Eine Woche nach der Pleite verlässt Siegfried Hofreiter den Chefposten bei KTG Agrar.

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13.07.16
CFO

KTG-Chef Hofreiter wirft das Handtuch

Feierabend für CEO Siegfried Hofreiter: An seiner Stelle übernehmen die beiden Sanierer Stefan Denkhaus und Jan Ockelmann das Kommando bei KTG Agrar. Sie haben einiges aufzuarbeiten.

Der gescheiterte Chef des Agrarkonzerns KTG Agrar, Siegfried Hofreiter, gibt auf. Eine Woche nach dem Insolvenzantrag hat Hofreiter sein Vorstandsmandat niedergelegt. Offensichtlich geschah dies nicht ganz freiwillig, wie gewisse Formulierungen in der offiziellen Unternehmensmitteilung nahelegen. Dort wird Hofreiters Rückzug in Zusammenhang mit den Sanierungsbemühungen gestellt und davon gesprochen, „dass es gilt, sich diesem Ziel unterzuordnen“.

Auch sei die Entscheidung zum Rückzug „in enger Abstimmung mit Vorstand, Aufsichtsrat und dem Sachwalter“ gefallen, „um einem erfolgreichen Eigenverwaltungsverfahren nicht im Wege zu stehen“. Offenbar betrachten die mit dem Insolvenzantrag angetretenen Sanierer Hofreiter eher als Teil des Problems, denn als Teil der Lösung.

KTG Agrar: Pleite mit dubiosem Hintergrund

Die Chancen, KTG Agrar tatsächlich langfristig in einem Eigenverwaltungsverfahren sanieren zu dürfen, sind mit Hofreiters Abgang gestiegen. Doch dass der Plan tatsächlich aufgeht, ist ungewiss, denn die Vorgänge rund um die Pleite des mit über 600 Millionen Euro verschuldeten Agrarkonzerns sind dubios – ebenso wie manche Managemententscheidungen von Hofreiter.

So hat KTG in gewaltigem Umfang Darlehen an Dritte verteilt. Der Forderungsbestand belief sich zuletzt auf 214 Millionen Euro – mit völlig unklarem Hintergrund und erheblichen Zweifeln an dessen Werthaltigkeit. Darüber hinaus kamen unmittelbar vor der Pleite ungewöhnliche Geschäftsbeziehungen zu KTG-Aufsichtsrat Julian Voss in Rumänien ans Licht. Auch der Umgang mit den Anlegern war gerade in den Wochen vor der Insolvenz problematisch.  

Jan Ockelmann wird CRO von KTG Agrar

Hofreiter reicht das Zepter bei KTG an die beiden Rechtsanwälte Jan Ockelmann und Stefan Denkhaus weiter. Ockelmann, der viele Jahre Erfahrung als Insolvenzverwalter mitbringt, wurde heute zum Chief Restructuring Officer (CRO) berufen und zieht in den Vorstand ein.

Die Fäden zieht aber Denkhaus, der vom Gericht bestellte vorläufige Sachwalter, der nun einen Restrukturierungsplan erarbeiten muss. Ein solcher ist die Voraussetzung dafür, dass KTG sich tatsächlich in Eigenverwaltung sanieren darf, anstelle im Zuge eines regulären Insolvenzverfahrens zerschlagen und verwertet zu werden.

Eine wichtige Gläubigergruppe von KTG Agrar sind die Bondholder. Ihre Forderungen, die aus zwei Mittelstandsanleihen resultieren, belaufen sich auf rund 350 Millionen Euro. Die Bankschulden betrugen per Ende 2015 knapp 143 Millionen Euro. Damit ist KTG Agrar eine der größten Pleiten, die der Markt für Mittelstandsanleihen bislang erlebt hat.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

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