Der österreichische Baukonzern Porr macht seinen Ex-Abschlussprüfer zum Finanzchef.

PORR

15.07.21
CFO

Porr macht eigenen Prüfer zum CFO

Überraschende Nominierung bei Porr: Der österreichische Baukonzern macht Klemens Eiter zum CFO. Der BDO-Manager war bis vor Kurzem noch Abschlussprüfer bei Porr.

Partner, Prüfer und bald neuer CFO: Porr macht den Wirtschaftsprüfer Klemens Eiter zum künftigen Finanzchef. Der Aufsichtsrat des österreichischen Baukonzerns hat den 51-Jährigen nominiert, nachdem der bisherige Finanzchef Andreas Sauer überraschend mitgeteilt hatte, seinen CFO-Posten und Vorstandssitz zum 31. August abzugeben. Als Grund für Sauers Rücktritt nennt Porr persönliche Gründe.

Sauer, der vor seinem Wechsel zu dem Baukonzern als operativer CFO von Nokia Networks tätig war, hatte den Posten im Februar 2018 übernommen und gilt als Experte in den Bereichen Integration, Transformation und Projektmanagement. Seine Karriere begann er bei der Deutschen Bahn.

Porr trifft ungewöhnliche CFO-Wahl

Bis Eiters Nachfolger tatsächlich offiziell antreten kann, wird es jedoch noch bis Ende April nächsten Jahres dauern. So lange dauert Eiters „Cooling-Off-Periode“ noch. Der Grund dafür: Eiter kommt von BDO Austria und war bis zum Jahresabschluss 2019 als Abschlussprüfer bei Porr tätig. Bis Eiter antreten darf, wird Porr-CEO Karl-Heinz Strauss als Interims-CFO fungieren, Eiter aber schon als „selbstständiger Berater“ seine Arbeit für Porr beginnen. Seine Tätigkeit für BDO hat er beendet.

Dass ein Konzern seinen ehemaligen Abschlussprüfer zum CFO macht, ist ungewöhnlich. Wenn Mitarbeiter des Abschlussprüfers auf die Unternehmensseite wechseln, dann in aller Regel in untergeordnete Positionen innerhalb der Finanzabteilung des früheren Kunden. Während die Berufung des ehemaligen Prüfers zum CFO Compliance-Fragen aufwirft, dürfte Eiter jedoch auch Startvorteile genießen, schließlich kennt der künftige Finanzchef sein neues Unternehmen und dessen Finanzen durch seine vorherige Tätigkeit bereits sehr gut. Ob noch weitere Ex-BDO-Prüfer für Porr arbeiten oder mit Eiter dorthin wechseln wollen, konnte das Unternehmen mit Verweis auf die Urlaubszeit nicht beantworten.

Ex-BDO-Prüfer Eiter ist IFRS-Experte

Klemens Eiter hat seine Karriere nach dem Wirtschaftsinformatik-Studium in Wien 1996 in der Wirtschaftsprüfung und Steuerberatung begonnen. Bei BDO Austria war er seit 2009 Managing Partner und leitete zuletzt das IFRS Competence Center. Zudem kennt Eiter als Leiter des Branchen-Centers Bauwirtschaft auch das Geschäftsfeld von Porr gut. „Wir gewinnen mit Klemens Eiter einen anerkannten Finanzexperten, der unser Unternehmen und die Branche sehr gut kennt“, freut sich Porr-CEO Karl-Heinz Strauss.

Profitieren könnte der 51-jährige Finanzchef in spe bei Porr auch von seiner Erfahrung mit der Umsetzung von Transformations- und Optimierungsprogrammen, denn auch der Baukonzern hat mit den Folgen der Coronapandemie zu kämpfen. Im vergangenen Geschäftsjahr 2020 sank die Produktionsleistung der Österreicher wegen ruhender Baustellen, Reisebeschränkungen und auslaufender Großprojekte um 7 Prozent auf 5,2 Milliarden Euro, der operative Gewinn (Ebitda) brach um 40 Prozent auf 131 Millionen ein. Nach einem Konzernergebnis von 28 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2019 schrieben die Österreicher 2020 einen Verlust von 42 Millionen Euro.

Porr nach Krisenjahr im Aufwärtstrend

Ärger hatte die Porr Gruppe, die in Deutschland unter anderem am Bau einer neuen U-Bahnlinie in Frankfurt beteiligt ist, mit einem Prestigeprojekt, der Konstruktion der A1-Rheinbrücke bei Leverkusen. Den 360 Millionen Euro schweren Auftrag hatte der Landesbetrieb Straßenbau Nordrhein-Westfalen Mitte April 2020 gekündigt, nachdem Mängel an in China produzierten Stahlbauteilen aufgetaucht waren.

Im ersten Quartal 2021 verzeichneten die Österreicher jedoch einen Aufwärtstrend. Sowohl die Produktionsleistung mit 1 Milliarde Euro als auch das Quartalsergebnis mit einem Verlust von 9,4 Millionen Euro fielen besser aus als im Vorjahreszeitraum. Der anhaltende Bauboom sorgt nach Unternehmensangaben bei den Aufträgen für einen Rekordstand in Höhe von 8 Milliarden Euro.

thomas.holzamer[at]finance-magazin.de