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Rocket Internet stürzt ab und baut um

Während der Aktienkurs von Rocket Internet stark unter Druck ist, sorgen die Berliner dafür, dass sie auch in Zukunft weiter im Markt für Wachstumsfinanzierungen mitmischen können.
Rocket Internet

Die Wachstumsstory von Rocket Internet ist ins Stocken geraten. Der Aktienkurs der Berliner Startup-Schmiede hat gestern bei unter 18 Euro einen neuen historischen Tiefstand erreicht. Das ist weniger als die Hälfte des Ausgabepreises von 42,50 Euro, der beim IPO im Oktober 2014 angesetzt wurde.

Die Talfahrt des Aktienkurses hat schon im Februar vergangenen Jahres begonnen, als Rocket Internet sich mit einer Kapitalerhöhung 600 Millionen Euro an frischem Kapital beschaffte. Mitte Juli 2015 platzierte Rocket Internet dann noch eine Wandelanleihe über 550 Millionen Euro. Die Investoren reagierten nicht gut auf die Transaktionen, die Aktie brach regelrecht ein. Die Deals verwässern zum einen die Anteile der Aktionäre, vor allem  weckten sie aber Besorgnis über den hohen Cash-Verbrauch des Internet-Investors. Die Beteiligungen der Berliner wie zum Beispiel Hello Fresh, West Wind oder Helpling lassen sich viel Zeit damit, zu profitablen Unternehmen zu werden.

Management von Rocket Internet reagiert auf Kurssturz

Die Talfahrt der Aktie hat für Rocket-CFO Peter Kimpel den Kapitalmarkt als Finanzierungsquelle erst mal verschlossen, zumal Rocket-Chef Oliver Samwer erst im Herbst den Investoren versprach, für die nächsten drei Jahre auf verwässernde Kapitalmarkttransaktionen verzichten zu wollen.

Jetzt hat das Management einen smarten Alternativweg zu frischem Kapital gefunden: Die Berliner haben den Rocket Internet Capital Partners Fund gegründet. Der Fonds für Wachstumsfinanzierungen hat heute den ersten Teil des Fundraisings mit einem First Closing bei 420 Millionen US-Dollar abgeschlossen. Rocket Internet beteiligte sich mit 50 Millionen US-Dollar. Das Zielvolumen beläuft sich auf 500 Millionen Dollar, die geplante Laufzeit des Fonds beträgt neun Jahre zuzüglich einer zweijährigen Verlängerungsoption.

Der Fonds wird gemeinsam mit Rocket Internet investieren, allerdings nicht bei allen Projekten des Internetunternehmens. Strategische Investitionen wie beispielsweise große Zukäufe für bestehende Portfoliounternehmen wird Rocket Internet weiterhin alleine stemmen, ebenso wie die Finanzierung von Unternehmensgründungen auf der Plattform der Startup-Schmiede. Die relativ kostengünstigen Seed-Finanzierungen wollen sich die Berliner einerseits nicht nehmen lassen. Andererseits ist dieses riskante, kleinteilige Geschäft auch nicht passend für geschlossene Private-Equity-Fonds – außer Rocket tummeln sich in diesem Markt in erster Linie Business Angels wie Cornelius Boersch und Frank Thelen.

Samwer-Brüder erschließen sich neue Finanzierungsquelle

Damit bleibt als Sweet Spot für den Rocket-Fonds das mittlere Segment der Wachstumsfinanzierungen, also Unternehmen, die bereits bestehen, deren starkes Wachstum aber noch größeren Finanzierungsbedarf erzeugt. Gerade diese Finanzierungen sind kostspielig, da für das Wachstum viel investiert werden muss, die Gewinne aber mitunter lange auf sich warten lassen.  In dieser Nische konkurriert Rocket mit Venture-Capital-Investoren wie zum Beispiel Earlybird aus Deutschland oder den großen VC-Häusern aus Kalifornien.

Der neue Fonds dürfte für Rocket Internet einen hohen strategischen Wert haben, denn genau in diesem Marktsegment dürften die Expansionsbestrebungen des Konzerns am stärksten durch den inzwischen stark eingeschränkten Kapitalmarktzugang behindert werden. Nun hat Rocket Internet einen finanzstarken Co-Investor an seiner Seite, auf dessen Investmententscheidungen die Rocket-Führung durchaus Einfluss haben dürfte.

Die Berliner wollen sich direkt und über die Beteiligung an dem Fonds mit 28 Prozent an den geplanten Finanzierungsrunden beteiligen, die der Rocket-Fonds eingeht. Neben den 50 Millionen US-Dollar mit denen Rocket Internet an dem Fonds beteiligt ist, verschafft sich das Unternehmen damit Zugriff auf rund 370 Millionen US-Dollar neues externes Kapital für zukünftige Beteiligungen.

Damit entlastet der Fonds die Kriegskasse von Rocket und senkt den Cash-Bedarf für neue Beteiligungen bei gleichzeitig breiterer Risikostreuung. Und Rocket Internet behält dennoch den Fuß in der Tür bei interessanten Wachstumsunternehmen. Zumindest zur Überbrückung der Kapitalmarktflaute könnte das neue Vehikel Rocket ein wenig Zeit verschaffen.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de

Info

Vom IPO bis zu den Finanzierungsrunden bei Delivery Hero: Eine Übersicht über die Rocket-Deals finden Sie auf unserer FINANCE-Themenseite zu Rocket Internet.

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Antonia Kögler ist Redakteurin bei FINANCE und DerTreasurer. Sie hat einen Magisterabschluss in Amerikanistik, Publizistik und Politik und absolvierte während ihres Studiums Auslandssemester in Madrid und Washington DC. Sie befasst sich schwerpunktmäßig mit Finanzierungsthemen und verfolgt alle Entwicklungen rund um Green Finance und Nachhaltigkeit in der Finanzabteilung.

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