Air Berlin hat sich Neil Mills als Chief Transformation Officer in den Vorstand geholt.

Air Berlin/Jens Oellermann

04.04.17
CFO

Air Berlin baut Unternehmensspitze um

Im Vorstand von Air Berlin kehrt keine Ruhe ein: Nachdem die Airline kurz hintereinander den CEO und CFO ausgewechselt hat, schafft sie nun ein neues Vorstandsressort. Neil Mills soll als Chief Transformation Officer die Sanierung der Krisenairline koordinieren.

Die Krisenairline Air Berlin baut im Zuge ihrer Neuausrichtung den Vorstand um und schafft ein neues Ressort. Neil Mills, bisher Chief Strategy & Planning Officer, soll den Posten des Chief Transformation Officers übernehmen. In dem neuen Ressort will die Fluggesellschaft „sämtliche Aktivitäten zur Stärkung der Gesamtperformance“ bündeln, lautet die unpräzise Beschreibung. Angesichts der extrem schwachen Performance der Airline kann es bei Mills‘ Aufgaben im Kern eigentlich nur um die Sanierung des Konzerns gehen.

Mills ist seit einem Jahr bei Air Berlin. Er begann seine Karriere 1997 bei Easyjet, 2009 wurde er CFO bei Fly Dubai. Anschließend wurde er Chef der indischen Airline Spicejet. Erfahrung mit der Neuausrichtung von Fluggesellschaften konnte er bei der Philippine Airlines Group sammeln, wo er als Chief Executive Advisor nach Angaben von Air Berlin den Turnaround verantwortete.

Air Berlin kommt nicht aus den roten Zahlen raus

Air Berlin – ohne die fortdauernden Finanzspritzen des Großaktionärs Etihad vermutlich nicht überlebensfähig – befindet sich gerade mitten in einem Restrukturierungsprozess, um endlich aus den roten Zahlen herauszukommen. Das Unternehmen hat sich verschlankt und konzentriert sich auf die Drehkreuze Berlin und Düsseldorf sowie den Metropolenverkehr in Europa. 25 Air-Berlin-Flugzeuge wurden an die Lufthansa und die Lufthansa-Töchter Eurowings und Austrian vermietet. Ferienflugstrecken wurden an die ehemalige Tochter Niki abgegeben.

Die neuen Maßnahmen lassen das Kerngeschäft von Air Berlin schrumpfen. Neil Mills soll nun sämtliche Prozesse auf mehr Effizienz und Produktivität trimmen, verlangt der neue Air-Berlin-CEO Thomas Winkelmann von ihm.

Wie kritisch die Geldgeber inzwischen auf Air Berlin schauen, zeigte sich erst vor wenigen Wochen bei dem missglückten Versuch, die Investoren von einem Umtauschangebot für die 140 Millionen Euro schwere Wandelanleihe zu überzeugen. Lediglich 41,3 Millionen Euro wurden der Airline zum Tausch angeboten, 40 Millionen Euro davon entfielen auf Etihad. Der Großaktionär steht inzwischen direkt und indirekt als Garant hinter einem Großteil der Finanzschulden von mehr als 1,2 Milliarden Euro. 

Air-Berlin-Krise zeigt sich auch im Vorstand

Die Vorstandsspitze wird bereits seit einiger Zeit umgebaut. Thomas Winkelmann ist seit Februar dieses Jahres CEO, sein Vorgänger Stefan Pichler hatte das Unternehmen Ende Januar verlassen. Im September vergangenen Jahres verließ CFO Arnd Schwierholz die Airline und wechselte zum Fernbusunternehmen Flixbus. Seitdem ist Dimitri Courtelis Finanzchef bei Air Berlin.

Zuvor war Ulf Hüttmeyer viele Jahre CFO bei Air Berlin, im Herbst 2014 übernahm er Zusatzaufgaben bei Etihad und wechselte kurze Zeit später komplett an den Persischen Golf. Aus dem Spitzengremium von Air Berlin ist nur die Personalchefin Martina Niemann länger als anderthalb Jahre an Bord.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

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