Hochtief-CFO Peter Sassenfeld hat die Abertis-Übernahme eingefädelt. Zuvor hatte er die finanziellen Weichen für den M&A-Deal gestellt.

Hochtief/Montage: FINANCE

05.06.18
CFO

CFO des Monats: Peter Sassenfeld

Der Baukonzern Hochtief darf den spanischen Autobahnbauer Abertis übernehmen. CFO Peter Sassenfeld hat für den Mega-Deal die finanziellen Weichen gestellt.

Die vergangenen Monate dürften für Peter Sassenfeld zu den ereignisreichsten seiner CFO-Karriere zählen. Denn der Hochtief-Finanzchef hat für den Baukonzern die komplizierte Übernahme des spanischen Autobahnbetreibers Abertis eingefädelt. Der Kaufpreis exklusive Schulden liegt bei gut 18 Milliarden Euro.

Die Verhandlungen liefen nicht gerade auf der Überholspur ab. So hatte sich für Hochtief zunächst ein Wettbieten mit dem italienischen Konkurrenten Atlantia abgezeichnet, der ebenfalls ein milliardenschweres Angebot für Abertis unterbreitet hatte. CFO Sassenfeld und seine Vorstandskollegen gingen einem solchen teuren Wettstreit jedoch geschickt aus dem Weg – sie bildeten stattdessen eine Allianz mit dem italienischen Konkurrenten.

Hochtief stemmt komplexen Abertis-Kauf

Das macht die Deal-Struktur aber nicht minder komplex. Das Kaufobjekt Abertis wird nach dem Closing in ein Gemeinschaftsunternehmen eingebracht. An diesem hält die spanische Hochtief-Mutter ACS dann 30 Prozent, Hochtief selber fast 20 Prozent.

M&A-Partner Atlantia erhält entsprechend 50 Prozent plus eine Aktie an Abertis. Dafür müssen die Italiener aber den milliardenschweren Schuldenberg der Spanier in ihrer Bilanz verbuchen. Speziell dieser Punkt dürfte CFO Sassenfeld wichtig gewesen sein, um das Investmentgrade-Rating des Essener Hochtief-Konzerns nicht zu gefährden. Im Gegenzug erhält Atlantia wiederum 24 Prozent der Anteile an Hochtief, wodurch sich die Beteiligung von ACS auf etwas mehr als 50 Prozent reduziert. Sassenfeld hat es also künftig mit einem weiteren Großaktionär zu tun.

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Peter Sassenfeld, Hochtief AG

Peter Sassenfeld beginnt seine Karriere bei Mannesmann, wo er verschiedene Führungspositionen in den Bereichen Maschinenbau, Stahlhandel und Telekommunikation im In- und Ausland bekleidet. Danach wechselt er zu Bayer und verantwortet dort die globalen M&A-Aktivitäten des Pharma- und Chemiekonzerns.

Im Jahr 2005 geht Sassenfeld zur Kraus Maffei Group, bei der er im Jahr 2007 zum CFO der Holding Krauss Maffei AG ernannt wird. Drei Jahre später übernimmt er den Finanzbereich des Anlagenbauers Ferrostaal. Dort bleibt er nur ein gutes Jahr. Zum 1. November 2011 wird er zum CFO des Baukonzerns Hochtief berufen, wo er zusätzlich noch den Geschäftsbereich Hochtief AirPort verantwortet. 

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Die diversen Wechselwirkungen zeigen, wie komplex und kraftraubend die Verhandlungen für Finanzchef Peter Sassenfeld gewesen sein müssen. Umso erfreuter dürfte er gewesen sein, als die Abertis-Aktionäre über 86 Prozent ihrer Aktien andienten und dem Deal somit grünes Licht gaben.

Das angestrebte Herausdrängen (Squeeze-out) der Abertis-Aktionäre und das damit einhergehende Delisting des spanischen Autobahnbauers verfehlte das Konsortium um die Essener jedoch. Dafür hätten 90 Prozent der Abertis-Papiere angedient werden müssen. Dadurch wird sich der endgültige Abschluss des M&A-Deals voraussichtlich noch einige Wochen verzögern. Hochtief rechnet bis Oktober dieses Jahres mit dem Closing.

CFO Peter Sassenfeld verbessert Finanzkennzahlen

Dass Hochtief die Übernahme stemmen kann, ist auch ein Verdienst von CFO Sassenfeld. Seit 2011 kümmert er sich um die Finanzen des Baukonzerns. Seitdem hat der 52-Jährige einiges geleistet. Sassenfeld hat die Finanzierung des Essener Konzerns diversifiziert, indem er im Dezember 2011 Bar- und Avalkredite über 2 Milliarden Euro refinanzierte. Der CFO platzierte zudem zahlreiche Bonds. Auch für den Abertis-Deal ließ Sassenfeld sein Finanzierungsgeschick aufblitzen und sicherte Hochtief eine Brückenfinanzierung über 15 Milliarden Euro.

Sassenfeld hat in den vergangenen Jahren auch die harten Kennzahlen (KPIs) deutlich verbessert. Ein verbesserter Cashflow sorgte dafür, dass das Nettofinanzvermögen in den vergangenen zwölf Monaten von 341 auf 942 Millionen Euro angeschwollen ist. Auch andere wichtige KPIs bewegen sich in die richtige Richtung: Der Gewinn vor Steuern und Zinsen (Ebit) stieg um 5 Prozent auf 226 Millionen Euro. Der Auftragsbestand legte um 12 Prozent auf mehr als 44 Milliarden Euro zu.

All das führt dazu, dass auch die Hochtief-Aktionäre die Querelen bei der Abertis-Übernahme verwunden haben. Die Aktie, die noch im Februar unter die 135-Euro-Schwelle gerutscht war, notiert inzwischen wieder über 150 Euro. Damit liegt sie zwar noch knapp 20 Euro unter dem Höchststand vom Sommer 2017, dennoch kann sich der Langzeittrend sehen lassen: Im Jahr 2015 war die Hochtief-Aktie zwischenzeitlich nur 60 Euro wert.

jakob.eich[at]finance-magazin.de

Alle vier Wochen zeichnet FINANCE Finanzchefs für ihre Arbeit aus. Eine Zusammenfassung finden Sie auf unserer Themenseite CFO des Monats.

Alle wichtigen Karriere-Highlights des Hochtief-CFOs finden Sie auf dem FINANCE-Köpfe-Profil von Peter Sassenfeld.