Steinhoff International

02.01.18
Finanzabteilung

Steinhoff zieht weitere Bilanzen zurück

Der Bilanzskandal bei dem Möbelriesen Steinhoff weitet sich aus: Die Prüfer von PwC nehmen nun auch die Zahlen für 2015 unter die Lupe. Die Ratingagentur Moody’s schürt das Feuer noch weiter an.

Die Hiobsbotschaften für die Steinhoff-Investoren gehen weiter: Wie der Konzern am heutigen Dienstag mitteilte, müssen nun auch Bilanzen von Gesellschaften aus dem Jahr 2015 korrigiert werden. Gleichzeitig warnt der südafrikanisch-deutsche Möbelhersteller seine Investoren, Finanzberichte der betroffenen Einheiten aus den Jahren vor 2015 seien ebenfalls mit Vorsicht zu genießen. Sie müssten „wahrscheinlich“ ebenfalls angepasst werden. Welche Konsequenzen dies für die Bilanzen des Mutterkonzerns hat, ließ Steinhoff offen.

Mitte Dezember hatte der Möbelriese bereits seine Zahlen für das Geschäftsjahr 2016 (bis Ende September) zurückgezogen.  Kurz darauf kündigte der MDax-Konzern an, dass womöglich auch ältere Bilanzen von den Unregelmäßigkeiten betroffen sein könnten. Diese Befürchtung hat sich durch die Sonderprüfung der Forensikexperten von PwC nun bewahrheitet. Fraglich sei unter anderem die Bilanzierung des Eigentums bestimmter europäischer Töchter bis zum 1. April 2016, teilte Steinhoff mit.

Wann Steinhoff die korrigierten Zahlen vorlegen kann, ist noch unbekannt. Der Konzern hat sich zum Ziel gesetzt, die Bilanz der Mutter für 2017 gleichzeitig mit den angepassten Zahlen für 2016 vorzulegen. Ein Datum dafür bleibt Steinhoff bislang aber noch schuldig.

Moody’s senkt Bonität von Steinhoff auf Caa1

Wie dramatisch die Lage bei Steinhoff in Folge des Bilanzskandals ist, zeigte sich kurz vor Weihnachten: Der Konzern räumte ein, dass Gläubiger „zunehmend“ ihre Kreditlinien zurückziehen würden. Außerdem kürzen Kreditversicherer ihre Deckungen, und der Cash Pool wurde stillgelegt. Angesichts der angespannten Liquiditätslage appellierten die Steinhoff-Manager an die Kreditgeber, man benötige weiter Unterstützung, „um den Wert für alle Stakeholder zu erhalten“.

Die Ratingagentur Moody's reagierte kurz vor Silvester mit einem massiven Downgrade: Die US-Amerikaner senkten Steinhoffs Bonität um drei Stufen auf Caa1 und prüfen zudem eine weitere Herabstufung. Sorgen bereiten dem Möbelriesen vor allem die hohen kurzfristigen Fälligkeiten: Laut Moody's muss Steinhoff allein 2018 Finanzverbindlichkeiten in Höhe von rund 1,5 Milliarden Euro zurückzahlen.

Die weitverzweigte und unübersichtliche Steinhoff-Gruppe hat insgesamt eine Finanzverschuldung von 10,7 Milliarden Euro. Neben den Banken gehören Anleihe- und Schuldscheininhaber zu den wichtigsten Gläubigern des Konzerns. Sie haben bei den europäischen Tochtergesellschaften von Steinhoff über 4 Milliarden Euro im Feuer.

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