Finanzchef Thomas Dippold verlässt Schaltbau.

Schaltbau

17.08.20
CFO

Schaltbau verliert CFO Thomas Dippold

Thomas Dippold verlässt den Verkehrstechnikkonzern Schaltbau und heuert als CFO bei SGL Carbon an. Dort kann man seine Erfahrung als Restrukturierer dringend gebrauchen.

Neue Herausforderung für CFO Thomas Dippold: Der 48-Jährige kehrt dem Verkehrstechnikkonzern Schaltbau zum 1. September den Rücken. Anfang Dezember übernimmt Dippold dann das Finanzressort bei dem Kohlefaserspezialisten SGL Carbon, der gemessen am Umsatz etwa doppelt so groß ist wie Schaltbau. Bei SGL folgt er auf CFO Michael Majerus, der Ende November „in gutem gegenseitigen Einvernehmen aus seinem Amt ausscheidet“, wie SGL Carbon erklärte.

Dem Wiesbadener Konzern, der seit Jahren mit Verlusten zu kämpfen hat und dem nun die Coronavirus-Pandemie zusetzt, ist mit der Verpflichtung von Dippold ein kleiner Coup gelungen. „Wir freuen uns, mit Herrn Dippold eine überzeugende und auf seinem Gebiet hoch respektierte Persönlichkeit gewonnen zu haben“, erklärt die Aufsichtsratsvorsitzende der SGL Carbon SE, BMW-Erbin Susanne Klatten.

Bei seinem Noch-Arbeitgeber Schaltbau heißt es indes: „Wir bedauern sein Ausscheiden sehr und danken Herrn Dippold ausdrücklich für seine hervorragende Arbeit“, so Hans Fechner, Vorsitzender des Aufsichtsrates. Der Finanzchef habe einen „wesentlichen Beitrag zur Restrukturierung und zum Turnaround der Schaltbau-Gruppe geleistet“.

CFO Dippold kam als Restrukturierer

Mit Dippold verliert Schaltbau einen erfahrenen Sanierer: Der Diplom-Kaufmann wechselte Anfang 2017 zu dem Unternehmen, wo er die Leitung der Ressorts Rechnungswesen, Controlling, Treasury, Personal, IT, Compliance und Risikomanagement übernahm. Der Verkehrstechnikkonzern war damals in einer prekären Lage: Zugekaufte Auslandstöchter drückten den Konzern in die roten Zahlen, es drohte eine Finanzierungslücke.

Mit einer Brückenfinanzierung sicherte der Finanzchef dem Unternehmen gemeinsam mit dem damaligen CRO Martin Kleinschmitt die Liquidität. Es folgten zwei Kapitalerhöhungen und der Verkauf der Tochter Pintsch Bubenzer. „Dadurch hatten wir mehrere Bälle in der Luft“, erklärte Dippold kürzlich im Interview mit FINANCE. „Wir konnten und wollten uns nicht allein darauf verlassen, dass die Kapitalerhöhung so viel erlöst, wie wir uns vorstellten.“ Parallel dazu professionalisierte Dippold die internen Prozesse in der Finanzabteilung von Schaltbau und holte neue Führungskräfte für die Bereiche Accounting, Controlling und Treasury an Bord.

Vor seinem Wechsel zu Schaltbau arbeitete Dippold als CFO bei dem Schreibwarenhersteller Faber-Castell. Davor war er als kaufmännischer Geschäftsführer bei Semikron International, einem Hersteller von Leistungselektronikkomponenten, tätig. Auch bei dem Glasproduzenten Schott hatte er eine kaufmännische Führungsposition inne. Begonnen hat Dippold seine Karriere bei der HSBC in London und Düsseldorf.

Aufsichtsrat Thorsten Grenz wird Interim-CFO

Sein Noch-Arbeitgeber Schaltbau hat derweil bereits einen interimistischen Nachfolger für Dippold gefunden: Thorsten Grenz, jetziger stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrates, wird den CFO-Posten zunächst ab September besetzen. Währenddessen wird sein Aufsichtsmandat ruhen.

Grenz war bereits früher als CFO tätig. So war er einem früheren Lebenslauf zufolge, den Schaltbau veröffentlicht hat, unter anderem von 2000 bis 2005 Finanzvorstand des Telekommunikationsanbieters Mobilcom sowie von 2005 bis 2006 CFO des Schweizer Lebensmittelhersteller Hero.

Bei der Einarbeitung von Grenz soll Dippold noch helfen: Bis Ende November werde er als Berater zur Verfügung stehen, erklärte der CFO gegenüber FINANCE. Dabei gehe es vor allem darum, seinem Nachfolger „Budget-Themen zu übergeben“. Wie Schaltbau erklärte, laufe aber auch bereits die Suche nach einem dauerhaften Nachfolger für Dippold.

Der Konzern wollte nach der erfolgten Restrukturierung in diesem Jahr eigentlich wieder in den Wachstumsmodus schalten. Allerdings geht die Corona-Pandemie auch an dem Verkehrstechnikkonzern nicht spurlos vorüber. Insgesamt präsentierte sich der Konzern im ersten Halbjahr aber auch dank eingeleiteter Gegenmaßnahmen recht stabil. Der Umsatz stieg in den ersten sechs Monaten sogar leicht um 2,6 Prozent auf 239,3 Millionen Euro an, die Ebit-Marge blieb auf Vorjahresniveau. Man sei auf einem guten Weg, so CFO Dippold.

Majerus war Interim-CEO bei SGL Carbon

Die Situation bei Dippolds neuem Arbeitgeber ist ungleich schwieriger: Im ersten Halbjahr sank der Umsatz von SGL um fast 19 Prozent auf gut 456 Millionen Euro, teilte der Automobil- und Luftfahrtzulieferer mit. Unter dem Strich stand ein Verlust auf 13,8 Millionen Euro.

Der Kohlenstoffspezialist arbeitet seit Jahren nahezu ununterbrochen im Krisenmodus. Im Frühjahr 2018 schien es zwischenzeitlich so, als könne den Wiesbadenern nach der erfolgreichen finanziellen Sanierung auch der operative Turnaround gelingen.

Doch es kam anders: Nach einer völlig überraschenden Gewinnwarnung im August 2019 verließ CEO Jürgen Köhler das Unternehmen. Finanzchef Michael Majerus, der im Juli 2014 als Sanierer zu SGL gekommen war, übernahm zwischenzeitlich interimistisch die Konzernleitung. Allerdings galt der 59-Jährige damals schon als angezählt. Schließlich war das für die Gewinnwarnung mitverantwortliche Reporting- und Controlling in seinem Verantwortungsbereich angesiedelt. SGL teilte daher damals bereits mit, dass man nach einem externen CEO-Nachfolger suche. Seit Juli führt nun der frühere Lanxess-Manager Torsten Derr das Unternehmen.

Nun muss auch Majerus gehen. Zum Abgang dankte der Aufsichtsrat dem promovierten Betriebswirt „sehr für seine großen Verdienste im Interesse der SGL Carbon“. Majerus habe das Unternehmen durch mehrere große Kapitalmarktfinanzierungen stabilisiert und mit den „erfolgreichen Veräußerungen des Graphitelektroden- und des Kathodengeschäfts maßgeblich zur strategischen Neuausrichtung des Unternehmens beigetragen“. Nachfolger Dippold soll nun gemeinsam mit CEO Derr auch endlich den operativen Turnaround schaffen - eine große Herausforderung in Corona-Zeiten.

sarah.backhaus[at]finance-magazin.de

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