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Private Equity bietet für Schaltbau und Aves One

Private Equity und Verkehrstechnik – das passt offenbar zusammen. Über das Wochenende gab es zwei Übernahmeangebote von Finanzinvestoren in der Bahnbranche.
Marco2811 - stock.adobe.com

Der Private-Equity-Investor Carlyle will den Verkehrstechnikkonzern Schaltbau für rund 700 Millionen Euro übernehmen. Wie die beiden Unternehmen am Wochenende mitteilten, habe man eine entsprechende Vereinbarung unterzeichnet. Ziel sei eine „strategische Partnerschaft zur Unterstützung der langfristigen Wachstums- und Investitionsstrategie von Schaltbau“, heißt es weiter.

Konkret bietet Carlyle 53,50 Euro für jede Schaltbau-Aktie. Die Offerte liegt damit 32 Prozent über dem Schlusskurs der Schaltbau-Aktie vom Freitag, der mit 40,55 Euro nahe einem Jahreshoch lag. Am Montagvormittag kletterte die Aktie zeitweise sogar über das geplante Übernahmeangebot.

Die Bewertung für Schaltbau ist stattlich: Die Münchener erzielten 2020 ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) in Höhe von 42 Millionen Euro. Das Multiple liegt also bei 16,7x. Allerdings kommt Schaltbau aus einer Restrukturierung mit entsprechend aktuell noch gedämpfter Profitabilität. 

Kapitalmarkt feiert die angekündigte Offerte von Carlyle

Carlyle überzeugt Großaktionäre von Schaltbau

Nach Angaben des Finanzinvestors haben sich die größten Aktionäre dazu verpflichtet, ihre Anteile im Zuge des Übernahmeangebots an Carlyle abzugeben. Dazu gehören etwa die Familie Zimmermann (25 Prozent), der Investor Teslin Capital (10 Prozent) und der aktivistische Investor AOC (8 Prozent). Zusammen stehen sie für etwa 69 Prozent des vollständig verwässerten Grundkapitals von Schaltbau. Die Verwässerung kommt dadurch zustande, dass das Übernahmeangebot auch eine von Schaltbau begebene Pflichtwandelanleihe umfasst, die in Aktien gewandelt wird.

Eine Mindestannahmeschwelle wird das Angebot nicht haben. Allerdings müssen die Wettbewerbsbehörden dem Deal noch zustimmen und die Bedingungen für ausländische Direktinvestitionen erfüllt werden.

Carlyle will Schaltbau beim Wachstum helfen

Auch der Schaltbau-Vorstand begrüßt den geplanten Einstieg des US-Finanzinvestors. „Mit der zusätzlichen finanziellen Unterstützung, dem globalen Branchenzugang und dem Netzwerk von Carlyle können wir unsere Wachstumspläne, die wir in unserer Strategie 2023 dargelegt haben, deutlich beschleunigen“, kommentierte CEO Jürgen Brandes das Übernahmeangebot.

Der im Januar zum CEO aufgestiegene Brandes und der seit März 2021 amtierende CFOSteffen Munz  hatten im Frühjahr ehrgeizige Wachstumspläne für die kommenden zwei Jahre skizziert: Das Bahn-Kerngeschäft von Schaltbau soll durch „gezielte Akquisitionen“ gestärkt, das Servicegeschäft ausgebaut und das Geschäft rund um die E-Mobilität erweitert werden. Bei diesen Plänen dürfte die Finanzstärke von Carlyle helfen.

Auch die Analysten von Warburg empfehlen den Schaltbau-Aktionären, das Angebot, das ein Allzeithoch der Aktien darstelle, anzunehmen: Die Offerte liege „signifikant“ über dem von Warburg modellierten fairen Wert und berücksichtige die mögliche Wertsteigerung, die sich aus internen Verbesserungen und dem Wachstum in neuen Märkten ergebe, so die Analysten. Es würde viel länger dauern, bis Schaltbau diese Bewertung alleine – sprich ohne Carlyle im Hintergrund – rechtfertigen könne, heißt es weiter von Warburg.

FINANCE-Köpfe

Steffen Munz, Schaltbau Holding AG

Steffen Munz startet 2004 nach dem Studium als Consultant bei der Strategieberatung Roland Berger. Der Wechsel in die Industrie erfolgt 2008 als Leiter Group Controlling beim Medizinproduktehersteller Hartmann.

2011 vergrößert er seinen Verantwortungsbereich und wird bei dem Medizinproduktehersteller zum Divisional CFO. 2014 wechselt Munz als Segment-CFO zum US-Industriekonzern Gardner Denver, ein Portfolio-Unternehmen der Private Equity-Gesellschaft KKR. 2018 wird Munz Finanzvorstand (Group CFO) beim Batteriehersteller Varta.

Im Oktober 2020 wird bekannt, dass Steffen Munz Varta zum Jahresende 2020 verlassen wird. Anfang November 2020 gibt der Verkehrstechnikkonzern Schaltbau bekannt, dass Munz ab dem 1. März 2021 neuer CFO des Unternehmens wird.

