabteilung Finanzen von Siemens die Planung und Auswertung. Ein Jahr später verantwortet er das Performance Controlling für die Bereiche Halbleiter, Osram, Medizintechnik, Financial Services und Immobilienmanagement.

Im Jahr 2000 erfolgt der Wechsel zur Siemens-Tochter Infineon als kaufmännischer Leiter des Geschäftsbereichs Drahtlose Kommunikation. Im Jahr 2002 kehrt Patzak zur Mutter zurück und übernimmt die Leitung der Bilanzrevision. Es folgen Stationen als Leiter Bilanzierung & Berichterstattung und als Leiter der Hauptabteilung Reporting & Controlling. Im April 2011 wechselt Patzak schließlich als CFO zur Siemens-Tochter Osram, die im Juli 2013 über einen Spin-off an die Börse gebracht wird. Im Juni 2016 verlässt Patzak Osram.

Im September 2016 wird bekannt, dass Patzak als CFO zu Bilfinger geht. Zwei Jahre später verlässt er den Konzern schon wieder. Wenig später kehrt er zu seiner früheren Wirkungsstätte zurück: Im April 2019 übernimmt er die Verantwortung für die neu geschaffene Siemens-Sparte Portfolio Companies. Nur einen Monat später beruft Siemens Patzak zum neuen CFO der Sparte Gas & Power, die er ein Jahr später an die Börse führen soll. Die Tochtereinheit von Siemens kommt auf einen Umsatz von 27 Milliarden Euro.

Im März 2020 gibt Siemens bekannt, dass CFO Klaus Patzak und CEO Michael Sen „im gegenseitigen Einvernehmen aus dem Unternehmen“ ausgeschieden sind. Im Juli wird dann bekannt, dass er im August zum Automobilzulieferer Schaeffler wechselt und dort die Finanzen leiten soll. 

zum Profil

Trotz der Corona-Pandemie und des Abgangs der Vorstände sieht sich Siemens sowohl bei der Abspaltung als auch beim Börsengang von Siemens Energy im Zeitplan. Als IPO-Termin für die neue Tochter, die das Energiegeschäft von Siemens mit der 67-prozentigen Beteiligung an dem Windanlagenbauer Siemens Gamesa bündeln soll, wird weiterhin Ende September anvisiert.

Maria Ferraro folgt auf Klaus Patzak

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Michael Sen, Siemens AG

Bereits während seines Studiums an der Technischen Universität in Berlin arbeitet Sen auf Teilzeitbasis im Bereich Wirtschaftsplanung Gasturbinenwerk für die Siemens AG in Berlin und sammelt in der amerikanischen Niederlassung Praxiserfahrung. Nach seinem Abschluss 1996 wird er von Siemens Vollzeit angestellt und übernimmt im Standort München zahlreiche operative und strategische Projekt- und Führungsaufgaben in den Abteilungen Unternehmensplanung und -entwicklung und Finanzen.

Von 2001 bis 2002 hat er das Amt des Leiters für Bereichsprogramme zur Effizienz- und Wachstumssteigerung im Geschäftsbereich Siemens Mobile inne. Danach bekleidet Sen ein Jahr lang den CFO-Posten im Solutions-Geschäft, ehe er in selbiger Position 2004 in den Bereich Applications & Solutions wechselt.

Im Anschluss übernimmt Sen von 2005 bis 2007 die Leitung der Abteilung Strategy Transformation. 2007 bis 2008 ist er Leiter der Investor Relations, bevor er zum CFO des Sektors Healthcare und Mitglied der Geschäftsführung im Standort Erlangen aufsteigt.

Nach rund sieben Jahren in diesem Amt wird Michael Sen im Zuge des Konzernumbaus bei E.on von dem Energieriesen abgeworben und ist seit Anfang Juni 2015 dessen neuer CFO. Damit folgt er auf Klaus Schäfer, der fortan den Vorstandsvorsitz der neu gegründeten E.on-Gesellschaft Uniper innehat.

Im November 2016 erhält Sen ein Angebot seines früheren Arbeitgebers Siemens, zurückzukehren und im Vorstand die Verantwortung für die Bereiche Medizintechnik (Siemens Healthineers), Windkraft (Siemens Gamesa) und Global Services zu übernehmen. Sen nimmt dieses an und wechselt im April 2017 zu den Münchenern.Im Herbst 2019 wird Sen zum Co-Chef der Energiesparte ernannt, deren Börsengang er vorbereiten soll.

Im März 2020 gibt Siemens bekannt, dass CEO Michael Sen und CFO Klaus Patzak „im gegenseitigen Einvernehmen aus dem Unternehmen" ausgeschieden sind. Sen wird Siemens-Chef Joe Kaeser darüber hinaus „noch bis Frühjahr 2021 beratend zur Verfügung stehen“.

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Die Nachfolge für Sen und Patzak haben die Münchener bereits geregelt: Christian Bruch, derzeit noch Executive Vice President bei Linde und CEO von Linde Engineering, übernimmt den CEO-Posten. Der CFO-Wechsel findet indes intern statt: Die derzeitige Finanzchefin von Siemens Digital Industries, Maria Ferraro, tritt die Nachfolge von Klaus Patzak an. Für die 41-jährige Ferraro rückt Rudolf Basson nach. Der 51-jährige leitet derzeit als CFO das China-Geschäft von Siemens.

Auch Siemens hat die wichtigste Nachfolgefrage gestern geregelt: Spätestens zur Hauptversammlung am 3. Februar 2021 wird Joe Kaeser sein Amt als Siemens-Chef an seinen Vize Roland Busch übergeben.  Busch erhält einen Vertrag für fünf Jahre. Bereits ab April übernimmt er „die übergeordnete Verantwortung für die Operating Companies Digital Industries, Smart Infrastructure und Mobility“, teilte Siemens mit.

Doch auch Joe Kaeser übernimmt noch einmal neue Aufgaben, und zwar die Zuständigkeit für die Energiegeschäfte inklusive Siemens Gamesa. Zudem will Siemens Kaeser als Aufsichtsratschef von Siemens Energy vorschlagen.

martin.barwitzki[at]finance-magazin.de

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