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Keine Vertragsverlängerung für Teamviewer-CFO

Stefan Gaiser verlässt Teamviewer. Der CFO beendet seinen bis August 2022 laufenden Vertrag. Foto: Teamviewer

CFO Stefan Gaiser verlässt das MDax-Unternehmen Teamviewer. Nach mehr als vier Jahren beim Softwareanbieter aus Göppingen in Baden-Württemberg wird der Finanzchef seinen im August 2022 auslaufenden Vertrag nicht verlängern. Der Aufsichtsrat sei derzeit auf der Suche nach einem Nachfolger, teilte der MDax-Konzern mit.

In der Abschiedsmitteilung dankt Teamviewer seinem CFO ausdrücklich für die erbrachte Arbeit. „Wir schätzen es sehr, dass er eine reibungslose Übergabe an einen Nachfolger unterstützt und wünschen ihm für seine persönliche und berufliche Zukunft alles Gute“, wird Aufsichtsratschef Abraham Peled zitiert. Gegenüber FINANCE gibt Teamviewer an, das auch familiäre Gründe bei Gaisers Abschied eine Rolle spielen.

Stefan Gaiser verantwortet IPO

Somit endet das Kapitel Teamviewer für Finanzchef Gaiser in wenigen Monaten. Der 47-Jährige kam im November 2017 zu den Schwaben und arrangierte im September 2019 den IPO des Softwareunternehmens an der Frankfurter Börse.

Der Börsengang spülte 2,2 Milliarden Euro in die Kassen, damals noch vorwiegend in jene des Private-Equity-Investors Permira. Der britische Finanzinvestor war 2014 mit 870 Millionen Euro bei Teamviewer eingestiegen.

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Den Einsatz konnte Permira im Laufe der Jahre vervielfachen, bis Februar 2021 verdiente das PE-Haus rund 5,5 Milliarden Euro mit seinem Teamviewer-Investment. Denn auch nach dem IPO behielt der Investor zunächst einen Anteil von 58 Prozent an dem Softwareunternehmen, reduzierte diesen aber nach und nach auf zuletzt rund 20 Prozent.

Stefan Gaiser verdiente 36 Millionen Euro

Nach dem erfolgreichen IPO ging es für Teamviewer unter Gaisers Ägide zunächst weiter steil bergauf. Bei einem Kurs von 24 Euro gestartet, verlieh die Coronakrise dem Anbieter von Fernwartungssoftware einen Schub. Den bisherigen Höchststand erreichten die Teamviewer-Papiere im Sommer 2020 mit über 50 Euro je Aktie.

CFO-Profil

Stefan Gaiser

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TeamViewer AG

Durch die gute Kursentwicklung verdiente Finanzchef Gaiser auskömmlich, wie es bei Private-Equity-geführten Konzernen üblich ist. Seit zwei Jahren führt der Teamviewer-Finanzchef die FINANCE-Gehaltsliste der MDax-CFOs an. So belief sich seine Gesamtvergütung im Jahr 2020 auf stolze 36 Millionen Euro, im Jahr davor waren es 20 Millionen Euro.

CFO Gaiser hat die lange Zeit gute Entwicklung von Teamviewer maßgeblich geprägt. Nach dem IPO nahm er sich etwa die Finanzierungsstruktur des Unternehmens vor und passte diese dem neuen Status als MDax-Konzern an. Beispielsweise erhöhte er eine revolvierende Kreditfazilität im vergangenen Sommer von 35 auf 150 Millionen Euro und reduzierte verschiedene Kredite in mehreren Währungen.

Auch die Verschuldung von Teamviewer im Verhältnis zum Gewinn konnte Gaiser drastisch reduzieren: So schaffte er es den Nettoverschuldungsgrad in Höhe des 7- bis 8-fachen des operativen Gewinns vor Abschreibungen (Ebitda) bis Ende Juni 2021 auf 1,5x Ebitda zu senken.

Zuletzt stemmte der Finanzchef mit seinen Vorstandskollegen noch zwei große M&A-Deals: Teamviewer kaufte im vergangenen Jahr den Bremer Datenbrillenexperten Ubimax für 137 Millionen Euro. Zudem haben die Göppinger im März dieses Jahres den Augmented-Reality-Spezialisten Upskill für knapp 9,4 Millionen Euro erworben.

Teamviewer enttäuscht Investoren

Doch die Erfolgsstory Gaiser/Teamviewer hat in den vergangenen Monaten Kratzer bekommen. Im Halbjahresbericht bilanzierte Teamviewer zwar noch eine Umsatzsteigerung auf 241,2 Millionen Euro von 217,4 Millionen Euro in der Vorjahresperiode. Doch in den vorläufigen Quartalszahlen für die ersten neun Monate 2021 musste Teamviewer seine Prognosen schon zum zweiten Mal im Jahresverlauf kassieren.

Bei den fakturierten Umsätzen („Billings“) rechnet der MDax-Konzern für das laufende Geschäftsjahr nur noch mit maximal 555 Millionen Euro (vorher 605 Millionen Euro). Die bereinigte Ebitda-Marge soll zwischen 44 und 46 Prozent liegen, statt zuvor zwischen 49 und 51 Prozent. Die Aktionäre quittierten die schwache Performance, die Teamviewer-Aktie notiert derzeit unter 14 Euro und damit auf einem Allzeittief.

Teamviewer-Management in der Kritik

Zuletzt sind deshalb CFO Gaiser und CEO Oliver Steil in die Kritik geraten. Vor allem Gaiser werden teure Sportsponsoringverträge angelastet, allen voran eine 275 Millionen Euro Vereinbarung mit dem Fußballklub Manchester United, wie die Analysten von Warburg schreiben.

Diese Lesart wird scheinbar dadurch gestützt, dass Konzernchef Steil bei Teamviewer bis 2024 verlängert hat, wie das Unternehmen ebenfalls am Wochenende bekanntgab, während Finanzchef Gaiser seine Koffer packt. Neben einem neuen CFO sucht Teamviewer jetzt auch einen Vertriebschef, durch den der Vorstand von drei auf vier Personen anwachsen soll. Mit dem Umbau des Managements wolle man das Vertrauen der Investoren zurückgewinnen, heißt es seitens Teamviewer.

jan.schuermann[at]finance-magazin.de

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Jan Schuermann ist Redakteur bei FINANCE und beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit dem Thema Gehalt in der Corporate-Finance-Welt. Er hat in Köln Geschichte, Deutsch und North American Studies studiert. Während eines Auslandsaufenthalt an der UC Berkeley hat er zeitweise für den Daily Californian gearbeitet. Bevor Jan Schuermann zum Fachverlag F.A.Z Business Media gestoßen ist, war er für die Nachrichtenagentur Thomson Reuters im polnischen Danzig tätig.