Mehr als fünf Jahre CFO bei SLM Solutions, bald nicht mehr: Uwe Bögershausen will seinen Vertrag bei dem 3D-Druckerhersteller nicht verlängern.

SLM Solutions

02.11.18
CFO

SLM Solutions muss neuen CFO suchen

SLM Solutions braucht einen neuen Finanzchef. Uwe Bögershausen, CEO und CFO in Person, wird seinen im Sommer auslaufenden Vertrag nicht verlängern. Die dritte Gewinnwarnung in Folge macht die Suche für den 3D-Druckerhersteller nicht leichter.

SLM Solutions hat seine Aktionäre gestern Abend gleich mit zwei Hiobsbotschaften verschreckt: Der 3D-Druckerhersteller muss das dritte Jahr in Folge seine Umsatz- und Gewinnprognose kappen und sich außerdem noch nach einer neuen Führung umsehen.

Die Aktie brach daraufhin im Laufe des heutigen Vormittags um über 10 Prozent ein und markierte mit 13,50 Euro ein neues Allzeittief. Über den Jahreswechsel hatte sie mit knapp 49 Euro noch ein Allzeithoch erreicht.

Hiobsbotschaften schicken SLM-Aktien auf Allzeittief

Uwe Bögershausen ist seit fünf Jahren CFO von SLM

Wie das Unternehmen mitteilte, wird Uwe Bögershausen seinen im Sommer auslaufenden Vertrag „aus persönlichen Gründen“ nicht verlängern. Er wolle auf diese Weise nach über fünf Jahren im Vorstand einen Wandel einleiten. Als Finanzchef brachte Bögershausen SLM vor rund vier Jahren an die Börse und emittierte eine 100 Millionen Euro schwere Wandelanleihe. Er kam im September 2013 zu SLM Solutions und ist seit Januar 2017 in Personalunion auch noch Vorstandschef des Großmaschinenbauers.

Aufsichtsratschef Hans-Joachim Ihde dankte Bögershausen für seine Loyalität gegenüber dem Unternehmen. Bögershausen hatte Anfang vergangenen Jahres auch noch zusätzlich den Vorstandsvorsitz übernommen, weil SLM Solutions den damaligen Unternehmenschef Markus Rechlin abberufen hatte. Die damalige Unternehmenssituation war unübersichtlich, Bögershausen repräsentierte damals Kontinuität an der Unternehmensspitze. 

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Uwe Bögershausen, SLM Solutions Group AG

Nach dem Studium steigt Uwe Bögershausen 1999 als Berater bei der Wiesbadener Firma CSC Ploenzke ein, wo er auch in Kontakt mit Roland Berger kommt. Daraufhin wechselt er ein Jahr später als Projektmanager zu Roland Berger. 2006 steigt er bei dem Unternehmen Aleo Solar ein und begleitet erfolgreich den Börsengang des Solarproduzenten. Anschließend wird er zum CFO berufen.

Vier Jahre später wechselt Bögershausen als Geschäftsführer zum Fahrradhersteller Derby Cycle, der im Frühjahr 2011 an die Börse geht.  Auch hier wird Bögershausen nach dem Börsengang zum CFO berufen. Im Herbst 2011 wird Derby Cycle von dem niederländischen Wettbewerber Pon übernommen. Bögershausen wechselt 2013 als CFO zum 3D-Druckerspezialisten SLM Solutions und verantwortet die Ressorts Finanzen, Rechnungswesen, Controlling, Compliance, Recht, IT, Investor Relations, M&A und den After Sales Service. Zudem verantwortet er den Aufbau des Metallpulvergeschäfts. Im Januar 2017 übernimmt Bögershausen zusätzlich den CEO-Posten bei SLM Solutions. Im November 2018 kündigt er an, seinen Ende Juni 2019 auslaufenden Vertrag nicht zu verlängern. 

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SLM-Übernahme durch General Electric scheiterte

Zuvor war ein Übernahmeversuch des US-Konzerns General Electric gescheitert. Die von GE aufgerufene Bewertung von 680 Millionen Euro war dem Hedgefonds Elliott offenbar zu gering. Der Fonds von Paul Singer hatte sich während des laufenden Übernahmeangebots eingekauft und auf eine Anhebung des GE-Gebots spekuliert. General Electric ließ SLM daraufhin aber fallen und übernahm kurzerhand dessen deutschen Wettbewerber Concept Laser. Kunden, Mitarbeiter und Lieferanten von SLM Solutions blieben konsterniert zurück.

