Alles neu: Von 2020 an will Daimler mit einer Holding-Struktur an den Markt gehen. CFO Bodo Uebber muss dafür rund 1 Milliarde Euro an Kosten veranschlagen.

Daimler

26.07.18
CFO

Daimler-Umbau kostet rund 1 Milliarde Euro

Nach intensiver Prüfung löst Daimler tatsächlich seinen Konzernverbund auf. Die Sparten für Autos, Trucks und Mobilität schneller und flexibler zu machen, kostet den Dax-Konzern aber eine enorme Summe Geld.

Vorstand und Aufsichtsrat von Daimler haben ihre Überlegungen zu einer neuen Unternehmensstruktur abgeschlossen: Von 2020 an soll Daimler aus drei eigenständigen Aktiengesellschaften unter dem Dach einer gemeinsamen Holding bestehen. Die Stuttgarter hatten die Aufspaltung bereits seit Herbst 2017 geprüft und vorbereitet – dem Unternehmen zufolge war es „die umfangreichste Due Diligence der 130-jährigen Unternehmensgeschichte“. 

Daimler-Aktionäre sollen abstimmen

Das Geschäft mit Autos und Vans soll künftig als Mercedes-Benz AG firmieren und wird etwa 175.000 Mitarbeiter haben. Die Sparte mit Lastwagen und Bussen Daimler Truck AG wird mit 100.000 Mitarbeitern die zweitgrößte Gesellschaft sein. Die dritte Gesellschaft bildet die bereits heute rechtlich eigenständige Sparte für Finanzdienstleistungen, die in Daimler Mobility AG umbenannt werden soll und etwa 13.000 Mitarbeiter beschäftigt. In der neuen Aufstellung sollen die Daimler-Divisionen mehr unternehmerische Freiheiten haben sowie schneller und flexibler Kooperationen eingehen können.

Bislang besteht die Struktur des Konzerns aus den Geschäftsfeldern Mercedes-Benz Cars, Daimler Trucks, Mercedes-Benz Vans, Daimler Buses und Daimler Financial Services. Bevor es an die Umsetzung der Holding-Struktur gehen kann, müssen die Aktionäre auf der Hauptversammlung im Mai 2019 dem Vorschlag noch zustimmen. Die Ausgliederungen könnte dann im Herbst 2019 erfolgen und die neue Unternehmensstruktur zum 1. Januar 2020 vollständig umgesetzt sein.

Finanzfunktionen bleiben in der Daimler-Holding

Auch in der neuen Struktur wird die Verantwortung für die konzernweite Finanzierung bei der börsennotierten Daimler AG als operativer Management-Holding liegen. Die Dachgesellschaft wird zudem die Corporate Governance-, Strategie- und Steuerungsfunktionen sowie die konzernübergreifenden Dienstleistungen wahrnehmen.

Wie aufwendig die monatelangen Vorbereitungen und Prüfungen gewesen sein müssen, zeigt ein Blick auf die regionale Präsenz des international tätigen Autobauers: „Im Rahmen der neuen Struktur ordnen wir mehr als 700 Gesellschaften in über 60 Ländern neu zu“, sagt CFO Bodo Uebber.

„Im Rahmen der neuen Struktur ordnen wir mehr als 700 Gesellschaften in über 60 Ländern neu zu.“

Bodo Uebber

Die Umstrukturierung lassen sich die Stuttgarter einiges Kosten – einschließlich der Steuerbelastungen einen „hohen dreistelligen Millionenbetrag“ bis 2020. Neben diesen Einmalkosten muss Daimler bis zum Jahr 2020 auch noch vorübergehend höhere laufende Kosten einkalkulieren, die in der Spitze bis auf einen „sehr niedrigen“ dreistelligen Millionen-Euro-Betrag ansteigen werden. 

CFO Uebber will Pensionslasten ausfinanzieren

Mit der Konzernspaltung einher geht auch ein großangelegter Beschäftigungspakt. Daimler hat den Arbeitnehmern eine Beschäftigungsgarantie bis zum Jahresende 2029 gegeben. Bis 2024 sollen zudem 35 Milliarden Euro in die deutschen Standorte investiert werden.

