Delivery Hero bekommt einen neuen Hauptaktionär: Naspers übernimmt 13 Prozent der Anteile von Rocket Internet.

Delivery Hero

28.09.17
CFO

Rocket Internet halbiert Delivery-Hero-Anteil

Rocket Internet verkauft 13 Prozent der Delivery-Hero-Aktien an den Internet-Investor Naspers. Die Berliner halbieren ihren Anteil damit – und das zu einem deutlichen Kursabschlag.

Die Start-up-Schmiede Rocket Internet hat eine ihrer wichtigsten Beteiligungen reduziert: Die Berliner gaben am heutigen Donnerstagvormittag bekannt, 13 Prozent der Anteile von Delivery Hero an die Mediengruppe Naspers zu verkaufen. Rocket Internet hatte seinen Anteil an Delivery Hero bereits beim Börsengang des Essenslieferanten Ende Juni von 35 auf 26 Prozent reduziert.

Nun halbieren die Berliner ihre verbleibende Beteiligung. Weil Naspers auch an vielen anderen Internet-Unternehmen beteiligt ist, benötigt der Deal noch die Freigaben der Kartellbehörden. Im ersten Quartal des kommenden Jahres soll das Aktienpaket dann endgültig den Besitzer wechseln.  

Naspers sichert sich bei der Transaktion eine Bewertung deutlich unter den jüngsten Börsenkursen: In der vergangenen Woche erreichte Delivery Hero bei einem Kurs von 36 Euro den vorläufigen Höchststand, am gestrigen Mittwoch notierte die Aktie knapp unter 34 Euro. Naspers zahlt für die Übernahme der rund 22,36 Millionen Aktien einen Barkaufpreis von 660 Millionen Euro an Rocket. Das entspricht etwa 29,52 Euro pro Aktie. Auf diesem Stand notierte die Aktie letztmalig Ende August. Beim Börsengang im Juni betrug der Ausgabepreis von Delivery Hero 25,50 Euro. Schon damals kassierte Rocket durch die Platzierung der ersten Tranche rund 400 Millionen Euro.

Naspers löst Rocket als größter Einzelaktionär bei Delivery Hero ab

Naspers wird mit der Transaktion zum neuen Hauptaktionär von Delivery Hero, noch vor Rocket. Der Investor wird nach dem Abschluss des M&A-Deals einen Anteil von 23,6 Prozent halten. Naspers besitzt im Digitalbereich bereits Minderheitsbeteiligungen an Online-Portalen wie Tencent, Mail.Ru oder Flipkart.

Delivery-Hero-CEO Niklas Östberg setzt auf eine dauerhafte Zusammenarbeit mit Naspers: „Sie sind als langfristiger Investor an Bord gekommen, der sich der Vision und den Werten unseres Unternehmens und unseres Management-Teams verpflichtet fühlt“, sagte er.

Naspers war erst wenige Wochen vor dem Börsengang in das Aktionariat des Berliner Essenslieferanten eingetreten und investierte damals 387 Millionen Euro auf Basis einer Bewertung von gut 3,5 Milliarden Euro. Aktuell bringt Delivery Hero schon 5,8 Milliarden Euro auf die Waage.  

Rocket schraubt das Money-Multiple bei Delivery Hero auf 4x hoch

Aber nicht nur für Naspers, auch für Rocket Internet hat sich das Investment in Delivery Hero gelohnt. Inklusive der noch bestehenden Restbeteiligung und der verschiedenen Transaktionen, die die Berliner seit ihrem Einstieg Anfang 2015 mit Delivery Hero getätigt haben, dürfte Rocket sein Geld bei Delivery Hero in etwa vervierfacht haben – in nicht einmal drei Jahren.   

Die Folgen werden die Investoren spätestens Ende des ersten Quartals in der Kasse von Rocket Internet sehen, die sich immer weiter füllt. Gemäß der heute Morgen vorgelegten Halbjahreszahlen verfügte Rocket per Ende Juni über ein Nettofinanzguthaben von 1,1 Milliarden Euro – ohne den Marktwert der Delivery-Hero-Aktien und exklusive des heute verkündeten Nasper-Deals. Bezöge man beide Positionen mit ein, läge das Pro-forma-Net-Cash bei rund 2,5 Milliarden Euro.

Neue Investments in dieser Größenordnung sind von dem Start-up-Entwickler eher nicht zu erwarten. So kehrt CFO Peter Kimpel einen Teil des Cashs an die Aktionäre aus: Der Ex-Goldman-Sachs-Banker hatte vor einigen Wochen angekündigt, Teile der Liquidität in ein Aktienrückkaufprogramm zu stecken – bislang allerdings nur mit einem überschaubaren Volumen von 100 Millionen Euro.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de


Wie die Berliner Start-up-Schmiede den Essenslieferanten an die Börse begleitet hat, lesen Sie auf unserer Themenseite zu Rocket Internet.

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