CFO des Monats: Neun Jahre lang war Ulf Hüttmeyer CFO von Air Berlin. Jetzt wechselt er zu Etihad

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02.03.15
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CFO des Monats: Ulf Hüttmeyer

Air-Berlin-CFO Ulf Hüttmeyer macht nun auch karrieretechnisch das, was ihm als CFO im Blut lag: Er geht dahin, wo das Geld ist – und wird Air Berlins neuer Mann am Golf.

Wenn man mit nicht einmal 33 Jahren CFO eines großen Unternehmens wird, den Konzern wenig später an die Börse führt und es dann schafft, sich neun Jahre lang im Vorstand zu halten, obwohl die Firma finanziell und operativ praktisch permanent mit dem Rücken zur Wand steht, verdient das Respekt. Wenn man dabei dann auch noch das Vertrauen des größten Aktionärs gewinnt und von ihm schließlich eine neue Karriereoption angeboten bekommt, umso mehr. In ein paar Wochen, wenn Ulf Hüttmeyer endgültig seinen Schreibtisch als CFO von Air Berlin räumt, um in die Finanzabteilung der Nobel-Airline Etihad nach Abu Dhabi überzusiedeln, kann er erhobenen Hauptes gehen.

Was für ihn spricht: Der australische Etihad-CFO James Rigney dürfte eine Menge Gelegenheiten gehabt haben, sich ein genaues Bild von den Stärken und Schwächen seines neuen Mitarbeiters zu machen, immerhin ist Etihad unter Hüttmeyers Ägide zum wichtigsten Finanzierungspartner von Air Berlin geworden: Größter Aktionär, Haupteigentümer des Air-Berlin-Vielfliegerprogramms „Topbonus“ und Kreditgeber bei einer Kreditlinie über 255 Millionen US-Dollar und einer ewig laufenden Wandelanleihe über 300 Millionen Euro.

Keine Frage: Ohne die wiederholten Kapitalspritzen vom Golf wäre es für Air Berlin sehr, sehr eng geworden. Angesichts zahlreicher Gewinnwarnungen, gewagter Übernahmen und häufig wechselnder CEOs dürfte es letztlich das gute Zusammenspiel zwischen Rigney und Hüttmeyer gewesen sein, das Air Berlin bis heute über Wasser gehalten hat.

Ulf Hüttmeyer wird weiter mit Air Berlin zu tun haben

Hüttmeyer wird den permanenten Überlebenskampf von Air Berlin sowie die desolate Lage der europäischen Luftfahrtbranche aber nur räumlich hinter sich lassen und an seinem neuen Schreibtisch in Abu Dhabi wohl nicht nur einmal ein Déjà-vu erleben. Bei Etihad wird es seine Hauptaufgabe sein, „die Partnerunternehmen bei der Strukturierung der Bilanzen [und] der Finanzplanung zu unterstützen.“ Und die wichtigsten Partnerunternehmen Etihads in Europa heißen Alitalia und Air Berlin.

Wenn Hüttmeyer also künftig den neuen Air-Berlin-CFO Schwierholz zum Gespräch über die Bilanzstruktur bittet, wird er das als Vertreter des größten Aktionärs und dominanten Gläubigers tun – und als jemand, der besser als jeder andere weiß, wo genau in Air Berlins Bilanz die gefährlichen Falltüren lauern. Und davon dürfte es noch einige geben. Für Air Berlin könnte es sich noch einmal als sehr wertvoll erweisen, einen „eigenen“ Mann in der Finanzabteilung von Etihad zu haben.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

Für ausgezeichnete Leistungen, besonderen Spürsinn oder mutige Entscheidungen zeichnet FINANCE jeden Monat einen Finanzvorstand aus. Welche Finanzchefs die Auszeichnung bislang erhalten haben, lesen Sie auf unserer Themenseite CFO des Monats. Unabhängig davon verleiht die Redaktion jährlich auf dem Kongress Structured FINANCE die Auszeichnung für den CFO des Jahres.

Lesen Sie mehr über den Werdegang und die Karriere-Highlights unseres CFOs des Monats im FINANCE-Köpfe-Profil von Ulf Hüttmeyer.