FINANCE-Köpfe

Bodo Uebber, Daimler AG

Uebber beginnt seine Karriere im Produktions-Controlling 1985 bei Messerschmitt-Bölkow-Blohm im Unternehmensbereich Verteidigungstechnik. Ab 1988 leitet er für diesen Bereich die Kosten- und Ergebnisrechnung. Im Jahr darauf wechselt er als Leiter Betriebswirtschaft zur DASA-Verteidigungstechnik. 1992 bis 1995 verantwortet Uebber das Controlling bei Dornier Luftfahrt und 1995 bis 1998 das Controlling des Bereichs Raumfahrt/ Verteidigung und Zivile Systeme bei  der DASA. 1998 wird Uebber zum Mitglied der Geschäftsführung für Finanzen/ Controlling und IT/Services bei MTU Aero Engines ernannt.

2001 wird Uebber CFO und Vorstandsmitglied der DaimlerChrysler Services AG. 2003 übernimmt er zusätzlich die Verantwortung des stellvertretenden Vorstandsmitglieds bei DaimlerChrysler sowie des Vorstandsvorsitzenden bei DaimlerChrysler Services. Seit Dezember 2004 ist er CFO von Daimler. Im Oktober 2018 wird bekannt, dass Uebber das Unternehmen im Dezember 2019 verlassen wird.

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Außerdem plant CFO Uebber, Pensionsverpflichtungen weitgehend auszufinanzieren. Auch das könnte teuer werden: Trotz milliardenschwerer Zuschüsse in den vergangenen Jahren sind Daimlers Pensionsverpflichtungen aktuell zu 16 Prozent ungedeckt. Das Pensionsloch beläuft sich auf 5,2 Milliarden Euro. 

Allerdings ist Daimler mit einer Nettoliquidität von 14,5 Milliarden Euro im Industriegeschäft solide finanziert. Darüber hinaus hat der Dax-Konzern erst vor wenigen Tagen eine Kreditlinie über 11 Milliarden Euro abgeschlossen, um sich langfristig finanziell abzusichern.

Daimler muss Aktionäre von neuer Struktur überzeugen

Die ersten Reaktionen aus dem Lager der Aktionäre fallen reserviert aus. Man werde sich „sehr genau ansehen, ob die geplante Holding mit drei selbstständigen Gesellschaften wirklich sinnvoll ist“, zitiert das „Handelsblatt“ den Sprecher der Deka Investment, Winfried Mathes. Er sieht die Gefahr, dass Anleger sich nur noch an den Tochterunternehmen beteiligen und damit die Holding entwerten könnten.

Mit seiner Umstrukturierung steht Daimler nicht allein da. Mitte Juli  hatte auch schon der Automobilzulieferer Continental beschlossen, sich eine neue Struktur zu geben. Im Gegensatz zu Daimler stehen bei Continental allerdings auch Teilbörsengänge einzelner Sparten auf dem Programm. Daimler betont dagegen, es sei nicht geplant, dass sich das Unternehmen von einzelnen Geschäftsbereichen trennt. Den vom Umsatz her deutlich kleineren Konzern Continental kostet die geplante Konzernteilung mit 350 Millionen Euro auch deutlich weniger als Daimler.

Daimler enttäuscht mit Quartalszahlen

Die Reaktion des Kapitalmarkts auf die Daimler-Pläne ist schwer zu deuten. Die Daimler-Aktie notiert 2,5 Prozent im Plus. Allerdings profitiert das Papier heute auch von der Abwendung von US-Einfuhrzöllen auf Autos, die EU-Kommissionspräsident Juncker gestern Abend in Washington erreichte.

Darüber hinaus veröffentlichte Daimler heute auch Quartalszahlen, die schlecht ausfielen. Im zweiten Quartal erlitt der Autoriese beim Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) einen Einbruch von 30 Prozent auf 2,6 Milliarden Euro.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

Mehr über den Daimler-CFO finden Sie in unserem FINANCE-Köpfe-Steckbrief zu Bodo Uebber.