Der bosnische Finanzinvestor Tahoe steigt zum Hauptgesellschafter auf und will über den Aufsichtsrat künftig mehr Einfluss auf das Geschehen beim Küchenbauer Alno ausüben. Den Bondholdern gefällt das nicht.

Alno

02.11.16
CFO

Tahoe will mehr Macht bei Alno

Nach der Übernahme von 33 Prozent der Anteile greift der Finanzinvestor Tahoe nach der Mehrheit auf der Kapitalseite im Aufsichtsrat. Die Bosnier sichern sich auch deshalb so viel Macht, weil sie in Kürze noch mehr Geld in Alno pumpen werden.

Die hinter dem Finanzinvestor Tahoe stehende bosnische Unternehmerfamilie Hastor festigt über eine Neubesetzung des Aufsichtsrats ihre Machtposition beim kriselnden Küchenbauer Alno. Wie Alno mitteilt, haben die vier Aufsichtsräte Hanns R. Rech, Norbert Orth, Werner Rellstab und Anton Walther ihre Mandate niedergelegt.

Dies sei geschehen, damit Tahoe als neuer Hauptaktionär „angemessen und unverzüglich“ im Aufsichtsrat vertreten sein kann. Dieser umfasst neun Sitze, wovon drei auf Arbeitnehmervertreter entfallen. Von der sechsköpfigen Kapitalseite im Aufsichtsrat wird sich Tahoe nun voraussichtlich vier Posten sichern. Alno-CEO Max Müller, der über eine Stimmbindungsvereinbarung selbst Einfluss an Tahoe abgegeben hat, begrüßt in einer Pressemitteilung offiziell die wachsende Einflussnahme der Bosnier.

Anleihe von Alno rutscht unter 50 Prozent

Der Griff nach mehr Einfluss im Aufsichtsrat kommt erstaunlich schnell, denn erst am Montag hatte Tahoe eine Call-Option auf rund 14 Prozent der Alno-Aktien gezogen, wodurch die Bosnier nun 33,3 Prozent aller Alno-Anteile kontrollieren. Neben CEO Müller hat sich damit auch der bisherige Großaktionär Whirlpool von seinen Anteilen getrennt. 

Eine Mehrheit an Alno strebt der Investor aber nicht an. Das Übernahmeangebot an alle Aktionäre – das ein Unternehmen unterbreiten muss, sobald es über 30 Prozent kontrolliert – liegt bei 50 Cent pro Aktie und entspricht damit einem mageren Aufschlag von rund 4 Cent auf den aktuellen Kurs der Alno-Aktie. Die Hastors rechnen nicht damit, dass ihnen besonders viele Aktien angedient werden.

Die Investoren von Alno dürften dies bedauern, denn eine Übernahme des Küchenbauers durch Tahoe und eine anschließende Rekapitalisierung würde vor allem den Fremdkapitalgebern mehr Sicherheit geben, ihr Investment zurückzuerhalten. Im Mai 2018 läuft eine 45 Millionen Euro schwere Mittelstandsanleihe aus, deren Kurs inzwischen auf unter 50 Prozent des Nennwerts abgerutscht ist – just seitdem Tahoe bei Alno auf den Plan getreten ist.

Ein Grund dürfte der enorme Schuldenberg sein, den Alno seit Jahren vor sich herschiebt und der sich mit den aktuell dürftigen Geschäftszahlen nicht so leicht wird abtragen lassen. Viel bedeutender für Tahoe dürfte allerdings eine Change-of-Control-Klausel in den Anleihebedingungen sein. Diese räumt den Bondholdern das Recht rein, bei einem Kontrollwechsel ihre Anleihen zum Nennwert zurückzugeben. Die Option greift allerdings nur dann, falls 20 Prozent des ausstehenden Nominalvolumens diese Put-Option innerhalb von 30 Tagen nach Bekanntwerden des Kontrollwechsels ziehen. 

Frisches Geld von Tahoe hilft Alno, die neuen Verluste zu decken

Anstatt die Schulden zu übernehmen und zum Teil zurückzuzahlen, türmt Tahoe den Berg bislang erst einmal weiter auf. Bereits Ende Juli sicherten die Hastors Alno ein Darlehen über 20 Millionen Euro zu. Weitere 15 Millionen Euro stellte Tahoe Alno in Aussicht, knüpfte diese allerdings an nicht näher erläuterte Bedingungen. Diese sind laut Finanzchefin Ipek Demirtas nun erfüllt. Der Kredit soll in zwei Tranchen ausgezahlt werden. 7,5 Millionen Euro fließen am 15. Dezember, die zweite Hälfte am 31. Dezember. 

Da Alno im laufenden Jahr tiefer in die Verlustzone abgerutscht ist, dürfte das frische Geld vornehmlich der Verlustdeckung dienen. In den ersten drei Quartalen hat Alno trotz steigender Umsätze beim Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) ein Minus von 15,2 Millionen Euro angehäuft. Rechnet man die angefallenen 3,5 Millionen Euro an Restrukturierungsaufwendungen aber heraus, liegt der operative Verlust auf einem ähnlichen Niveau wie die minus 12,6 Millionen Euro aus dem Vorjahreszeitraum.

Allerdings hat der Einstieg Tahoes Finanzchefin Ipek Demirtas Zeit verschafft, die fällige Neuordnung der Passivseite voranzutreiben. Bei der genauen Art und Weise der Refinanzierung dürfte sich Tahoe nun ein Mitspracherecht ausbedingen – vor allem aber bei der Auswahl der potentiellen neuen Geldgeber.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de

Der Küchenbauer hangelt sich seit Jahren von einer Krise zur Nächsten. Einen Überblick verschafft die FINANCE-Themenseite zu Alno. Mehr Krisenfälle aus der Welt der Mini-Bonds finden Sie auf unserer Themenseite zu Mittelstandsanleihen.