Der Automobilzulieferer STS Group verkleinert seinen Vorstand. Der ehemalige Schaeffler-CFO Ulrich Hauck, der vor etwas mehr als einem Jahr den CFO-Posten übernommen hatte, hat seinen Job abgegeben.

Schaeffler

23.06.20
CFO

Ulrich Hauck gibt CFO-Posten bei STS ab

Seit etwas mehr als einem Jahr verantwortet der ehemalige Schaeffler-CFO Ulrich Hauck das Finanzressort bei dem Automobilzulieferer STS. Nun gibt er den Posten ab. Doch das ist längst nicht die einzige Veränderung.

Zum 20. Juni hat Ulrich Hauck seinen CFO-Posten bei der Mutares-Tochter STS Group niedergelegt. Das teilte das Unternehmen am gestrigen Montag mit. Der ehemalige Schaeffler-CFO hatte den Vorstandsposten bei dem Zulieferer im April 2019 angetreten. Hauck habe das Ressort in einer „schwierigen Phase“ übernommen und die Gruppe „professionell durch das sehr herausfordernde Corona-Umfeld“ geführt, teilte das Unternehmen mit.

Der Automobilzulieferer ist durch die Coronavirus-Krise hart getroffen worden. Das Unternehmen hatte im Mai deshalb ein „umfangreiches Kostensenkungsprogramm“ beschlossen. Aufgrund der Umsatzeinbußen werde die Gruppe „weitreichende strukturelle Änderungen der administrativen Funktionen“ vornehmen. Ein Großteil der Beschäftigungsverhältnisse soll deshalb betriebsbedingt beendet werden.

CFO Hauck weiterhin für Mutares tätig

Dazu zählt auch eine Verkleinerung des Vorstands: Neben Finanzchef Hauck ist bereits der Produktionsvorstand Patrick Oschust Ende Mai aus dem Vorstand ausgeschieden. Aufgrund des „verkleinerten Geschäftsumfangs, der damit verbundenen Kostensenkungserfordernisse und der neuen dezentraleren Ausrichtung wird zunächst kein Nachfolger für die beiden ausgeschiedenen Vorstände bestellt“, teilt das Unternehmen mit. CEO Andreas Becker ist bis aus weiteres Alleinvorstand.

Auch im Aufsichtsrat von STS gibt es Veränderungen. Robin Laik, Vorsitzender des Aufsichtsrats und CEO bei Mutares, und Kristian Schleede, stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrats und CRO bei Mutares, haben ihre Mandate ebenfalls niedergelegt. Sie fokussieren sich stärker auf ihre Aufgaben bei Mutares.

Für die Beteiligungsgesellschaft, die in Unternehmen in Turnaround-Situationen investiert, wird auch der bisherige Finanzchef Hauck als Senior Advisor und im Rahmen von Aufsichtsratstätigkeiten weiterhin tätig sein. Für Laik und Schleede hat STS bereits die gerichtliche Bestellung von zwei neuen Vertretern bis zur nächsten Wahl auf der Hauptversammlung im Juli beantragt.

FINANCE-Köpfe

Dr. Ulrich Hauck, STS Group AG

1990 steigt Ulrich Hauck bei Deloitte ein, wo er als Steuerberater und Wirtschaftsprüfer tätig ist. Nach acht Jahren bei der Wirtschaftsprüfung wechselt Hauck zum Automotive- und Rüstungskonzern Rheinmetall. Dort leitet er bis 2003 die Bereiche Konzernrechnungslegung und Bilanzen.

Anschließend wird Hauck Leiter der Ressorts weltweites Rechnungswesen und Controlling beim Pharmariesen Bayer, ehe er im April 2015 den zum Vorstandschef aufgestiegenen Klaus Rosenfeld als CFO bei Schaeffler beerbt. Im Mai 2017 kündigt Hauck an, seinen bis März 2018 laufenden CFO-Vertrag nicht verlängern zu wollen. Er verlässt das Unternehmen zum 1. August 2017. Ab dem 1. April 2019 wird er den CFO-Posten bei dem Automobilzulieferer STS übernehmen. Im Juni 2020 gibt er diesen Posten wieder ab. Aufgrund des durch die Corona-Pandemie verkleinerten Geschäftsumfangs besetzt STS die Position nicht nach und verkleinert den Vorstand.

zum Profil

STS-Aktie seit Börsengang auf Abwärtskurs

STS war im Sommer 2018 an die Börse gegangen. Die Aktie des Unternehmens kannte seitdem in der Tendenz allerdings nur den Weg nach unten. Zu Beginn notierte sie bei rund 24 Euro, am gestrigen Montagnachmittag waren es um die 2,60 Euro. Am Montagmorgen waren es noch etwa 3 Euro. Als Teil des Kostensenkungsprogramms hatte STS im Mai bereits verkündet, aus dem Prime in den General Standard zu wechseln.

Im ersten Quartal musste das Unternehmen aufgrund der Pandemie und schwachen Automotive-Märkten in Europa einen Umsatzrückgang um 22 Prozent auf rund 74 Millionen Euro hinnehmen. Der bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sank auf minus 1,2 Millionen Euro. Im ersten Quartal des Vorjahres stand noch ein Plus von 4,3 Millionen Euro zu Buche. CEO Becker hatte bei der Verkündung der Quartalszahlen zudem angekündigt, die finanziellen Auswirkungen der Pandemie-bedingten Werksschließungen würden im zweiten Quartal noch spürbarer werden.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de