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ProSiebenSat.1 tauscht CEO Beaujean aus

Rainer Beaujean legt seinen CEO-Posten nieder. Foto: ProSiebenSat.1
Rainer Beaujean legt seinen CEO-Posten nieder. Foto: ProSiebenSat.1

Überraschender Chefwechsel bei dem Fernsehkonzern ProSiebenSat.1: CEO Rainer Beaujean tritt zurück. Wie der Medienkonzern mitteilte, legt Beaujean sein Amt „in gegenseitigem Einvernehmen mit dem Aufsichtsrat“ nieder. Dieser Schritt kommt plötzlich, denn die Vertragslaufzeit des CEOs wurde erst vergangenen Dezember um fünf weitere Jahre bis Mitte 2027 verlängert. Zum 1. November übernimmt Aufsichtsratsmitglied Bert Habets die Nachfolge von Beaujean.

ProSiebenSat.1: Rainer Beaujean war CFO

Mit dem scheidenden CEO Beaujean verlässt ein namhafter Weggefährte von ProSiebenSat.1 das Unternehmen. Er stieg im Februar 2019 als CFO bei den Unterföhringern ein und übernahm nach nicht einmal einem Jahr Ende März 2020 den Sitz des Vorstandssprechers. Bis zu seiner Berufung zum Vorstandschef des Konzern im Januar 2022 übte Beaujean den CFO-Posten und die Position des Vorstandssprechers in Personalunion aus. Erst im Januar dieses Jahres komplettierte der Konzern den Vorstand wieder und Beaujean übergab seine vorherige CFO-Position an Ralf Peter Gierig ab und wurde offiziell zum CEO von ProSiebenSat.1 ernannt.

„Rainer Beaujean hat das Unternehmen zielstrebig durch die Corona-Krise gesteuert und über die letzten drei Jahre die Konzernstrategie in Richtung Digitalunternehmen weiterentwickelt sowie konsequent und erfolgreich umgesetzt. Rainer hat den Fokus auf Profitabilität gelegt und das Unternehmen u.a. durch konsequentes Portfoliomanagement finanziell zukunftssicher aufgestellt. Wir wünschen ihm für die Zukunft das Beste“, kommentiert Aufsichtsratsvorsitzender von ProSiebenSat.1, Andreas Wiele, den Weggang Beaujeans. 

CFO-Profil

Rainer Beaujean

ProSiebenSat.1 Media SE

Rainer Beaujean im Clinch mit italienischem Großaktionär MfE

Wohin es den langjährigen Ex-CFO zieht, ist bislang nicht bekannt. Auch die Gründe seines Weggangs sind bisher unklar. Es soll allerdings Unstimmigkeiten zwischen Beaujean und dem italienischen Großaktionär Media for Europe (MfE) gegeben haben was die langfristige strategische Ausrichtung von ProSiebenSat.1 in Europa anbelagt.

Beaujean pochte stets auf die Unabhängikeit des deutschen Medienriesen und dessen Fähigkeit, selbst sein Wachstum anzutreiben. MfE, die Medienholding von Silvio Berlusconi, strebte indes eine deutlich engere Zusammenarbeit bis hin zu einem paneuropäischen Medienkonzern an. Wie mehrere Medien berichteten, stehe der Chefwechsel jedoch nicht im Zusammenhang mit dem italienischen Großaktionär.

Vor seiner Zeit bei ProSiebenSat.1 war Beaujean rund sechs Jahre bei dem Verpackungshersteller Gerresheimer tätig, wo er unter anderem die Finanzleitung innehatte. Weitere CFO-Erfahrungen sammelte der Finanzexperte außerdem bei der Deutschen Telekom, bei T-Online, Demag Cranes und bei der Elster Group.

Bert Habtes kommt von der RTL Group

Sein Nachfolger Habets stieg bereits im Mai dieses Jahres als Aufsichtsratsmitglied von ProSiebenSat.1 in den Konzern ein. In seiner neuen Position als Chef wird er unter anderem die Segmente Commerce & Ventures sowie Dating & Video verantworten. Mit der neuen Personalie bedient sich ProSiebenSat.1 bei seinem größten Konkurrenten RTL Group. Dort agierte Habets von 2018 bis 2019 als CEO und hatte zudem seit 2000 verschiedene Führungspositionen innerhalb der RTL Group inne.

Damit holt der Entertainment-Konzern Expertise aus der Medienbranche und setzt auf Habets Kenntnisse aus seiner Zeit bei der RTL Group. „Mit Bert Habets übernimmt einer der profiliertesten und erfolgreichsten Medienmanager Europas den Vorstandsvorsitz von ProSiebenSat.1.“, betont Andreas Wieler. Habets soll nun mit seiner Expertise den Transformationsprozess von ProSiebenSat.1 zu „einem Digitalkonzern weiter vorantreiben“, heißt es weiter.

Durch den Aufstieg von Habets wird ein Platz im Aufsichtsrat frei. Der Sitz soll ProSiebenSat.1 zufolge im Zusammenhang mit der nächsten Hauptversammlung zum 2. Mai 2023 neu besetzt werden.

Mögliche Fusion von RTL und ProSiebenSat.1?

In der Medienbranche tauchen immer wieder Gerüchte um eine mögliche Fusion der beiden Mediengiganten ProSiebenSat.1 und RTL auf. Dabei schließe RTL einen Deal mit seinem Konkurrenten grundsätzlich nicht aus, während ProSiebenSat.1 eine mögliche Fusion abstreitet. Zuletzt machte RTL Schlagzeile mit einem geplatzten Deal, in dem der Verkauf des Senders M6 in Frankreich scheiterte, wie das „Handelsblatt“ berichtete.

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Jasmin Rehne ist Redakteurin bei FINANCE und verfolgt scherpunktmäßig die Themen Controlling und Personal. Sie hat in Marburg Sprache und Kommunikation studiert. Neben ihrem Studium arbeitete Jasmin Rehne bereits als studentische Hilfskraft bei FINANCE.