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05.01.18
CFO

Steinhoff tauscht CFO und Treasurer aus

Der langjährige Steinhoff-Finanzchef Ben la Grange räumt seinen Posten. Sein Nachfolger kommt ebenfalls aus dem von einem Bilanzskandal geplagten Möbelkonzern. In den Verhandlungen mit den Gläubigern dürfte aber bald ein anderer die Strippen ziehen.

Der Bilanzskandal um den südafrikanisch-deutschen Möbelriesen Steinhoff hat sein nächstes personelles Opfer gefordert. Ben la Grange tritt von seinem Amt als CFO zurück. Zugleich wird er auch nicht mehr Teil des Vorstands sein. Das gab Steinhoff im Zuge einer Pflichtmitteilung bekannt. Sein Nachfolger wird der langjährige Steinhoff-Manager Philip Dieperink.

Damit setzt sich das Wechselspiel an der Spitze des strauchelnden Möbelriesen fort: Anfang Dezember war bereits CEO Markus Jooste zurückgetreten, nachdem das MDax-Unternehmen Bilanzunregelmäßigkeiten eingestanden hatte. Im Zuge dessen hatte zunächst der damalige Aufsichtsratschef Christo Wiese die Konzernführung interimistisch übernommen. Er stellte den CEO-Posten aber wenige Tage später wieder zur Verfügung, nach dem er auf Druck der kreditgebenden Banken rund 100 Millionen Steinhoff-Aktien verkaufen musste. Als Nachfolger wurde Danie van der Merwe nominiert.

Ex-CFO la Grange soll Liquidität sicherstellen

Ex-CFO la Grange, während dessen Regentschaft die Bilanzunregelmäßigkeiten auftraten, hat jedoch weiterhin eine tragende Rolle innerhalb des Unternehmens inne. Er solle sich künftig auf die Sicherung der Liquidität des zweitgrößten Möbelherstellers der Welt konzentrieren, heißt es in der Mitteilung. Zwar habe sich das operative Geschäft etwas stabilisiert, erklärte Steinhoff. Der Konzern brauche aber „weiterhin in einigen Geschäftsbereichen kurzfristig beträchtliche Summen an flüssigen Mitteln“.

Außerdem soll la Grange dafür sorgen, dass der Jahresabschluss für das Geschäftsjahr 2017 (bis Ende September) möglichst schnell finalisiert wird. Bislang traut sich das Unternehmen keine Aussage zu, wann die geprüften Zahlen veröffentlicht werden. Erst am Dienstag hatte Steinhoff die Bilanzen einiger Tochtergesellschaften für 2015 zurückgezogen. Zuvor hatte der Möbelriese bereits eingeräumt, die Konzernzahlen für 2016 korrigieren zu müssen.  

Steinhoff sucht Chief Restructuring Officer

Um la Grange bei seiner Arbeit zu unterstützen und um einen Überblick über die finanzielle Situation beim weitverzweigten Steinhoff-Konzern zu erhalten, ist das Management aktuell auch auf der Suche nach einem Chief Restructuring Officer. Gesucht werde ein unabhängiger externer Umschuldungsexperte, erklärte Steinhoff.

Der CRO dürfte eine wichtige Rolle in den Verhandlungen mit den Steinhoff-Gläubigern spielen. Dazu gehören nicht nur Banken: FINANCE-Informationen zufolge organisieren sich zurzeit die Inhaber der 800 Millionen Euro schweren Anleihe. Auch auf Seiten der Schuldscheingläubiger, die 770 Millionen Euro im Feuer haben, gibt es Bestrebungen, die Interessen zu bündeln.

Die finanzielle Lage bei Steinhoff ist mehr als angespannt. Ein kurz vor Weihnachten veröffentlichter Bericht zeigt, dass der Konzern über 10 Milliarden Euro Schulden hat. Einige Banken drehten den Geldhahn zu, Kreditversicherer kürzten ihre Limite. In der vergangenen Woche senkte die Ratingagentur Moody's Steinhoffs Kreditwürdigkeit um drei Stufen auf Caa1.

Dieperink neuer CFO – Geldenhuys neuer Treasury-Chef

La Grange ist seit 2003 Teil des Unternehmens. Nachdem er zeitweise CFO der Konzern-Gesellschaften der südlichen Hemisphäre war, rückte er schließlich 2013 zum Finanzchef der Steinhoff-Gruppe auf. Sein Nachfolger Philip Dieperink hat laut Unternehmensangaben seit 2001 mehrere CFO-Positionen innerhalb des Steinhoff-Konzerns bekleidet. Er bleibt neben seiner neuen Position weiterhin CFO von Steinhoff UK.

Auch die Treasury-Abteilung von Steinhoff hat einen neuen Chef aus den eigenen Reihen: Johan Geldenhuys wird zukünftig das Treasury des Konzerns verantworten. Geldenhuys stieß 2010 zu Steinhoff, nachdem er 24 Jahre für die Absa Bank tätig war.

andreas.mehring[at]finance-magazin.de

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