Machtkampf verloren: PNE-Wind-Chef Martin Billhardt tritt zurück.

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14.08.15
CFO

PNE-Wind-Chef Martin Billhardt schmeißt hin

Tabula rasa bei PNE Wind: Der gesamte Aufsichtsrat wirft hin, auch CEO Martin Billhardt tritt zurück. Die im Chaos geendete Hauptversammlung wird Mitte Oktober nachgeholt.

Der Machtkampf bei PNE Wind endet mit einem kompletten Neuanfang: Der umstrittene Firmenchef Martin Billhardt wird Ende September „einvernehmlich“ ausscheiden, während Finanzchef Jörg Klowat bis auf weiteres an Bord bleibt. Daneben tritt der gesamte Aufsichtsrat zurück.

Billhardt und Friedrichsen kämpften um die Macht bei PNE Wind

Unter den zurückgetretenen Aufsichtsräten befindet sich auch der Unternehmer Volker Friedrichsen, der sich das Duell mit Billhardt geliefert hatte. Billhardt wirft Friedrichsen vor, beim Verkauf des von diesem geführten Windparkprojektierers WKN an PNE Wind falsche Zahlen angegeben zu haben. Friedrichsen wiederum wirft Billhardt „Selbstbedienungsmentalität“ vor und kritisiert die Bezüge, die Billhardt in den vergangenen Jahren erhalten hat, als überzogen. Den gleichen Vorwurf macht er auch dem bisherigen Aufsichtsratschef Dieter Kuprian, der bei dem Mittelständler im vergangenen Jahr mehr verdiente als mancher Dax-Aufsichtsrat. Auch Kuprian hat jetzt sein Amt niedergelegt.

„Der Vorstandsvorsitzende und der Aufsichtsrat haben sich verständigt, dass im Interesse des Unternehmens zur Befriedung der aktuellen Konfliktlage ein personeller Neuanfang sowohl im Aufsichtsrat als auch im Vorstandsvorsitz geboten ist“, heißt es in einer von PNE Wind verbreiteten Erklärung.

Auf den neuen PNE-Wind-Chef wartet viel Arbeit

Die Hauptversammlung, die Mitte Juni nach tumultartigen Szenen ohne Beschlüsse im Chaos endete, wird voraussichtlich am 23. Oktober nachgeholt. An diesem Tag werden die Aktionäre von PNE Wind einen komplett neuen Aufsichtsrat wählen.

Spannend wird sein, ob Friedrichsen, mit einem Anteil von 15 Prozent der einzige Großaktionär des Unternehmens, erneut selbst in das Gremium einziehen will. Vor der gescheiterten Hauptversammlung im Juni hatte er unter anderem den langjährigen Vorstandschef der Deutschen Beteiligungs AG, Wilken von Hodenberg, als Aufsichtsrat vorgeschlagen.

Einen Nachfolger für Billhardt hat PNE Wind noch nicht benannt. Die Aktie reagiert mit einem Kurssprung von rund 4 Prozent auf das Ende des Machtkampfs. Auf den neuen Konzernchef, nach dem nun unter Hochdruck gesucht werden wird, wartet eine Menge Arbeit. Billhardt hat im vergangenen Jahr die Konzernstrategie geändert und setzt nun auf die Bündelung neu entwickelter Windparks in einer „YieldCo“-Gesellschaft, deren Verkauf mehr bringen soll als der Verkauf jedes Windparks für sich. Doch die YieldCo treibt schon jetzt die Finanzrisiken von PNE Wind in die Höhe, obwohl sie noch nicht einmal zur Hälfte umgesetzt ist.  

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de 

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