Die anschließende Geschäftsentwicklung von SLM wurde durch die M&A-Manöver von General Electric und Elliott nachhaltig belastet, wie die neuerliche Gewinnwarnung von gestern Abend verdeutlicht. Anstatt 115 bis 125 Millionen Euro Umsatz erwartet SLM für das laufende Geschäftsjahr nur noch 90 bis 100 Millionen Euro. Die Prognose zur operativen Gewinnmarge (Ebitda) kappte das Unternehmen von 11 bis 13 Prozent auf eine nicht genauer spezifizierte „einstellige“ Zahl. 

SLM Solutions bleibt weit hinter eigenen Zielen zurück

Beim Börsengang im Jahr 2014 hatte das Management 180 Millionen Euro eingesammelt und seinen Aktionären rasantes Wachstum versprochen. Die Umsätze sollten schnell anziehen, es stand zeitweise sogar die Marke von einer halben Milliarde Euro Umsatz im Raum.

Stattdessen kommt das Unternehmen kaum vom Fleck. Die nun für 2018 angepeilten 90 bis 100 Millionen Euro Umsatz sind nur unwesentlich mehr als die 2017 erzielten 82,5 Millionen Euro. Und auch dies war gegenüber dem Vorjahr 2016 schon kaum mehr als eine Umsatzstagnation. Der Kapitalmarkt hatte deutlich höhere Wachstumszahlen erwartet. Die von GE damals gebotenen 38 Euro pro Aktie entsprachen einem enorm hohen Ebitda-Multiple von 82x.  

Analysten kritisieren SLM Solutions scharf

„Gewinnwarnungen werden bei dem Unternehmen zur Regel."

Analysten von Equinet

Analysten wie etwa jene von Equinet verlieren nun erkennbar die Geduld. Equinet moniert, dass sich SLM unrealistische Ziele setze und Gewinnwarnungen bei dem Unternehmen inzwischen „zur Regel“ geworden seien. Tatsächlich musste SLM für die Jahre 2016, 2017 und 2018 seine Prognosen korrigieren. Equinet sieht den fairen Wert der Aktie nur noch bei 4 Euro. 

Hauck & Aufhäuser hingegen nennt immer noch ein Kursziel von 33 Euro – mehr als 100 Prozent über dem aktuellen Kurs. Zum Lager der Skeptiker gehört auch die Commerzbank, deren Analyst Adrian Pehl es für nötig hält, dass SLM nun die Konzernstrategie überprüft. 

Die Gewinnwarnungen verdeutlichen, dass SLM sehr stark von einzelnen Kunden abhängig ist. Stets wurden sie mit Abnahmeproblemen begründet. Da SLM große und vor allem teure Maschinen produziert, stellen Abnahmeverzögerungen einzelner Maschinen sofort die Jahresprognose in Frage. Zusätzlich schwieriger wird die Planung dadurch, dass die größte Branchenmesse erst im November und damit am Ende des Geschäftsjahres stattfindet.

„Die Überprüfung der Konzernstrategie ist notwendig."

Analyst der Commerzbank

Verworrene Aktionärsstruktur erschwert die Lage

Damit steht Bögershausens Nachfolger eine schwierige Aufgabe bevor, vor allem im Hinblick auf das verlorengegangene Investorenvertrauen. Neben den operativen und kommunikativen Problemen sorgt auch die Gesellschafterstruktur für Spannungen. Elliott ist mit 18,9 Prozent noch immer der größte Aktionär, dicht gefolgt von Firmengründer Hans-Joachim Ihde mit 16,8 Prozent.

Neben Elliott sind noch weitere Finanzinvestoren engagiert, die noch einmal andere Investmentphilosophien verfolgen: Der Mittelstandsinvestor DPE Deutsche Private Equity hält 4,7 Prozent, zwei Fonds der US-Tech-Investmentbank Oppenheimer zusammen 11 Prozent. Auch Bögershausen ist beteiligt. Er hält 0,13 Prozent, die einen Wert von rund 300.000 Euro haben.

Das Unternehmen hat sich nun offiziell auf die Suche nach einem neuen Vorstandsvorsitzenden gemacht. Die CFO-Rolle wird hingegen nicht erwähnt. Doch auch dieser Posten wird vakant, wenn Bögershausen spätestens im kommenden Sommer SLM Solutions verlassen wird. Aufsichtsratschef Ihde sagte dazu gegenüber FINANCE: „Der Aufsichtsrat hat die Suche nach einem CEO eingeleitet, der im Idealfall auch die Aufgaben des CFO mit übernehmen könnte. Uns ist bewusst, dass der Kapitalmarkt schnell Klarheit haben möchte.“

philipp.habdank[at]finance-magazin.de

Uwe Bögershausen hat SLM Solutions an die Börse gebracht. Erfahren Sie mehr über den Finanzchef auf seinem Profil bei FINANCE-Köpfe.