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Ähnlich sieht es die Commerzbank. Mit der geplanten Übernahme durch Carlyle erhalte das Management von Schaltbau Zugang zu „beispielloser Finanzierungsunterstützung“ sowie Industriekontakten, schreibt Analyst Michael Junghans. So könne ein Marktführer in den Wachstumsmärkten für Gleichstrom-Komponenten und Anwendungen geschmiedet werden.

Schaltbau kommt aus der Restrukturierung

Der Verkehrstechnikkonzern hat eine schwierige Zeit hinter sich: Die Münchener waren 2016 in Folge missglückter Zukäufe tief in die roten Zahlen und 2017 sogar an den Rand einer Finanzierungskrise gerutscht. Das Management um den damaligen CFO Thomas Dippold, der seit Oktober 2020 für die Finanzen des Wiesbadener Kohlenfaserspezialisten SGL Carbon zuständig ist, sicherte dem Unternehmen mit einer Brückenfinanzierung schließlich die notwendige Liquidität und professionalisierte anschließend die Prozesse in der Finanzabteilung.

Im vergangenen Jahr bremste dann die Coronakrise den Wiederaufstieg des Bahntechnikkonzerns aus, der eigentlich schon 2020 in den Wachstumsmodus schalten wollte: Stattdessen legte der Umsatz der fortgeführten Einheiten nur leicht um 2 Prozent auf 502 Millionen zu, die Ebit-Marge kletterte immerhin von 3,7 auf 4,3 Prozent. Beide Werte wollte Schaltbau ursprünglich stärker steigern.

Das Unternehmen hatte sich auf dem Höhepunkt der Krise sogar ein KfW-Darlehen gesichert, das CFO Munz allerdings in der vergangenen Woche durch einen syndizierten Kredit über 150 Millionen Euro ablöste. Die KfW schied aus dem Konsortium aus, zugleich knüpfte Schaltbau die Finanzierungskonditionen an die Nachhaltigkeitsperformance. 

Auch unter dem neuen Eigentümer sollen Finanzchef Munz und CEO Brandes – ein ehemaliger Bahn-Manager – ihre Jobs behalten: Carlyle würde es „begrüßen, dass die derzeitigen Vorstandsmitglieder ihre Rolle im Unternehmen beibehalten“, heißt es in der Mitteilung. Der Finanzinvestor habe zudem zugesagt, die Struktur, die Standorte und die Belegschaft von Schaltbau unangetastet zu lassen.

Aves One wird mit 12,3x Ebtida bewertet

Schaltbau ist nicht der einzige geplante Private-Equity-Deal in der deutschen Bahnbranche: Auch der Waggonvermieter Aves One wird wohl in den Besitz von zwei Finanzinvestoren wechseln. Swiss Life Asset Management, der Vermögensverwalter des Schweizer Lebensversicherers Swiss Life, und der französische Infrastrukturinvestor Vauban Infrastructure Partners wollen die Hamburger für einen Unternehmenswert von rund 1 Milliarde Euro übernehmen. Auf Basis des 2020 erzielten Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) entspricht dies einem Multiple von 12,3x.

Konkret bieten die zwei Investoren 12,80 Euro je Aktie, was einem Aufschlag von 38,6 Prozent auf den volumengewichteten Durchschnittsaktienkurs der letzten drei Monate vor Ankündigung der Transaktion entspricht. Die künftigen Eigentümer wollen zudem zusätzliches Kapital in Höhe von mindestens 100 Millionen Euro für das weitere Wachstum von Aves One zur Verfügung stellen. Dies ist auch nötig, da die Bilanz von Aves One mit einer Eigenkapitalquote von weniger als 2 Prozent (Stichtag Ende 2020) stark fremdkapitallastig ist.

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Die Konstellation ist ähnlich wie bei Schaltbau: Das Management von Aves One und die wichtigsten Großaktionäre unterstützen den Deal. Dazu gehört mit rund 29 Prozent der Gründungsaktionär und Hamburger Investor Jörn Reinecke. Zudem halten die Versorgungswerk der Zahnärztekammer Berlin und der Zahnärztekammer Nordrhein jeweils 21 beziehungsweise 15 Prozent an Aves und werden ihre Anteile an Swiss Life und Vauban Infrastructure Partners verkaufen.

Es ist nicht der erste Deal von Private Equity bei Waggonvermietern: Vor gut zwei Jahren hatte der Infrastrukturfonds von Morgan Stanley den ebenfalls in Hamburg ansässigen Waggonvermieter VTG von der Börse genommen.

desiree.buchholz[at]finance-magazin.de

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Desirée Buchholz ist Redakteurin bei FINANCE und Leitende Redakteurin der Schwesterpublikation DerTreasurer. Seit 2014 moderiert sie beim Web-TV-Sender FINANCE-TV. Desirée Buchholz hat einen Masterabschluss im Fach International Business and Economics und schrieb während des Studiums als freie Journalistin unter anderem für das Handelsblatt sowie die Wirtschaftsmedien von Gruner + Jahr.

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