Seit Februar ist Thomas Winkelmann CEO von Air Berlin. Seine Vergütungsansprüche hat die Airline über eine Bankgarantie abgesichert.

Jens Oellermann/Air Berlin

05.05.17
CFO

Air Berlin sichert Gehalt von CEO Winkelmann ab

Für Air Berlin war es offenbar schwierig, einen neuen CEO zu finden. Um Thomas Winkelmann zu gewinnen, musste der Vergütungsausschuss seinen Ermessensspielraum ausreizen – und Winkelmann eine Bankgarantie geben.

Für Air Berlin wird die Luft dünner, und das erfordert offenbar auch bei der Vergütung des Managements ungewohnte Maßnahmen: Um den Wunsch-CEO Thomas Winkelmann von der Lufthansa loszueisen, musste der Vergütungsausschuss nach eigener Aussage seinen Ermessensspielraum ausnutzen, „um angesichts der außergewöhnlichen und unerwarteten Umstände für ihn ein angemessenes Vergütungspaket aufzusetzen“, wie es im Geschäftsbericht der Airline heißt. Winkelmann ist seit Februar Chef der schwer angeschlagenen Air Berlin.

Winkelmanns Vergütungspaket weicht von der Vergütungsrichtlinie ab. Er erhält eine Einmalzahlung von 300.000 Euro, um entgangene Pensionsansprüche auszugleichen. Zudem erhält Winkelmann ein jährliches Bruttogehalt von 950.000 Euro. Derselbe Betrag kann durch eine variable Vergütungen noch einmal hinzukommen. Für 2017 hat der neue Chef bereits Anspruch auf einen einmaligen Mindestbonus von 400.000 Euro, der im Januar 2018 gezahlt und auf alle anderen während der Beschäftigung zu zahlenden Jahresboni angerechnet wird.

Air Berlin zahlt Ex-CEO Pichler 1,45 Millionen Euro Abfindung

Angesichts der horrenden Verluste und der drückenden Schuldenlast von weit über 1 Milliarde Euro ist unklar, wie lange Air Berlin noch liquide bleibt. Winkelmanns Bezüge sind allerdings langfristig abgesichert. Sein Vertrag läuft bis 2021 und kann frühestens Ende Januar 2019 gekündigt werden. Air Berlins Zahlungsverpflichtungen gegenüber dem CEO können sich bis Ende Januar 2021 auf maximal 4,5 Millionen Euro summieren. Diesen Betrag hat das Unternehmen über eine Bankgarantie abgesichert. Damit wäre eine etwaige Abfindung Winkelmanns wohl auch im Insolvenzfall vor dem Zugriff der Gläubiger des Konzerns geschützt.  

Teuer war für Air Berlin auch der Abschied von Ex-CEO Stefan Pichler, wie sich jetzt zeigt: Ihm zahlte Air Berlin eine Gesamtabfindung von 1,45 Millionen Euro.

Lufthansa äußert offen Interesse an Air Berlin

Mit seiner Sanierungsstrategie findet der neue CEO Winkelmann in der Branche Anklang. Lobende Worte kamen heute von Carsten Spohr. Am Rande der Hauptversammlung seines Konzerns sagte der Lufthansa-Chef, Winkelmann habe bereits die richtigen Stellschrauben zur Kostenreduzierung genannt – weniger Ausgaben für Flugzeugleasing und geringere Gebühren für externe Vertriebspartner.

Die Lufthansa zeigt inzwischen recht offen ihr Interesse an einer Übernahme des schwächelnden Konkurrenten, der in die Lufthansa-Billigfliegersparte Eurowings integriert werden könnte. Mögliche kartellrechtliche Probleme bei einer Übernahme seien lösbar, sagte Spohr.

Das Schuldenproblem des Wettbewerbers will die Lufthansa allerdings nicht lösen – Spohr sieht den Air-Berlin-Großinvestor Etihad in der Pflicht. Der Großaktionär aus Abu Dhabi hat Air Berlin in der Vergangenheit regelmäßig finanziell unter die Arme gegriffen und steht für einen großen Teil der Air-Berlin-Verbindlichkeiten ein. Erst Ende April hat Etihad Air Berlin ein weiteres Darlehen gewährt.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

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