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Managervergütung: IDW kontert SPD-Vorstoß

Bei VW wird die Managervergütung künftig gedeckelt. Auch bei weiteren Unternehmen pochen Aktionäre auf Veränderungen.
Volkswagen AG

Die Debatte um die Vergütung von Top-Managern wird so erbittert geführt wie seit langem nicht. Unter dem Druck der Öffentlichkeit hat am Wochenende auch VW beschlossen, die Managervergütung zu deckeln. Das Einkommen für CEO Matthias Müller und seine späteren Nachfolger soll von 2017 an maximal 10 Millionen Euro betragen, weitere Vorstandsmitglieder erhalten maximal 5,5 Millionen Euro. Ein großer Kritikpunkt ist geblieben: Die ebenfalls als zu großzügig kritisierten Regelungen zur Altersversorgung und zu Abfindungen bleiben vorerst unverändert.

Angesichts des Wirbels um VW und weitere Unternehmen ist es kein Wunder, dass die Managervergütung zum Wahlkampfthema geworden ist. Doch mit dem Vorschlag der SPD, die Managervergütung künftig neu zu regeln, geht das Institut der Wirtschaftsprüfer (IDW) hart ins Gericht. SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz hatte diese Forderung vor wenigen Tagen in die Öffentlichkeit getragen. In einem offenen Brief an den Vorsitzenden der SPD-Bundestagsfraktion, Thomas Oppermann, schreibt IDW-Vorstandssprecher Klaus-Peter Naumann, die Vorschläge basierten auf „inhaltlich unbegründeten“ Annahmen.

Die SPD hat unter anderem vorgeschlagen, dass Unternehmen Vorstandsbezüge künftig nur noch bis maximal 500.000 Euro jährlich von der Steuer absetzen dürfen. Dadurch, dass nur noch ein kleiner Teil von hohen Managergehältern von der Steuer abgezogen werden kann, soll die Gesamtheit der Steuerzahler von einer Mitfinanzierung der hohen Gehälter entlastet werden. Laut IDW ist diese Annahme allerdings unbegründet. Schließlich  müssten die gut verdienenden Manager auf ihre Gehälter Einkommensteuer zahlen – in der Regel zum Spitzensteuersatz.

IDW kritisiert doppelte Besteuerung der Managervergütung

Aufgrund der hohen Einkommensteuersätze sei „davon auszugehen, dass die Unternehmensvorstände durch die Spitzenbesteuerung mit einem Steuersatz von derzeit 45 Prozent mehr belastet werden, als dass Unternehmen durch die steuerliche Abzugsfähigkeit der Vergütungen entlastet werden“, rechnet das IDW vor. Könnte ein Unternehmen künftig nur noch einen Teil der Managervergütung steuerlich absetzen, würde der darüber liegende Betrag zudem doppelt besteuert – einmal beim Manager, einmal beim Unternehmen. Für Unternehmen wäre das eine schlechte Nachricht, damit käme auf sie eine höhere Steuerbelastung zu.

Der SPD-Vorstoß sieht auch vor, dass der Aufsichtsrat bei schlechten Leistungen der Vorstände die Bezüge künftig leichter herabsetzen oder Ruhegehälter zurückfordern kann. Bislang liegt dies im Ermessen des Aufsichtsrats. Künftig will die SPD Voraussetzungen definieren, bei deren Eintritt der Aufsichtsrat die Bezüge verpflichtend mindern muss. Für das IDW ist dies „im Einzelfall kontraproduktiv“, weil der Aufsichtsrat dann nicht mehr abwägen könne, ob ein Eingriff in die Managervergütung tatsächlich im Interesse des Unternehmens sei.

Aktionäre wollen bei Managervergütung stärker mitreden

Allerdings wächst in weiten Teilen der Bevölkerung – und auch bei manchen Kapitalmarktteilnehmern – derzeit die Ansicht, dass die Aufsichtsräte in vielen Fällen zu nachsichtig sind: Der Ruf nach einer Begrenzung der Managervergütung wird lauter – nicht zuletzt befeuert durch den Ausstieg der VW-Managerin Christine Hohmann-Dennhardt, die für 13 Monate im Amt eine Abfindung von 12,5 Millionen Euro erhalten soll. Der Generikahersteller Stada ist wegen exzessiver Managergehälter sogar ins Visier aktivistischer Investoren geraten. Stada hat mittlerweile angekündigt, sein Vergütungssystem überarbeiten zu wollen. Die Aktionärskampagne scheint jetzt auf einen Verkauf des Unternehmens hinauszulaufen . 

Gegenüber dem „Handelsblatt“ haben bereits große Fonds wie Henderson, Aberdeen, Standard Life, Hermes, Union Investment und Deka angekündigt, gegen überhöht scheinende Gehälter stärker vorgehen zu wollen. 

Deka plant seit längerem härtere Gangart

Trotzdem lehnen auch einige der institutionellen Investoren die Vorschläge der SPD ab. Dem „Handelsblatt“ zufolge lehne die Deka die Vorgaben ab, da sie den Realitäten in den Unternehmen nicht gerecht würden. Stillhalten will die Fondsgesellschaft aber nicht. Künftig werde man gegenüber schwachen oder überbezahlten Managements eine viel härtere Gangart einlegen, hatte Deka-Manager Michael Schmidt vor zwei Wochen bei FINANCE-TV gesagt.

Auch der SPD-Vorschlag, dass die Hauptversammlung ein Maximalverhältnis der Vorstandsvergütung zum Durchschnittsgehalt sämtlicher Unternehmensmitarbeiter festlegen solle, stößt dem „Handelsblatt“-Bericht zufolge nicht auf Gegenliebe: Bei Union Investment ist man demnach der Meinung, dass die Verantwortung für die Vergütung beim Aufsichtsrat bleiben müsse.

Info

Hintergründe zum aktuellen Stand der Debatte und Regelungen aus einzelnen Unternehmen finden Sie auf unserer Themenseite Managervergütung.

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