Arndt Benedikt

12.07.18
CFO

Von weiblichen CFOs und rotierenden Prüfern

Immer mehr Frauen werden CFO. In der aktuellen Titelgeschichte analysiert FINANCE, warum Frauen derzeit wirklich gute Chancen auf eine Karriere im Finanzbereich haben.

Neulich bei einem Pressedinner eines bekannten Unternehmensberaters in einem Frankfurter Nobelhotel: Rund ein Dutzend Partner halten Kurzpräsentationen, allesamt Männer. Kein Einzelfall: Ob Berater, Investoren oder Finanzabteilungen von Unternehmen – kaum ein anderer Bereich ist heute noch so männlich geprägt wie der Finanzsektor. Nahezu jede Statistik, auch der Blick in die FINANCE-Leserumfrage, spiegelt dies wider. Weiterhin bestehen viele Widerstände, die Frauen auch heute noch den Aufstieg in die oberste Führungsriege erschweren.

Doch eine stille Revolution ist im Gange. Mehrere Top-Konzerne haben zuletzt Frauen an die Spitze ihres Finanzressorts berufen: Helene von Roeder bei Vonovia, Dessi Temperley bei Beiersdorf und Anke Groth bei Kion. Frauen scheinen derzeit gute Karten bei Neubesetzungen von CFO-Posten zu haben. Warum das so ist, haben wir für die FINANCE-Leser in der neuen Titelgeschichte analysiert, die Sie heute schon als E-Paper beziehen können.

Rachel Empey steuert Fresenius’ Finanzgeschicke

Eine Vertreterin aus der Riege der neuen weiblichen Top-CFOs ist auch Rachel Empey. Die 42-jährige Britin führte bereits Telefónica Deutschland an die Börse und wechselte im vergangenen Jahr mit einigen Nebengeräuschen von München ins beschauliche Bad Homburg vor den Toren Frankfurts. Für die neue FINANCE-Ausgabe trafen wir sie in der Fresenius-Zentrale.

„Ich bin viel gereist, um das Geschäft und die Kultur von Fresenius zu verinnerlichen.“ 

Rachel Empey, CFO, Fresenius

Die umgängliche Managern berichtete – erstmals auf Deutsch – über ihren Start bei dem Gesundheitskonzern: „Ich bin viel gereist, um das Geschäft und die Kultur von Fresenius zu verinnerlichen.“ Von Tag 1 an beschäftigte sie sich auch mit dem Zukauf des US-Generikaherstellers Akorn – einem Deal, der sich schon damals problematisch entwickelte und sich wenig später als Milliardenrisiko entpuppen sollte. Auch dazu bezog sie Stellung, wenn auch aus nachvollziehbaren Gründen etwas widerwillig.

So planen Fraport und Schenker die Zukunft

Die Recherchen für die neue Ausgabe führten uns auch gleich zweimal zum Frankfurter Flughafen. Einmal in die Europazentrale des Logistikers DB Schenker, einmal ins Headquarter des Flughafenbetreibers selbst. Mit dem Fraport-CFO sprachen wir über den weiteren Ausbau des Flughafens, Stichwort Terminal 3. Matthias Zieschang gab im Interview tiefe Einblicke, warum der Ausbau erst so spät kam und welche Präferenzen die Frankfurter hinsichtlich der Finanzierung und zugehöriger Instrumente haben.

Reine Finanzierungsthemen treiben Schenker-CFO Oliver Seidl zurzeit weniger um. Als Tochter der Deutschen Bahn ist der Logistiker an dieser Stelle mehr als üppig aufgestellt und hat als „Low Asset“-Unternehmen auch nicht den großen Bedarf. Vielmehr hat der Schenker-CFO die Steigerung des Wachstums und der Profitabilität im Blick, denn im Vergleich zum Wettbewerb sind die Margen noch überschaubar. „Schenker hat sich in den vergangenen zehn Jahren eher seitwärts entwickelt“, räumt Seidl im FINANCE-Interview ein. „Wir waren zwar immer profitabel, haben aber nicht am Wachstum partizipiert wie andere.“ Um das zu ändern, stellte er seinen Finanzbereich vom Kopf auf die Füße.

„Schenker hat sich in den vergangenen zehn Jahren eher seitwärts entwickelt. “ 

Oliver Seidl, CFO, DB Schenker

Schuldscheine: digital ist besser

In neuem Gewand präsentiert sich auch der gute alte Schuldschein. Insbesondere dieses Finanzierungsinstrument ist derzeit ein brandheißes Digitalisierungsobjekt. Der Grund: „Der Schuldschein ist – wie große Teile des Firmenkundenkreditgeschäfts – eine der letzten Bastionen im Bankgeschäft, in der noch sehr viel manuell gemacht werden muss“, erklärt PwC-Experte Tomas Rederer. Die Transaktionen seien zu oft „die reinste Papierschlacht“, sagt er und übertreibt damit vermutlich nicht.

Während bisher Fintechs wie Firstwire und Credx Ansätze für neue Plattformen aufzeigen, stürzen sich nun auch die Schwergewichte des Schuldschein-Business in neue Aktivitäten. Auf der einen Seite die LBBW, die mit der Börse Stuttgart eine neue Plattform kreiert. Auf der anderen Seite die Helaba und die BayernLB, die mit dem Fintech VC Trade gemeinsame Sache machen. Wie unterscheiden sich deren Ansätze? Wer hat mehr Chancen, sich mittelfristig durchzusetzen? Unsere Analyse gibt Aufschluss.

Schwerpunkt Rotation der Abschlussprüfer

Ein Umdenken fand auch nach den heftigen Bilanzskandalen von Enron, Worldcom und Parmalat in der Wirtschaftsprüfung statt. Sind die Bande zwischen Unternehmen und ihren Prüfern zu eng? Viele Jahre später kommt nun die Reform nach Deutschland: Alle paar Jahre müssen Unternehmen ihren Prüfer wechseln. Warum das zu neuen Herausforderungen für CFOs führt, wie mittelständische Prüfer davon profitieren könnten und wie der Branchenverband IDW auf die Rotation schaut, zeigt Ihnen der Schwerpunkt der neuen Ausgabe.

„Mein Eindruck ist, dass die Dominanz der Big Four sogar noch gestärkt wurde.“ 

Christian Fuchs, Ebner Stolz

Zumindest das vorläufige Fazit des Ebner-Stolz-Partners Christian Fuchs fällt zwiespältig aus: „Mein Eindruck ist, dass die Dominanz der Big Four sogar noch gestärkt wurde.“ Trotzdem erhoffen sich die Stuttgarter, dass für sie und andere „Next Ten“-Gesellschaften künftig mehr Beratungs- und Prüfungsaufträge abfallen werden, weil die Restriktionen für die „Big Four“ der Prüfung – also PwC, EY, KPMG und Deloitte – größer geworden sind. 

markus.dentz[at]finance-magazin.de

Die neue FINANCE

Wie ING-Vorstand Joachim von Schorlemer im deutschen Firmenkundengeschäft in die Top 5 vorstoßen will, wie Unternehmen angesichts des Handelskriegs auf die Strafzölle reagieren können und warum sich CFOs auf das Abenteuer Start-up einlassen – diese und viele weitere Themen finden Sie in der neuen FINANCE-Ausgabe, die Sie hier bestellen oder heute schon als E-Paper beziehen können.