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Ekosem Agrar erwägt IPO in Frankfurt

Von den russischen Weiten aufs Frankfurter Parkett? Ekosem Agrar könnte schon 2015 Anlauf zu einem Börsengang nehmen.
Ekosem Agrar

Beim deutsch-russischen Agrarkonzern Ekosem Agrar wächst die Dringlichkeit, das Eigenkapitalpolster zu stärken. Die lokalen Finanzierungspartner in Russland leiden unter den Finanzsanktionen des Westens, und auch die zweite Finanzierungssäule Ekosems ist ins Wanken geraten. 2017 und 2018 stehen zwei Mittelstandsanleihen im Volumen von zusammen fast 130 Millionen Euro zur Rückzahlung an, und nach unzähligen Ausfällen hat sich die Marktstimmung gegenüber Mini-Bonds deutlich eingetrübt.

Das Ekosem-Management um CEO Stefan Dürr und CFO Wolfgang Bläsi spielt gerade intensiv Möglichkeiten durch, „innerhalb der nächsten eineinhalb Jahre“ frisches Eigenkapital aufzunehmen, sagte CFO Wolfgang Bläsi heute Mittag gegenüber FINANCE-TV.

„Eine von zwei Möglichkeiten ist, einen externen Eigenkapitalinvestor an Bord zu holen oder uns das Eigenkapital vom Kapitalmarkt zu besorgen“, erklärte Bläsi. Die Wahl für einen Börsenstandort scheint bereits gefallen zu sein. Bei der Frage „Frankfurt oder Moskau“ bekennt sich Bläsi derzeit klar zu Frankfurt. Seine klaren Aussagen deuten darauf hin, dass Ekosem schon im kommenden Jahr einen ernsthaften Anlauf zum Börsengang in Frankfurt unternehmen könnte. Die beiden Mittelstandsanleihen des Unternehmens sind in Stuttgart notiert.

Noch investiert Ekosem Agrar „jeden Euro“

Die Bilanzrelationen signalisieren einen gewissen Handlungsdruck – unabhängig von der gegenwärtigen Börsenlage und den Russland-Sanktionen: Aktuell ist Ekosem netto mit rund 325 Millionen Euro verschuldet, das ist mehr als dreimal so viel wie das ausgewiesene Eigenkapital von 100 Millionen Euro. Die Eigenkapitalquote liegt bei 21 Prozent, die Nettoverschuldung dürfte am Jahresende bei rund 6x bis 7x Ebitda liegen – ein hoher Wert.

Allerdings gibt Bläsi an, dass ein Börsengang nicht zwingend nötig sei. „Wir haben eine Alternative: Wir könnten beschließen, dass wir zu wachsen aufhören. Aktuell reinvestieren wir noch jeden Euro in neue Ställe, Flächen und Milchkühe.“ Dann – so Bläsi – würde der Cashflow schlagartig ansteigen und Ekosem könne zumindest die erste Mittelstandsanleihe von 50 Millionen Euro, die im Herbst 2017 fällig wird, zurückführen. Aktuell notiert das Papier bei rund 94 Prozent. 

Ekosem-CFO Wolfgang Bläsi setzt auf den Cashflow des Milchgeschäfts

Operativ ist das Re-Design der Kapitalmarktstory von Ekosem bereits in vollem Gange. Dürr und Bläsi haben ihren Investitionsfokus auf die Milchkuhhaltung gelegt, bis Jahresende soll die Milchkuhherde von 21.000 auf 25.000 Tiere anwachsen. Hohe Investitionen in moderne Melkanlagen haben gleichzeitig dafür gesorgt, dass der Milchertrag pro Kuh zuletzt deutlich zugenommen hat.

„Das Milchgeschäft liefert einen stetigen Cashflow“, sagt Bläsi, der die täglichen Einnahmen aus dem Milchverkauf auf 200.000 Euro beziffert – das wären fast 70 Millionen Euro im Jahr. 2013 sind es noch 47,6 Millionen Euro gewesen. „Damit ist Ekosem deutlich weniger anfällig für kurzfristige Working-Capital-Schwankungen als in der Vergangenheit“, glaubt Bläsi. Früher hatte bei Ekosem das klassische Getreidegeschäft, das unterjährig viel Kapital auf den Feldern bindet, ein deutlich höheres Gewicht. Inzwischen kommt aber schon fast zwei Drittel der Umsätze aus dem Milchgeschäft.

In der aktuellen, von diversen Unsicherheiten geprägten Finanzierungssituation, gewinnt diese Verschiebung für Ekosem strategische Bedeutung, denn die kurzfristige Working-Capital-Finanzierung sichert sich das Unternehmen hauptsächlich über russische Banken wie die Sberbank und die staatliche Landwirtschaftsbank. Ein dickeres Eigenkapitalpolster könnte Bläsi dabei helfen, den Anteil Deutschlands am gesamten Funding-Volumen des Konzerns hochzufahren.       

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

Info

Was macht Wolfgang Bläsi in seiner Freizeit, und ist er ein Neuling im Agrar-Business? Mehr Infos über den Ekosem-CFO finden Sie in Bläsis Profil in unserem CFO-Almanach FINANCE-Köpfe.

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Michael Hedtstück ist Chefredakteur von FINANCE-Online und FINANCE-TV und verantwortet die Online-Aktivitäten des FINANCE-Magazins. Er ist zweifacher Träger des Deutschen Journalistenpreises.

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