02.05.16
CFO

Kinnevik löst Bindung zu Rocket Internet

Aktienverkäufe, unterschiedliche Bewertungsmodelle und nun der Rückzug der Kinnevik-Manager aus dem Aufsichtsrat: Die langjährige Allianz zwischen Rocket Internet und dem schwedischen Finanzinvestor zerbröselt langsam.

Die einst enge Geschäftsbeziehung zwischen Rocket Internet und dem schwedischen Finanzinvestor Kinnevik löst sich zusehends auf. Nun zieht Kinnevik – mit zuletzt 13,2 Prozent der Stimmrechte immer noch Großaktionär bei Rocket – seine beiden Vertreter aus dem Aufsichtsrat ab. Lorenzo Grabau und Erik Mitteregger verlassen das Kontrollgremium zur Hauptversammlung am 9. Juni, teilte Rocket Internet heute mit.

Rocket ersetzt die beiden durch den früheren Deutsche-Bank-CFO Stefan Krause und Pierre Louette, einen Topmanager des französischen Telekommunikationskonzerns Orange. Mit den neuen Mitgliedern wolle man „die Anzahl der Nicht-Aktionärsvertreter im Aufsichtsrat“ erhöhen, ist Rockets ungewöhnliche Begründung des Personalkarussells.

Die Umbesetzung ist das neueste Zeichen dafür, dass sich Kinnevik, einer der ersten und wichtigsten Investoren von Rocket Internet, und Rocket-Chef Oliver Samwer voneinander entfremdet haben. Vergangene Woche erst wurde bekannt, dass der schwedische Investor den Wert diverser Rocket-Portfoliounternehmen, an denen auch Kinnevik beteiligt ist, deutlich niedriger veranschlagt als Rocket selbst – deutlicher hätte der Investor sein Misstrauen gegenüber der Equity Story schwer zum Ausdruck bringen können. 

Steigt Kinnevik bald ganz bei Rocket Internet aus?

Die ersten Differenzen waren schon im vergangen Jahr zutage getreten. Zunächst reduzierte Kinnevik seine Rocket-Beteiligung, dann legte Kinnevik-Manager Grabau kurz vor Jahresende den Vorsitz im Rocket-Aufsichtsrat nieder. Das Manager Magazin hatte von wachsenden Differenzen zwischen Rocket-CEO Samwer und Grabau berichtet, nachdem Kinnevik den Börsengang der Beteiligung Hello Fresh angeblich blockiert hatte. Offenbar bestand zwischen Rocket und Kinnevik Uneinigkeit über den Wert von Hello Fresh und die darauf aufbauende Exit-Strategie im Zuge eines Börsengangs.

Die Rocket-Aktionäre betrachten die Turbulenzen kritisch. In einem festen Markt büßt die Rocket-Internet-Aktie heute erneut über 3 Prozent ein. Damit setzt sich die rasante Talfahrt der vergangenen Woche fort, die Rocket einen Kursverlust von nahezu 30 Prozent gebracht hatte. Auslöser war, dass Rocket Internet den Wert seines größten Portfoliounternehmens Global Fashion Group um zwei Drittel auf nur noch 1 Milliarde Euro zusammenstreichen musste. Diese Summe liegt auch unter dem jüngsten Wertansatz Kinneviks, aber die Schweden hatten die Global Fashion Group schon vorher nur mit gut der Hälfte von Rockets Einschätzung bewertet (1,7 Milliarden Euro).

An der Börse kursiert nun die Erwartung, dass Kinnevik seinen Rocket-Anteil bald noch weiter reduzieren könnte. Für den Aktienkurs wäre dies eine weitere Belastung. Die Short-Seller, die bei Rocket stark engagiert sind, dürfte das freuen.

florian.bamberg[at]finance-magazin.de

Was müssen die Rocket-Investoren noch über sich ergehen lassen? Lesen Sie alles über die kriselnde Start-up-Schmiede auf der Themenseite Rocket Internet.