Stada ändert seine Vorstandsvergütung: Variable Bestandteile sollen mehr Gewicht bekommen.

STADA Arzneimittel AG

23.01.17
CFO

Stada ändert Vorstandsvergütung

Der Arzneimittelkonzern Stada steht seit Jahren wegen seiner Gehaltspolitik in der Kritik. Nun ändert der Konzern seine Vorstandsvergütung – zum zweiten Mal in zwei Jahren.

Vorstände verdienen in aller Regel nicht schlecht, doch die Vergütungsstruktur des Arzneimittelkonzerns Stada war häufig eine Liga für sich. Das führte zu Gehaltskapriolen, die den Aktionären nur schwer zu vermitteln waren. Beispiel 2014: Obwohl der Umsatz von Stada nur unwesentlich gegenüber dem Vorjahr gestiegen war, konnte sich der damalige CEO Hartmut Retzlaff über eine Gehaltsverdoppelung auf gut 7 Millionen Euro freuen, davon fast 5 Millionen Euro in variablen Gehaltsbestandteilen.

Zudem häufte Retzlaff über die Jahre ein Pensionspaket im Volumen eines zweistelligen Millionenbetrags an. Der Unmut über die Gehaltsexzesse trug dazu bei, dass im vergangenen Jahr der aktivistische Aktionär AOC bei Stada einstieg und die Konzernführung zu Fall zu bringen versuchte.

Nun hat Stada Konsequenzen angekündigt: Der Aufsichtsrat, der im vergangenen August nach einer turbulenten Sitzung neu besetzt wurde, hat heute die Grundzüge eines neuen Systems zur Vorstandsvergütung vorgestellt, das  die auf der Hauptversammlung 2016 geäußerte Kritik aufgreifen soll. Die Personalberatung Kienbaum Consultants hat an der Reform mitgearbeitet. 

Stada will Vergütung stärker am Kapitalmarkt ausrichten

Zu den Eckpunkten des neuen Systems, nach dem künftig auch CEO Matthias Wiedenfels und CFO Helmut Kraft vergütet werden, zählt ein „Augenmerk auf Marktüblichkeit und Wettbewerbsfähigkeit“. Zudem soll die Vergütung stärker an der Entwicklung des Unternehmens am Kapitalmarkt ausgerichtet werden – beispielsweise durch die Einbeziehung spezifischer Kennziffern wie dem Return on Capital Employed (ROCE) sowie durch eine Erweiterung der Aktienvergleichsgruppe um verschiedene Unternehmen aus der Pharmabranche.

Grundsätzlich möchte das Unternehmen den Anteil der variablen Vergütung erhöhen. Allerdings wird es sich offenbar auch zusätzliche Möglichkeit eröffnen, Boni nachträglich zurückzufordern: Die Regeln zur Einbehaltung oder Rückforderung variabler Vergütungsbestandteile, sogenannte „Holdback“- und „Clawback“-Klauseln, seien ebenfalls weiterentwickelt worden, teilte Stada mit. 

Stada änderte Vergütungsstruktur bereits 2016

Die nun angekündigte neue Vergütungsstruktur ist die zweite Änderung in nur zwei Jahren. Bereits 2016 wollte Stada, damals gemeinsam mit Ernst & Young, die Gehaltsentwicklung stärker an die kurz- und langfristige Entwicklung des Unternehmens knüpfen. Die erfolgsabhängige Vergütung wird seitdem anhand des bereinigten Konzerngewinns bemessen, Abweichungen des erreichten Ergebnisses von der Zielvorgabe wirken sich direkt auf die Vorstandsvergütung aus.

Die variable Vergütung setzt sich nach dem 2016 eingeführten System je zur Hälfte aus einem Jahresbonus und einem mehrjährigen Teil zusammen. Die Zielbeträge definiert der Aufsichtsrat für jeden Vorstand einzeln – bei einhundertprozentiger Erreichung der Ziele war dies „grundsätzlich“ das Festgehalt.

Deutliche Abweichungen sind bislang allerdings möglich: Würde die Zielvorgabe um 25 Prozentpunkte oder mehr unterschritten, entfiele die erfolgsabhängige Vergütung, bei Überschreiten der Vorgabe um mehr als 20 Prozent stiege sie auf 180 Prozent des persönlichen Zielbetrags.

Stada bekommt neuen Produktionsvorstand

Wie die jetzt vorgestellte neue Vergütungsstruktur im Detail aussehen soll, will Stada am 8. Juni auf der Hauptversammlung vorstellen. Dort dürften die kritisch gewordenen Aktionäre auch darauf achten, dass  im gleichen Atemzug mit den neuen Bonusregeln das Fixgehalt der Vorstände nicht über Gebühr steigt. Dies ist ein beliebter Trick, um die Unwägbarkeiten variabler Bezüge im Vorhinein abzufangen. Manche Großbank machte ihn sich zunutze, als auf Druck der Aktionäre die Boni vieler Spitzenbanker beschnitten wurden.

Neben dem neuen Vergütungssystem gab Stada heute auch eine Personalie bekannt: Künftig hat der Vorstand wieder ein eigenes Mitglied für die Bereiche Produktion, Forschung und Entwicklung, Biotechnologie sowie Qualitätssicherung und –kontrolle. Barthold Piening wird das Amt spätestens zum 1. Juli dieses Jahres übernehmen. Bislang teilen sich diese Ressorts kommissarisch CEO Wiedenfels sowie CFO Kraft.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

Einen ausführlichen Bericht über die Attacken der Aktivisten im vergangenen Sommer finden Sie im FINANCE-Magazin Juli/August 2016. Aktuelle Informationen über die Entwicklungen bei dem Bad Vilbeler Arzneimittelhersteller lesen Sie auf unsere Themenseite zu Stada. Informationen zum beruflichen Werdegang des CFOs gibt es im FINANCE-Steckbrief zu Helmut Kraft. 

Hintergründe zum aktuellen Stand der Debatte um die Vorstandsgehälter finden Sie auf unserer Themenseite Managervergütung.