Böse Miene zum guten Spiel: Finanzchef Oliver Frankenbach (links) und sein Vorgänger Axel Hellmann haben die Finanzen von Eintracht Frankfurt gut im Griff.

picture alliance / Foto Huebner

30.01.17
CFO

Eintracht Frankfurt macht mehr Gewinn als erwartet

Dank hoher Sondereffekte hat Eintracht Frankfurt im abgelaufenen Geschäftsjahr mehr Gewinn gemacht als erwartet, zeigen Unterlagen, die FINANCE exklusiv vorliegen. Doch bald werden sich die negativen Folgen des Beinahe-Abstiegs zeigen.

Eintracht Frankfurt hat im abgelaufenen Geschäftsjahr (Stichtag: 30. Juni 2016) wirtschaftlich wesentlich besser abgeschnitten als zunächst erwartet. Dies zeigen Unterlagen, die FINANCE vorliegen. Demnach hat der Fußball-Bundesligaklub einen Rekordumsatz von 109,3 Millionen Euro eingefahren, über 20 Millionen Euro mehr als in der Vorsaison. Selbst im Vergleich zu dem Geschäftsjahr 2013/14, als der Klub in der Europa League spielte und hohe Zusatzeinnahmen erwirtschaften konnte, entspricht das einem Anstieg um rund 10 Millionen Euro.

Auch die Ergebnissituation hat sich positiv entwickelt: Unter dem Strich hat die Eintracht einen Jahresüberschuss von 6,5 Millionen Euro bilanziert. Dadurch wuchs das Eigenkapitalpolster von 5,7 auf 12,2 Millionen Euro an.

Geschäfts-Performance von Eintracht Frankfurt

(Jahresüberschuss in Mio. €)

Quelle: Eintracht Frankfurt

Finanzchef Oliver Frankenbach unterschreitet Kostenbudget deutlich

Verantwortlich für das gute Abschneiden waren aber positive Sondereffekte, die sich in dieser Saison wohl nicht wiederholen werden. So wurde der Umsatz stark von Transfereinnahmen getrieben: Das Transferergebnis von 12,4 Millionen Euro überstieg den ausgewiesenen Jahresüberschuss um fast das Doppelte.

Rein operativ – ohne Transfers – hat die Eintracht den Unterlagen zufolge ein Minus von 4,5 Millionen Euro eingefahren, nach minus 7,5 Millionen Euro in der vorherigen Saison. Eintracht Frankfurt hatte in der Saison 2015/2016 unter anderem die Leistungsträger Kevin Trapp und Carlos Zambrano sowie das Talent Luca Waldschmidt verkauft. Der Verkauf von Trapp nach Paris war mit einer Ablösesumme von fast 10 Millionen Euro der größte Transfer, den die Frankfurter je getätigt haben.

Zudem sorgte das sportlich enttäuschende Abschneiden dafür, dass der Klub wesentlich weniger Erfolgsprämien ausschütten musste als budgetiert. „Dadurch lagen die Personalkosten für den Lizenzspielerkader nur bei 36,4 Millionen Euro“, erläutert Finanzchef Oliver Frankenbach gegenüber FINANCE. „Ursprünglich geplant hatten wir mit einem Etat von 39 Millionen Euro.“

Wegen Beinahe-Abstieg: Eintracht fehlen 4,5 Millionen Euro Umsatz

Doch neben den niedrigen Erfolgsprämien brachte die schwache Saison auch einige negative Folgen für den Klub. Diese dürfte die Eintracht in der laufenden Saison finanziell zu spüren bekommen. Finanzchef Frankenbach kalkuliert mit einem Verlust in mittlerer einstelliger Millionenhöhe und begründet dies mit fehlenden Einnahmen. „Weil wir den angepeilten Aufstieg im TV-Ranking um zwei Plätze verfehlt haben und geplante Preiserhöhungen im Ticketing nicht realisieren konnten, fehlen uns gegenüber der alten Mittelfristplanung rund 4,5 Millionen Euro Umsatz.“

Hinzu kommen laut Frankenbach noch Folgekosten aus den ursprünglich nicht vorgesehenen Neuverpflichtungen aus dem vergangenen Winter, mit denen sich die Eintracht damals für den Abstiegskampf rüsten wollte. Darunter war auch eine der bisher teuersten Neuverpflichtungen der Vereinsgeschichte: Für den Mexikaner Marco Fabián legte die Eintracht dem Vernehmen nach rund 4 Millionen Euro auf den Tisch. 

Eintracht Frankfurt will immer noch Genussscheine ausgeben

Weil das wirtschaftliche Fundament dadurch nach wie vor recht dünn ist, hält das Management an der geplanten Stärkung des Eigenkapitals nach wie vor fest: „Wir haben damit zwar keine Eile, eine Eigenkapitalstärkung steht aber immer noch auf unserer Agenda“, sagte Frankenbach auf Anfrage von FINANCE. Die Eintracht wollte ursprünglich schon im November 2015 Genussscheine ausgeben. Im Februar vergangenen Jahres, als die Eintracht auf einen Abstiegsplatz zu rutschen drohte, hatte die Vereinsführung dieses Projekt aber gestoppt: „Das Produkt Eintracht Frankfurt hängt momentan“, hatte Aufsichtsratschef Wolfgang Steubing damals zur Begründung gesagt.

Ein stärkeres Finanzpolster hält Frankenbach, der seit August 2015 Finanzchef der Eintracht ist, auch deshalb für sinnvoll, weil Eintracht Frankfurt hohe Ausgaben vor sich hat: Der Verein will eine neue Geschäftsstelle und ein neues Sportzentrum bauen, um die in die Jahre gekommene Infrastruktur zu modernisieren. Die Kosten dafür beziffert Frankenbach auf 25 bis 30 Millionen Euro. „Etwa 25 Prozent davon müssen wir aus Eigenmitteln bestreiten, den Rest werden wir fremdfinanzieren“, kündigt der CFO an.    

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

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