Der Franken-Schock hat Straumann hart getroffen. CFO Peter Hackel musste zügig reagieren.

Straumann (links), Howard Brundrett/Straumann

06.05.15
CFO

Wie Straumann-CFO Peter Hackel dem Franken-Schock begegnet

Die plötzliche Aufwertung des Schweizer Franken hat das Baseler Dentaltechnikunternehmen Straumann hart getroffen. CFO Peter Hackel spricht über erste Reaktionen, strikte Kostendisziplin und das Festhalten an bestehenden Wachstumsplänen.

Peter Hackel, die Entkopplung des Euro-Franken-Wechselkurses hat Mitte Januar in der Schweizer Wirtschaft für einen Schock gesorgt. Erinnern Sie sich noch, wie Sie davon erfahren haben?

Das werde ich so schnell nicht vergessen. Ich saß bei einer Investorenkonferenz auf dem Podium, während unser CEO Marco Gadola das Unternehmen präsentiert hat. Plötzlich hat man gemerkt, dass das Publikum unruhig wurde, die Zuhörer haben nach ihren Handys gegriffen, begannen zu tuscheln. Wenig später erfuhren dann auch wir den Grund dafür. Die Gespräche auf der Konferenz haben sich von dem Moment an grundlegend verändert: Vor der Bekanntgabe der Franken-Entkopplung ging es um Wachstumspläne, danach nur noch um Währungsfragen und Hedging-Strategien.

Hat Sie die Entscheidung der Schweizer Nationalbank überrascht?

Uns war klar, dass der Mindestkurs nicht ewig Bestand haben würde. Doch der Zeitpunkt für die Entscheidung hat mich schon überrascht. Wir haben dann schnell eine Bestandsaufnahme gemacht, welche Folgen die Aufhebung des festen Wechselkurses für uns haben dürfte.

Nicht jedes Unternehmen ist von der Franken-Aufwertung in gleichem Maße betroffen. Welche Prognose haben Sie für Straumann entwickelt?

Wir gehören zu den am stärksten betroffenen Unternehmen. Bei einem Euro-Franken-Kurs von etwa 1,02 könnte unser Umsatz in diesem Jahr um 75 Millionen Schweizer Franken fallen – das wäre ein Rückgang von fast 10 Prozent gegenüber unserem Jahresumsatz 2014 von 710 Millionen Franken. Das Ebit lag 2014 bei 148 Millionen Franken und könnte um 40 Millionen Franken niedriger ausfallen.

Wie kommen diese drastischen Werte zustande?


Das liegt an unserer Aufstellung: Wir erzielen 95 Prozent des Umsatzes außerhalb der Schweiz, die Kosten aber fallen zu 45 Prozent in Franken an. Wir sichern zwar aktiv unser Transaktionsrisiko ab, aber es ist nicht möglich, das Translationsrisiko abzusichern.

Straumann-CFO Peter Hackel: „Wir verhandeln Verträge neu“

Sie haben schon nach wenigen Wochen einen Plan vorgelegt, mit dem Sie auf die Franken-Aufwertung reagieren wollen. Dazu macht auch das Personal Zugeständnisse.

Mitarbeiter in der Schweiz verzichten auf einen Teil ihres Gehalts, beginnend bei 5 Prozent für Arbeiter über 10 Prozent im mittleren Management bis hin zu 25 Prozent im Executive Management. Unser CEO verzichtet auf 35 Prozent der Vergütung. Im Frühjahr 2016 werden wir diese Maßnahme neu prüfen. Zudem haben wir einen Einstellungsstopp für eine Reihe von Positionen verhängt, beispielsweise im Backoffice. Und wir blicken auf die Ausgabenseite: Reisen müssen gut begründet werden. Geplante Ausgaben über 10.000 Franken müssen von mir vorab genehmigt werden. Das erhöht die Kostendisziplin, und ich habe die Möglichkeit, sofort das Gespräch mit den Bestellern zu suchen. Neben diesen kurzfristig umgesetzten Maßnahmen wollen wir langfristig das natürliche Hedging verbessern.

Wie wollen Sie das schaffen?

Wir verhandeln die Verträge mit unseren Lieferanten neu. Wo es möglich ist, möchten wir Verträge von Franken auf Euro oder Dollar umstellen. So könnten wir einen Teil der Kosten aus dem Schweizer Währungsraum verlagern. Zudem wollen wir in den kommenden Jahren stark international wachsen. Allerdings ist Straumann eine Schweizer Marke und soll es auch bleiben. Daher werden wir weiterhin einen relativ hohen Kostenblock für Produktion und Gehälter in Franken haben.

Im internationalen Geschäft könnte Ihnen der starke Franken ausnahmsweise zugutekommen, etwa bei Zukäufen.

Das stimmt. Wir haben Anfang April den brasilianischen Anbieter von Dentalimplantaten Neodent vollständig übernommen, drei Jahre früher als zunächst geplant. Der starke Franken war dabei allerdings nur ein Nebeneffekt. Wichtiger ist uns der strategische Gedanke: Der Zukauf zeigt, dass wir nach wie vor investieren und nach vorn schauen.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

Weitere Infos über den Straumann-CFO lesen Sie im Steckbrief zu Peter Hackel in unserem CFO-Almanach FINANCE-Köpfe. Einen ausführlichen Hintergrundartikel über den Umgang des Unternehmens Straumann mit den Währungsturbulenzen lesen Sie in der neuen Printausgabe der FINANCE, die an diesem Freitag, 8. Mai, erscheint.